Versorgung ist zurzeit gut, doch die Hälfte der Hausärzte geht demächst in Rente

rnNachwuchssorgen

Lünen gilt zurzeit als „sehr gut versorgt“ mit Hausärzten. Doch in fünf bis zehn Jahren kann die Situation problematisch werden. Die Hälfte der 49 Hausärzte ist heute schon älter als 55.

Lünen

, 29.03.2019, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass 50 Prozent der 49 Lüner Hausärzte demnächst in den Ruhestand gehen und Praxisnachfolger in dem Maße nicht zur Verfügung stehen, erfuhren die Mitglieder des Ausschusses für Bürgerservice und Soziales während der Sitzung am Mittwoch. Marco Luzius von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL), und Dr. Jürgen Lubienski, Hausarzt und Facharzt für Innere Medizin in Brambauer, skizzierten die aktuelle Situation der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung in Lünen. Dabei machte Lubienski Mut: „Das wird sich schon regeln“, ist er optimistisch.

Versorgungsgrad in Lünen gilt als „sehr gut“

Die KVWL habe den gesetzlichen Auftrag, die Ärzteversorgung sicherzustellen, erläuterte Marco Luzius. Sie handele nach gesetzlichen und vertraglichen Erfordernissen. Demnach sei die Relation von Arzt und Patienten festgelegt, sie liege im Ruhrgebiet seit 2018 bei 2000 Einwohnern pro Arzt. Lünen gehört mit Selm zu einer Planungsebene, dem sogenannten Mittelbereich. Dort sind 62 Hausärzte tätig. Das entspricht einem Versorgungsgrad von 107,8 Prozent. Bei 100 Prozent wäre das Soll erfüllt. „Der aktuelle Versorgungsgrad ist sehr gut“, so Luzius.

Fachärzte haben keine Nachwuchssorgen

Bei den Fachärzten gebe es ein ähnliches Bild. Der Versorgungsgrad auf Kreisebene liege bei 110 Prozent. Auch hier spricht Luzius von einer „sehr guten Versorgung“. Die Altersstruktur mache ihm weniger Sorgen. Die Fachärzte seien vielfach jünger und es gebe genügend Nachwuchs.

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Anders bei den Hausärzten. Die Situation treffe nicht nur Lünen. Im Bereich Westfalen-Lippe würden 200 Hausärzte in den Ruhestand gehen, aber nur 100 nachrücken. Dafür gibt es viele Gründe. Einer sei, dass weniger ausgebildet werde. Ein anderer, dass junge Ärzte eine andere Lebens- und Arbeitseinstellung hätten. „Wenn 1000 Ärzte aus der Versorgung ausscheiden, bräuchten wir 1300 bis 1500, um dasselbe Potenzial auszuschöpfen“, so Luzius.

Viele junge Ärzte sind Frauen, die Familie und nicht Vollzeit arbeiten wollten. Zudem sei die Zahl der Studienplätze noch auf dem Stand wie vor 30 Jahren.

Umfrage: Nur 10 Prozent wollen klassischer Hausarzt werden

Die KVWL habe 4300 Medizinstudenten befragt. Davon wollte die Hälfte später als angestellter Arzt in einer Klinik arbeiten, 27 Prozent wollten in eine Praxis und 22 Prozent würden in einer Praxis als angestellter Arzt arbeiten. Nur 10 Prozent wollten als klassischer Hausarzt in einer Einzelpraxis arbeiten. Dabei bevorzugen 30 Prozent eine mittelgroße Stadt mit 50.000 Einwohnern. Ärzte aufs Land zu locken, sei noch schwerer. Die KVWL unternehme verschiedene Anstrengungen, von Imagekampagnen bis hin zur Praxisbörse für Ärzte, um Nachwuchs zu gewinnen. Auch an Universitäten würde für die Niederlassung geworben.

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Dr. Jürgen Lubienski, seit über 25 Jahren niedergelassener Arzt, schilderte, dass es auch in Brambauer Initiativen gebe. So hätten sich alle Hausarzt-Praxen zu einem Verbund zusammengeschlossen. Der arbeite mit dem Klinikum Westfalen, zu dem auch die Klinik am Park in Brambauer gehört, in puncto Arztausbildung zusammen. Lubienski ist überzeugt, dass sich das Thema Ärztenachwuchs für Lünen lösen lasse. Ein Vorteil sei die großstädtische Region.

Dr. Lubienski hat drei Wünsche

Wenn er drei Wünsche frei hätte, würde er sich mehr Steuerung im System durch die Hausärzte wünschen. Patienten hätten auch die Mentalität, jederzeit, überall, maximal versorgt zu werden. Der Hausarzt könne delegieren. Zudem wünsche er sich weniger Bürokratie, die für Ärzte exzessiv zugenommen habe. Der dritte Punkt betreffe die Krankenhäuser. Seit Einführung der Fallpauschalen würden Patienten früher entlassen und müssten von den Hausärzten zuende behandelt werden.

Auf Nachfrage aus der Politik nach der Versorgung älterer Menschen, die häufiger einen Arzt bräuchten oder sich für einen Altenheimplatz einen neuen Hausarzt suchen müssten, sagte Lubienski: „Heimbewohner werden von uns versorgt, das kann ich Ihnen zusichern.“

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