Vier neue Flüchtlingsunterkünfte in Lünen

Bestätigung steht aus

An vier Standorten sollen in Lünen „dauerhafte Unterkünfte“ für jeweils maximal 50 Flüchtlinge entstehen. Am Dienstag ließ die Stadtspitze die Katze aus dem Sack und teilte mit, wo genau gebaut beziehunsgweise umgebaut werden soll.

LÜNEN

, 23.08.2016, 13:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Hauptschule Wethmar kann keine neue Eingangsklasse bilden. RN-Foto Goldstein

Die Hauptschule Wethmar kann keine neue Eingangsklasse bilden. RN-Foto Goldstein

Die geplanten Standorte sind:

Standorte sind noch nicht offiziell bestätigt

„Es sollen kleinere Einheiten werden, die nicht den Charakter einer Unterkunft haben. Unser Ziel ist es, geflüchtete Menschen in der Mitte unserer Gesellschaft aufzunehmen“, sagte Lünens Erster Beigeordneter Horst Müller-Baß. Ob die neuen Unterkünfte tatsächlich an den vorgeschlagenen Standorten gebaut werden, ist noch offen.

Zunächst muss die Politik den Vorschlägen zustimmen. Das geschieht in den Fachausschüssen und am 6. Oktober im Rat der Stadt. Gibt das Stadtparlament als entscheidendes Gremium grünes Licht, würde die Verwaltung konkrete Konzepte für jeden Standort entwickeln, einschließlich Zeitplan und Kosten.

Dauernutzung in alten Schulen über 20 Jahre

Für die Standorte in Wethmar und Lünen-Süd weicht die Stadt mit den Plänen von ihrem bisherigen Konzept ab. Denn laut aktueller Beschlusslage war vorgesehen, die frühere Hauptschule Wethmar schon in diesem Jahr zu einer städtischen Unterkunft für geflüchtete Menschen mit bis zu 138 Plätzen umzubauen. Die ehemalige Kielhornschule in der Heinestraße sollte bei Bedarf im Jahr 2017 eine Unterkunft für bis zu 66 Geflüchtete werden.

Für beide frühere Schulen war eine mittelfristige Nutzung über drei bis fünf Jahre angedacht. Werden die neuen Pläne umgesetzt, kämen weniger Menschen in den Gebäuden unter – nämlich jeweils 50. Dafür würden es aber Dauerunterkünfte werden. Beate Lötschert, die bei der Stadt verantwortliche Abteilungsleiterin, geht von einer Nutzung über etwa 20 Jahre aus.

30 Neue Flüchtlinge in dieser Woche

Bis Mitte 2016 war die ehemalige Hauptschule Wethmar Notunterkunft des Landes NRW für Flüchtlinge. Der Gebäudekomplex steht zur Zeit leer. In der früheren Kielhornschule in der Heinestraße sind aktuell  Flüchtlinge untergebracht, laut Lötschert 23. Am Mittwoch, 24. August, werden weitere 30 Flüchtlinge aus Syrien erwartet.

Mit dem Umbau zur Dauerunterkunft für 50 Menschen soll der Komplex wesentlich wohnlicher gestaltet werden. Ebenfalls in der Heinestraße gibt es mit der früheren Paul-Gerhardt-Schule eine weitere Unterkunft für Flüchtlinge mit 42 Plätzen. An ihr will die Stadt für die nächsten drei bis fünf Jahre festhalten.

Kita in Nordlünen muss für Unterkunft umziehen

Damit am Standort Schulstraße 10 in Nordlünen eine Flüchtlingsunterkunft entstehen kann, muss zunächst die Kita „Kleiner Kreisel“ umziehen. Im Grundsatz hat die Politik einen Neubau mit zwei Kita-Gruppen für den „Kleinen Kreisel“ an der Rudolph-Nagell-Straße beschlossen. Deutlich schneller könnte die Stadt die ehemalige Kita Querstraße 20 in Horstmar für Flüchtlinge umgestalten. Der Gebäudekomplex steht leer.

Werden die vier neuen Domizile gebaut, will die Stadt die Unterkunft Alstedder Straße aufgeben. Dort müssen Flüchtlinge seit vielen Jahren in Containern leben. Die Unterkunft Auf dem Ringe in Gahmen soll deutlich  verkleinert werden, um dort menschenwürdigere Verhältnisse schaffen zu können.

Stadt ließ Standorte durch Gremium auswählen

Zur Zeit leben laut Beate Lötschert 1110 geflüchtete Menschen in Lünen, davon 575 in Unterkünften, die anderen in Wohnungen. 340 Plätze seien aktuell noch frei. „Wir laufen der Entwicklung nicht mehr hinterher, sondern können vorausschauend reagieren“, sagte Erster Beigeordneter Müller-Baß mit Blick auf die Flüchtlingszahlen. 2016 sind bisher deutlich weniger Menschen nach Lünen gekommen als im Jahr zuvor.

Die vier neuen Standorte ließ die Stadt durch ein circa 30-köpfiges Gremium auswählen, das laut Müller-Baß „die Stadtgesellschaft“ repräsentiert. Dem Kreis gehörten Vertreter von Politik, Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Wohnungsgesellschaften, Polizei, Feuerwehr, Stadtjugendring, Stadtschulpflegschaft, Stadthandwerkerschaft, Arbeitskreis Flüchtlinge und zwei Flüchtlinge selbst an.

Viele Kriterien für Auswahl der Unterkünfte

Kein Standort, so die Vorgabe, durfte in einem Bereich mit überdurchschnittlicher Arbeitslosenquote oder überdurchschnittlicher Fluktuation (Zu- und Wegzüge) liegen. Als weitere Kriterien gingen zum Beispiel die Nähe zu Kitas und Schulen, die Nahversorgung, die Anbindung an den Nahverkehr und die zeitliche Verfügbarkeit der Immobilien in die Bewertung ein.

Am Ende, so die Stadt, lagen 13 Vorschläge auf dem Tisch. Vier fielen heraus, weil die Eigentümer sie als „nicht verfügbar“ erklärten. 

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