Goldpaar aus Lünen muss kirchliche Trauung wegen Corona verschieben

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Vor 50 Jahren gaben sich Jutta und Wolfgang Dworzak das Ja-Wort auf dem Standesamt. Zur Goldhochzeit wollten sie kirchlich heiraten. Das geht nun nicht. Schuld ist das Corona-Virus.

Brambauer

, 01.04.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es wäre so schön gewesen - genau 50 Jahre nach ihrer standesamtlichen Trauung wollten sich Jutta und Wolfgang Dworzak mit kirchlichem Segen noch einmal das Ja-Wort geben. Am Samstag, 2. Mai, in der Martin-Luther-Kirche. In ganz kleinem Kreis, nur mit Kindern, Enkeln und zwei Trauzeugen. „Die wollten wir unbedingt dabei haben“, sagt die 69-jährige Jutta Dworzak.

Doch nun ist alles anders. Am 2. Mai wird das Ehepaar, das aus Sachsen-Anhalt stammt, alleine zuhause sein. Genauso wie an Ostern. Wegen des Coronavirus und seinen Folgen. „Aber wir verlieren uns nicht aus den Augen, es gibt ja Telefon“, sagt Jutta Dworzak.

Zweiter Besuch der Pfarrerin verschoben

Pfarrerin Friederike Scholz-Druba hat das Ehepaar aus Brambauer schon einmal besucht, um die Einzelheiten der kirchlichen Trauung zu besprechen. Am Mittwoch (1. April) war der zweite Besuch der Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Brambauer geplant. Der muss verschoben werden, genauso wie die kirchliche Trauung des Goldhochzeitspaares. In die Nach-Corona-Zeit.

Kennen gelernt haben sich die heute 69-Jährige und ihr fünf Jahre älterer Mann in ihrem kleinen Heimatort, 25 Kilometer von Magdeburg entfernt. „Im jugendichen Alter“, schmunzelt Jutta Dworzak.

Jutta und Wolfgang Dworzak bei ihrer standesamtlichen Trauung in der Nähe von Magdeburg am 2. Mai 1970.

Jutta und Wolfgang Dworzak bei ihrer standesamtlichen Trauung in der Nähe von Magdeburg am 2. Mai 1970. © Dworzak

Jung waren die Beiden auch noch, als sie 1970 heirateten. Nur standesamtlich. Kirchlich zu heiraten war in der DDR verpönt. „Unsere Lehrer haben sonntags an der Kirche gewartet und geschaut, wer zum Gottesdienst geht“, erinnert sich Jutta Dworzak.

Auch sonst sind die Eltern zweier Söhne in der DDR nicht wirklich zufrieden. „Wir haben einen Ausreiseantrag gestellt.“ Doch bis der genehmigt wurde, dauerte es Jahre. Jutta Dworzak: „Wir mussten aufpassen auf der Arbeit, man wurde beobachtet und gefragt, warum wir denn ausreisen wollen, wir kämen doch aus einem guten Elternhaus.“

Immer wieder Verhöre in der DDR

Ihre Mutter, die heute noch im Heimatort lebt und im Februar ihren 90. Geburtstag feierte, konnte nicht so richtig nachvollziehen, warum Tochter und Schwiegersohn in die Bundesrepublik wollten. Die Mutter von Wolfgang Dworzak jedoch ermutigte die junge Familie. Das Paar wurde immer wieder verhört. Und immer wieder erklärte Jutta Dworzak, dass sie ja nicht mal ihre Kinder richtig einkleiden könne - im Winter gebe es keine warme Kleidung, im Sommer keine für heiße Tage.

1984 schließlich konnte die Familie ausreisen, fand zunächst Unterkunft bei einer Patentante von Wolfgang Dworzak, die in Dortmund-Dorstfeld lebte. Sie vermittelte der Familie dann eine Wohnung in Brambauer. Zehn Jahre nach der Ausreise bauten die Dworzaks dort ein Haus.

Vor 25 Jahren entstand dieses Foto - bei der Silberhochzeit des Ehepaares.

Vor 25 Jahren entstand dieses Foto - bei der Silberhochzeit des Ehepaares. © Dworzak

Wolfgang Dworzak war Berufskraftfahrer, fand schnell im Westen eine neue Stelle. Seine Frau ist kaufmännische Angestellte, besuchte erst noch eine kaufmännische Schule und war in einer Übungsfirma tätig. Dann arbeitete sie kurz in einer Arztpraxis, bevor sie bei der Firma Jung anfing und dort 23 Jahre lang in der Produktion tätig war.

Klein, aber schön und feierlich

Mittlerweile ist das Ehepaar längst in Rente und plant trotz der Verschiebung wegen der Corona-Krise seine kirchliche Trauung. „Wir wollen uns vor Gott noch einmal trauen lassen, weil er uns begleitet.“

Die Hochzeit des Goldpaares soll zwar klein aber schön und feierlich werden. „Mit Trauzeugen und Ringtausch.“ Die Ringe soll der älteste Enkel den Großeltern an den Altar bringen. Als Trauzeugen haben ein guter Bekannter aus der evangelischen Kirchengemeinde und eine Nachbarin zugesagt.

Pfarrerin Friederike Scholz-Druba hat dem Paar versprochen, sich sofort zu melden, wenn die Kirchen wieder öffnen dürfen und Trauungen wieder möglich sind. Darauf freuen sich Jutta und Wolfgang Dworzak. Und am 2. Mai werden sie sich an ihre standesamtliche Trauung vor fünf Jahrzehnten erinnern - und auf die kirchliche Trauung freuen.

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