Ungelöster Mordfall in Bergkamen: Opfer soll von Reichtum erzählt haben

rnPolizei ermittelt wieder

Über 22 Jahre nach dem Mord an Anne Saußen ermittelt die Polizei in diesem „Cold Case“ wieder. Das weckt bei Oberadenern Erinnerungen an das brutale Verbrechen. Die könnten zum Motiv des Mörders führen.

Bergkamen, Oberaden

, 14.11.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In dem Mehrfamilienhaus Am Boirenbusch 15 in Oberaden wohnt niemand mehr, der den Mord an Anne Saußen miterlebt hat. Die langjährigste Mieterin ist dort 1999 eingezogen – ein Jahr nach der brutalen Tat. Natürlich wurde damals noch über den Mord geredet, erzählt sie. Doch irgendwann geriet das Verbrechen in Vergessenheit.

Beamte der Kripo waren schon vor einigen Wochen Am Boirenbusch, um sich den ehemaligen Tatort anzuschauen und mit den Menschen zu sprechen.

Beamte der Kripo waren schon vor einigen Wochen Am Boirenbusch, um sich den ehemaligen Tatort anzuschauen und mit den Menschen zu sprechen. © Stefan Milk

Bis vor ein paar Wochen Beamte der Kripo an der Wohnstraße in Oberaden auftauchten, sich das Haus anschauten und mit den Menschen sprachen. Auch mit der Bewohnerin: „Ich konnte ihnen aber nicht viel sagen“, meint sie.

Nachdem die Chance besteht, DNA-Spuren vom Tatort mit neuen Analysemethoden zu untersuchen, greifen die Ermittler den „Cold Case“ erneut auf. Und suchen auch ausdrücklich nach Zeugen.

Anne Saußen war in Bergkamen sehr bekannt

Vielleicht ist ihnen zu Ohren gekommen, was ältere Oberadenerinnen aus den umliegenden Straßen berichten, wenn man sie nach ihren Erinnerungen an den Mord fragt. Bekannt jedenfalls war Anne Saußen in dem Stadtteil. Mindestens zwei Frauen aus der Nachbarschaft erzählen, dass sie ganz gern darüber gesprochen habe, viel Geld zu besitzen.

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Das erklärt, warum die ermittelnde Staatsanwältin Sandra Lücke annimmt, der oder die Mörder hätten sich ihr Opfer gezielt ausgesucht. Die Ermittler vermuten jedenfalls einen Raubmord. Der oder die Täter drangen in der Nacht auf den 24. März 1998 in die Wohnung von Anne Saußen ein und knebelten die Seniorin. Sie erstickte und wurde am nächste Morgen tot aufgefunden.

Die Ermittlungen wecken Erinnerungen an die Tat

Man hört aber auch andere Stimmen in Oberaden. „Anne Saußen war doch nicht reich“, meint eine alteingessene Oberadenerin, die heute 68 Jahre alt ist. Sie kannte Anne Saußen persönlich, weil ihre Eltern mit ihr näher bekannt gewesen seien. „Sie war eine Ulknudel“, sagt sie. Anne Saußen war demnach unter anderem im Karnevalsverein aktiv.

Anne Saußen war verwitwet und lebte allein in ihrer Wohnung. Als sie umgebracht wurde, war sie 84 Jahre alt.

Anne Saußen war verwitwet und lebte allein in ihrer Wohnung. Als sie umgebracht wurde, war sie 84 Jahre alt. © Kripo Dortmund

Der Schock im Stadtteil damals muss groß gewesen sein. Und wohl nicht nur bei der 68-Jährigen kamen die Erinnerungen daran hoch, als sie hörte, dass die Polizei die Ermittlungen wieder aufgenommen hat. Für die Oberadenerin ist es eine gute Nachricht, dass diese Tat möglicherweise nach über zwei Jahrzehnten doch noch gesühnt wird.

Auch die Bewohnerin des Hauses Am Boirenbusch 15, die Anne Saußen ja gar nicht mehr kennengelernt hat, wäre froh, wenn die Ermittler Erfolg haben: „Man kann sich nur wünschen, dass sie den Täter fassen.“

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