Führt Videoüberwachung in Naturschutzgebieten ein und verschafft euch mit Strafen Respekt!

rnJetzt mal unter uns

Unser Autor ist eigentlich kein Freund der Videoüberwachung. In einem Fall würde er jedoch eine Ausnahme machen - und fordert für die Gefilmten zusätzlich einige drastische Strafen.

Lünen

, 06.07.2019 / Lesedauer: 3 min

So richtig nachvollziehbar ist das nicht: 500 Meter weiter befindet sich ein Wertstoffhof, wo man sämtlichen Müll - egal wie viel, egal wie groß - loswerden kann. Trotzdem kippen irgendwelche Vollidioten ihr Zeug lieber in den Wald. Kühlschränke, Waschmaschinen, Matratzen, ganze Wohnzimmer sollen ja schon in den Lippeauen gefunden worden sein. Vom Verursacher keine Spur. Der hat auch nichts zu befürchten, denn Umweltkriminalität wird nicht verfolgt.

Wenn schon der NRW-Innenminister Herbert Reul bei seinem Besuch in Lünen auf Nachfrage erklärt, für diese Art von Kriminalität nicht zuständig zu sein („Das liegt ja bei den Kreisen und Kommunen“), muss man sich schon wundern, dass die Wälder noch keine reinen Müllkippen sind. Die Hemmschwelle, lästigen Abfall einfach in die Natur zu kippen, ist jedenfalls schon sehr niedrig. Anders sind die immer wieder auftauchenden Müllberge, wie zuletzt auf der Halde Victoria, kaum zu erklären.

Unauffällig und zuverlässig

Und wie setzt man diese Schwelle wieder hoch? Ich fürchte, hier muss dann doch die von mir eigentlich kategorisch abgelehnte Videoüberwachung her. Die meisten Wildhüter und Förster nutzen schließlich Kameras, um das Wild in ihrem Revier zu beobachten. Die Kameras sind unauffällig und trotzdem zuverlässig, wie mittlerweile selbst der Verfassungsschutz erfahren haben dürfte.

Also: Wenn die WBL ohnehin die „beliebtesten“ Schrottplätze der Stadt kennt, dürfte es kein Problem sein, dort solche Wildkameras anzubringen. Datenschutztechnisch sollte die Sache ebenfalls klargehen, da wir zumindest jetzt noch nicht so weit sind, dass der Müll auf öffentliche Plätze gekippt wird - das Recht auf Privatsphäre ist im Naturschutzgebiet eher kein Thema.

Zwei Nullen mehr - und ein selbstkritischer Vortrag

Bliebe noch die Frage nach den Konsequenzen. Denn Kameras alleine reichen nicht, solange die Brüder glauben, dass sie ungestraft oder im schlimmsten Fall mit einer dreistelligen Geldbuße davonkommen. Wenn schon überall der Klimanotstand ausgerufen wird, dann sollten auch Verbrechen mit derartigem Hintergrund besonders bestraft werden. Die Summen der Geldbußen dürfen gerne zwei zusätzliche Nullen erhalten, auch Freiheitsstrafen sollten bei solchen Taten nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein.

Wenn ein Richter auf die zweite Chance für den Angeklagten entscheidet, könnte der die gleich mal nutzen und in einem der Wertstoffhöfe Sozialstunden ableisten. Die Einsatzkräfte dort sind sicher für jede Hilfe dankbar. Und im Anschluss hält der Delinquent einen selbstkritischen Vortrag auf der „Fridays for future“-Demo.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen.
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