Verzweifelte Suche nach einem Haus in Lünen: Eine Familie berichtet

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Göknur Aydin-Günel und ihr Mann Dr. Yusuf Günel wollen mit den Kindern ein neues Zuhause in Lünen finden - und das schon seit vier Jahren. Die Nachfrage ist groß, das Angebot sehr klein.

von Kimberly Becker

Lünen

, 30.08.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vier Jahre ist es inzwischen her, dass Göknur Aydin-Günel und Yusuf Günel mit der Suche nach einem Haus in Lünen begonnen haben. Für sie ist klar, dass sie sich in Lünen wohlfühlen und nicht woanders hin wollen. Dass die Suche aber so langwierig und erfolglos sein würde, hatten sie nicht gedacht.

Das soziale Umfeld

Göknur Aydin-Günel ist Lehrerin an einer Dortmunder Gesamtschule. Ihr Mann Yusuf Günel arbeitet als Entwicklungsingenieur bei einem Dortmunder Elektrounternehmen. Trotz des längeren Arbeitsweges möchten sie Lünen nicht verlassen. „Unser soziales Umfeld ist hier in Lünen", sagt Aydin-Günel. Außerdem seien die beiden vierjährigen Kinder auch in Lünen im Kindergarten.

Keine exklusiven Ansprüche

Eigentlich sollte das für eine junge Familie ein Leichtes sein: Ein freihstehendes Einfamilienhaus mit Garten und finanzierbar. Obwohl die Familie Günel gängige Wünsche an ihr neues Heim hat, falle es schwer, etwas Passendes zu finden. Sie ist nicht die einzige Familie in der Situation.

In einer Online-Umfrage der Ruhr Nachrichten, an der 770 Befragte teilnahmen, haben 30,10 Prozent angegeben, es sei schwierig, ein geeignetes Grundstück in Lünen zu finden. Das ist immerhin jeder Dritte. Weitere 17,67 Prozent sagen, dass treffe eher zu. Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, zeigt aber einen Trend. Mit ihrem Wunsch, in Lünen zu bleiben, sind die Günels ebenfalls nicht allein. 20,34 Prozent der Befragten können das voll unterstreichen, auf 27,12 Prozent trifft es eher zu.

Günstige Zinsen lassen Nachfrage steigen

Das Angebot in Lünen ist klein und Nachfrage extrem hoch. „Einmal hat die Stadt sechs Grundstücke angeboten und es gab 13 Interessenten. Am Ende wurde mit einem Losverfahren entschieden, wer die Grundstücke kaufen darf, und wir gehörten nun mal nicht dazu", so Aydin-Günel. Das Ehepaar erklärt sich die Situation auf dem Immobilienmarkt durch zwei Faktoren, die sich gegenseitig bedingen würden: „Zum einen sind die Zinsen stark gesunken und die Menschen können sich den Kauf leisten, beziehungsweise sie denken, dass sie es könnten. Dadurch steigt die Nachfrage immer weiter."

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Budget mehr als verdoppelt

Die Preise seien dazu exorbitant in die Höhe gestiegen. Die Günels wollen nicht genau verraten, wie viel sie ausgeben wollten, aber so viel sei gesagt: Heute wären sie bereit, mehr als das Doppelte von dem Preis zu zahlen, den sie noch vor vier Jahren ausgeben wollten. Und trotzdem finden sie nichts.

„Die Preise hängen nicht mehr von der Lage oder vom Zustand ab, sondern wie viele Interessenten es gibt und wer verzweifelt genug ist, viel Geld dafür auszugeben“, meint Aydin-Günel. Mit ihrem Mann Yusuf hat sie schon alles Erdenkliche versucht: Makler, Immobilienportal und zuletzt ein Aushang bei einer Bäckerei in der Münsterstraße. Sie schmunzelt: „Das war eine Verzweiflungstat. Wir haben sogar Anrufe bekommen, aber dann aus Bork oder Selm."

Bietverfahren im Chat

Dei beiden haben sich einiges angeschaut, auch von einer Erbgemeinschaft, die ein Haus im Bietverfahren angeboten habe. Auf das Heim hätten sich rund 20 Menschen gemeldet, woraufhin von den Verkäufern eine simple WhatsApp-Gruppe erstellt worden sei. Darin sollte geboten werden. Dr. Yusuf Günel berichtet: „Es gab nicht mal ein Startgebot und das Ende der Verfahrens haben wir nicht mehr mitbekommen, da die Preise zu hoch gewesen sind. Wir hatten bereits viel geboten, obwohl das Haus hätte kernsaniert werden müssen."

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Käufer aus dem Umkreis

Die Verkäufer seien in der Lage, hohe Preise zu verlangen, weil die starke Nachfrage das eben zulasse. „Inzwischen kommen auch Leute aus dem Umkreis nach Lünen, weil die Häuser in Dortmund zum Beispiel auch unbezahlbar geworden sind. Das verstärkt die schlechte Lage in Lünen, wo die Häuser sowieso sehr umkämpft sind", sagt Aydin Günel. Sie möchte mehr Platz für die Familie. „Die Kinder werden schließlich auch älter. Irgendwann können sie sich nicht mehr das Zimmer teilen. Und wir brauchen auch ein Arbeitszimmer. Das haben wir während der Corona-Pandemie stärker gemerkt."

So langsam gingen der Familie die Kraft und die Ideen aus. Momentan seien die Günels dabei, mit einem Bauträger zu sprechen. Der Preis sei noch fraglich. Aber sie bleiben zuversichtlich.

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