Verräterischer WhatsApp-Chat: Hat ein 43-jähriger Lüner einen Familienhelfer erpresst?

rnAmtgericht Lünen

Sein Schweigen über die Affäre seiner Partnerin mit einem Familienhelfer wollte sich ein Lüner bezahlen lassen. Dafür stand er nun vor Gericht - eine Geschichte über Liebe, Geld und Drogen.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 20.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachrichten auf dem Handy seiner ehemaligen Partnerin und Mutter seiner Kinder schürten Anfang des Jahres den Argwohn eines Lüners (43). Er verdächtigte den selbständigen Sozialarbeiter, der sich im Auftrag des Jugendamtes um die Familie kümmerte, eine intime Beziehung mit der Ex-Freundin zu unterhalten.

Er kassierte das Smartphone mit den „belastenden“ Chats und vereinbarte ein Treffen mit dem Mann, der aus seiner Sicht plötzlich zum Nebenbuhler geworden war.

Opfer geriet offenbar in Panik

Fakt ist, dass sein Gegner anschließend offenbar in Panik geriet, quasi direkt 2500 Euro abhob und das Geld dem Lüner übergab, um in den Besitz des Handys zu kommen. Einige Tage später forderte der 43-Jährige aber erneut Geld. Diesmal erhielt er eine Absage und den Hinweis, dass sein Gegenüber eine Anzeige wegen Erpressung erstatten würde.

Diese Ankündigung und der erfolglose Versuch, noch mehr Geld zu kassieren, brachten den Lüner derart in Rage, dass er sein Opfer kurz darauf noch einmal anrief, wüst beschimpfte und ankündigte: „Ich bringe dich um.“

Und das alles unter laufender Bewährung.

Drogen und Spielhallen-Besuche

In der Verhandlung vor dem Amtsgericht räumte der Lüner nun ein, die 2500 Euro genommen zu haben. Er habe sein Gegenüber damit konfrontiert, dass er das Handy mit dem „Beweismaterial“ für die Affäre habe. Der Familienhelfer habe gefragt: „Was willst Du dafür haben?“

Sie hätten sich dann auf 5000 Euro geeinigt. 2500 Euro bekam der Lüner sofort, die zweite Hälfte hätte später fließen sollen. Dann habe sich der Mann jedoch quergestellt.

Es sei „möglich“, dass er ihn bedroht und beleidigt habe. Erinnern könne er sich nicht. Damals sei es mit der Drogensucht besonders schlimm gewesen. Unter anderem dafür und für Spielhallen-Besuche habe er das Geld genutzt. „Wenn ich klar im Kopf gewesen wäre, wäre das nicht passiert.“

Letzte Chance für den Angeklagten

Der Betroffene wurde ebenfalls gehört und er, der nun selbst nicht mehr im Auftrag des Jugendamtes tätig ist, erklärte, der Angeklagte habe 5000 Euro gefordert und ihm gedroht, sein Leben zu zerstören. Eingeschüchtert sei er gewesen, warum er sofort gezahlt habe, wisse er aber nicht.

Eine Affäre habe es nicht gegeben. Ja, sie hätten sich auch private WhatsApp geschrieben, das Ganze sei „eventuell etwas distanzlos“ gewesen – mehr aber nicht.

Aus Sicht von Strafrichter Ulrich Oehrle machte es am Ende keinen Unterschied, ob der Lüner das Geld forderte oder das Opfer es anbot. Es sei eine Erpressung gewesen. Hinzu kamen aber die Bedrohung und Beleidigung. Der Angeklagte erhielt eine letzte Chance: sechs Monate Haft auf Bewährung, 60 Sozialstunden und eine Therapieauflage.

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