Trinkwasser für Brambauer enthält Spuren eines Medikaments gegen Gicht

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Wer gründlich sucht, der findet auch etwas - so auch im Trinkwasser in Brambauer: Dass ein Wert dort leicht erhöht ist, sei aber kein Grund zur Sorge, sagen die Fachleute.

Brambauer

, 19.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Lebensmittel unterliegt das Trinkwasser strengsten Kontrollen. Die Trinkwasserverordnung schreibt dabei vor, auf welche Dinge das Wasser, das direkt zu den Haushalten kommt, untersucht werden muss. Denn das Wasser kommt nicht einfach nur aus dem Hahn. Es stammt aus Bächen, Flüssen und Seen und wird in verschiedenen Wasserwerken der Region aufbereitet, und erst dann dem Leitungssystem zugefügt. Gelsenwasser kontrolliert die Ergebnisse der Aufbereitung in den Wasserwerken akribisch - und bevor das Wasser an die Hauptleitung der Stadtwerke Lünen abgegeben wird, wird es nochmals kontrolliert.

Engmaschige Kontrollen des Trinkwassers

„Die Stadtwerke Lünen, das Gesundheitsamt und unser Vorlieferant arbeiten eng zusammen. Diese Transparenz schätzen wir sehr und unterstützen alle Maßnahmen durch eine ausgesprochen kooperative Zusammenarbeit, die zur Gewährleistung der guten Trinkwasserqualität – auch in Zukunft – beitragen“, erklärt Stadtwerke-Sprecherin Jasmin Teuteberg.

Freiwillig kontrolliert Gelsenwasser dabei strenger, als man eigentlich müsste. Und die Ergebnisse werden seit 2013 proaktiv im Rahmen einer Transparenz- und Qualitätsoffensive des Trinkwassers veröffentlicht. Benannt werden dort alle Stoffe, auf die das Trinkwasser untersucht wurde - auch die, die laut Gesetzgeber gar nicht benannt werden müssten.

Rückstände eines Medikaments im Wasser

Einer diese Stoffe, der sich im Norden Brambauers im Trinkwasser finden lässt, ist Oxipurinol. Das sind Rückstände eines Medikamentes, das viele Menschen gegen Gicht einnehmen: das Harnsäure reduzierende Allopurinol. „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nahm Allopurinol 1977 in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel auf“, weiß Gelsenwasser-Sprecherin Heidrun Becker. Und genau wie Röntgenkontrastmittel oder Diclophenac lassen sich dessen Bestandteile heutzutage im Wasser nachweisen - vor allem dank feinster Analyse-Methoden, die Mengen, besser Winzigkeiten, bis in den My- und Nanogrammbereich pro Liter bestimmen können.

Nach Beckers Angaben werden in Deutschland jährlich ca. 300 Millionen Tagesdosen Allopurinol verschrieben. „Im Körper wird ca. 80 Prozent des aufgenommenen Allopurinols zu Oxipurinol verstoffwechselt und schließlich über den Urin ausgeschieden“, erklärt Becker. Weil es gut wasserlöslich sei, gelange die Substanz über die Kläranlagen in den Wasserkreislauf und könne mittlerweile flächendeckend in Gewässern nachgewiesen werden.

Stever stärker betroffen als andere Gewässer

Besonders fällt die Oxipurinol-Konzentrationen im Wasser der Stever aus dem Rahmen, die gemeinsam mit dem Halterner Mühlenbach die Talsperren Haltern/Hullern speist. Und aus dem Wasserwerk am Halterner See stammt das Wasser, das für Brambauer als Trinkwasser aufbereitet wird. Bislang ist das nicht besorgniserregend, die Werte sind in einem akzeptablen Bereich, sagen Gelsenwasser, Stadtwerke und das Landesamt für Verbraucherschutz übereinstimmend. Aber der Wert steht unter Beobachtung, damit Veränderungen mit negativen Folgen sofort bemerkt werden könnten. „Die weitere Entwicklung der Oxipurinol-Konzentrationen im Trinkwasser und auch im Wasser der Ruhr und der Stever wird weiterhin engmaschig überwacht und mit den Behörden diskutiert“, erklärt Becker.

Reduzierung nur durch Verbesserung der Technik möglich

Aufgrund der Bedeutung des Medikaments ist eine Minimierung des Eintrages in die Natur wohl nicht möglich. Aber die Filteranlagen in den Klär- und Wasserwerken können verbessert werden, so dass der Stoff künftig herausgefiltert wird. In diversen Wasserwerken ist das bereits mit Erfolg geschehen, und auch in Haltern ist ein Umbau der Anlagen in Planung, so dass auch das Wasser in Brambauer bald wieder frei von Oxipurinol sein sollte.

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