Verlobungsgesellschaft behindert Retter? Beteiligte und Zeuge widersprechen der Polizei

rnAchtjähriger Junge aus Schwerte verletzt

Ein Junge aus Schwerte wird angefahren - und 100 Menschen im Umfeld sind außer sich. Die Polizei sagt, die Menschen hätten die Rettungskräfte behindert. Die Beteiligten aber widersprechen.

Lünen-Süd, Schwerte

, 12.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die gute Nachricht zuerst: Dem achtjährigen Jungen, der am vergangenen Sonntagabend gegen 22.20 Uhr vor dem Haus Bäcker an der Bebelstraße von einem Auto angefahren und verletzt wurde, geht es besser. „Er ist am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen worden“, ihm geht es relativ gut“, sagt sein Onkel Rabih Saado.

Er ist trotzdem verärgert, und zwar über die Art der Berichterstattung. Denn die Polizei hatte gemeldet, dass die Gesellschaft, deren Gast auch der Junge war, die Rettungsarbeiten „massiv behindert“ habe. „Das stimmt so nicht“, sagt Saado.

Er räumt ein, dass die Menschen, es seien zwischen 100 und 150 gewesen, ziemlich aufgeregt gewesen seien. Das sei aber auch kein Wunder: „Wir hatten gesehen, wie der Junge von dem Auto erfasst und mehrere Meter durch die Luft geflogen ist und waren geschockt. Kann schon sein, dass einige einen Schritt zu nah dran waren. Aber es wurde keiner behindert von uns.“

“Wir sind ja keine Unmenschen“

Es hat sich laut Saado um eine Verlobungsfeier, nicht, wie von der Polizei berichtet, um eine Hochzeitsfeier gehandelt. „Es war aber natürlich in unserem Interesse, dass der Junge behandelt wird. Wir sind ja keine Unmenschen.“

Genau diese Behandlung sei aber eben nicht möglich gewesen, berichtet Peter Bandermann, Sprecher der Dortmunder Polizei, die den Einsatz ebenfalls begleitet hat: „Der Rettungsdienst konnte den Jungen erst behandeln, nachdem die Beamten die Kreuzung geräumt hatten“, sagt er. Das gleiche gelte für eine Frau, die nach dem Vorfall in einem Schockzustand war und ebenfalls notfallmedizinisch behandelt werden musste. Bandermann ergänzt: . Es sollte selbstverständlich sein, dass eine hohe Verantwortung tragende Rettungs- und Polizeikräfte sich an einer Einsatzstelle ungehindert und frei bewegen können.“

Ungehindertes Arbeiten sei nicht mehr möglich gewesen. „Niemand möchte unter solchen Umständen arbeiten.“ Die Beamten hätten die Umstehenden sogar zurückschubsen müssen, erklärt Bandermann.

Ein Anwohner: Keine Behinderung ersichtlich

Saado bleibt dabei: Eine Behinderung habe es nicht gegeben. Im Sozialen Netzwerk Facebook schreibt außerdem ein Nutzer, der die Szenerie offenbar beobachtet hat: „Die Straße war voll mit Menschen, keine Frage, allerdings war keine Behinderung für mich ersichtlich.“

In einer Sache sind sich Polizei und Saado immerhin einig. Denn auch die Polizei schreibt auf Anfrage: „Die Polizei ist heilfroh darüber, dass der 8-jährige Junge nicht noch schwerer verletzt worden oder Schlimmeres eingetreten ist. Das ist die wichtigste Aussage von allen und sollte die Diskussion abkühlen.“

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