Vitus Schulze Wethmar führt Jahrhunderte alte Familientradition in die Zukunft

rnSerie Familiensache

In die beruflichen Fußstapfen der Eltern treten - das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Doch in Lünen gibt es erfolgreiche Beispiele der Firmenübernahme. Wie Vitus Schulze Wethmar.

Wethmar

, 17.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Ihren Stammbaum kann die Familie von Vitus (38) und Dirk (75) Schulze Wethmar bis ins 16. Jahrhundert zurück verfolgen. Die Geschichte der Landwirte reicht sogar bis ins 9. Jahrhundert. Seit 2006 bestimmt der jüngste Sohn von Dirk und Elisabeth Schulze Wethmar auf dem Hof mit.

2015 übernahm der vierfache Vater offiziell die Verantwortung für den Bio-Bauernhof mit seinen Äckern, seinen Tieren und dem fast 200 Jahre alten Hauptgebäude, in dem seit Langem erfolgreich der Hofladen geführt wird.

In diesem Haus leben Vitus Schulze Wethmar und seine Frau Katharina auch mit ihren vier Kindern Justus (5), Anton (3) und den Zwillingen Oskar und Frieda (eineinhalb).

Auch mal ein Sommerurlaub möglich

Seine Eltern haben nebenan gebaut, sind aber nicht nur jederzeit erreichbar, sondern auch weiter mittendrin im Geschehen. Deshalb kann der Sohn auch im Sommer, wenn die Gemüse-Ernte in vollem Gange ist, auch mal mit seiner Familie in Urlaub fahren: „Meine Eltern sind ja da und halten die Stellung. Das klappt nicht überall.“

Denn nicht jeder traditionsreiche Bauernhof wird heutzutage von der nächsten Generation weitergeführt. Umso glücklicher sind Elisabeth und Dirk Schulze Wethmar, dass Vitus die Tradition weiterführt. Im doppelten Sinne, denn wie sein Vater ist auch er das jüngste Kind der Familie.

Lange Tradition

Woher der Name stammt

  • Die lange Familientradition der Landwirtschaft brachte der Familie auch ihren Namen ein.
  • Die Bauern der Gegend mussten früher Abgaben ans Kloster Cappenberg leisten. Der sogenannte Schulze war dabei Buchhalter für die Abgaben ans Kloster und musste auch bei kleineren Gerichtsbarkeiten entscheiden.
  • Nach dem Wohnort wurde er Schulze Wethmar benannt - der Name blieb bis heute.

„Ich bin schon stolz darauf, dass wir es geschafft haben, die Landwirtschaft an die nächste Generation weitergeben zu können“, sagt Dirk Schulze Wethmar, der im Mai seinen 75. Geburtstag gefeiert hat. Dass es Vitus sein würde, der in seine Fußstapfen tritt, war nicht von vornherein klar.

Vitus Schulze Wethmar führt Jahrhunderte alte Familientradition in die Zukunft

Vitus Schulze Wethmar vor 31 Jahren mit Mutter Elisabeth beim Abwiegen des Biospargels. © Schulze Wethmar

„Das hat sich erst in der Schulzeit irgendwann ergeben. Ich hab 2000 mein Abitur gemacht und dann eine landwirtschaftliche Ausbildung“, so Vitus Schulze Wethmar. Wie es bei vielen Landwirten üblich ist, ging er dazu in andere Betriebe, bewusst aber auf Biohöfe. „Das erste Jahr war ich bei einem Bio-Gemüsebauern im Rheinland, das zweite Jahr dann bei einem Biobetrieb, der Vieh hält, in Oldenburg.“

Anschließend studierte er an der Fachhochschule Landwirtschaft und stieg danach 2006 in den elterlichen Betrieb mit ein.

Seit 29 Jahren zertifizierter Bio-Bauernhof

Die Geschwister seines Vaters wollten den traditionsreichen Hof nicht übernehmen, der anfangs noch Milchkühe hielt und Kartoffeln anbaute. 1972 begann Dirk Schulze Wethmar auf dem elterlichen Hof, den er - wie Vater und Großvater - erst als konventionellen Betrieb führte. „Aber wir waren dann irgendwann der Meinung, dass dies unserem Idealbild nicht entspricht und wollten auf Bio-Landwirtschaft umstellen.“ Das gelang höchst erfolgreich - seit 29 Jahren ist man zertifizierter Bio-Bauernhof.

Mindestens einmal im Jahr kommen Mitarbeiter einer unabhängigen Kontrollstelle, um zu prüfen, ob alle Vorgaben eingehalten werden. Auch mal unangekündigt. Für Vitus Schulze Wethmar „kann so eine Kontrolle nicht scharf genug sein, das nehmen wir auch gern in Kauf.“

Berater rieten vom Bio-Spargel-Anbau ab

Vater Dirk erinnert sich noch daran, wie er 1988 mit dem Spargelanbau begonnen hat und wie jeder Berater ihm davon abgeraten hat, Bio-Spargel anzubauen. „Das war sicher gut gemeint.“ Zum Glück hörten er und seine Frau, die auch von einem Bauernhof stammt, aber nicht darauf.

Mit der Arbeit seines Sohnes ist er voll zufrieden: „Die Felder sind top gepflegt.“ Kein Wunder also, dass der Biohof in Wethmar zu den „Demonstrationsbetrieben Ökologischer Landbau“ gehört.

Vitus Schulze Wethmar führt Jahrhunderte alte Familientradition in die Zukunft

Vitus Schulze Wethmar 1988 mit Spargel vom eigenen Hof. © Schulze Wethmar

Selbstverständlich ist es nicht, dass Kinder von Landwirten heutzutage den Betrieb übernehmen, weiß der Senior: „In der freien Wirtschaft verdient man heute viel mehr. Da braucht es schon eine gewisse Liebe zum Beruf und Verantwortung für die Tradition. Schließlich werden hier locker mal 70 Stunden die Woche gearbeitet.“

Wie sich seine Eltern gewünscht haben, dass eines ihrer drei Kinder den Hof übernimmt, so machen sich auch Vitus und Katharina Schulze Wethmar schon Gedanken über die Zukunft. Auch wenn die vier Kinder noch klein sind: „Man wünscht sich schon, dass einer den Hof mal weiterführt.“

Mutter und Frau stammen auch vom Bauernhof

Verständnis für die nicht immer geregelte Arbeitszeit eines Landwirts haben die Frauen der Familie. Wie ihre Schwiegermutter stammt auch Katharina Schulze Wethmar aus einer Bauernfamilie, hat selbst Landwirtschaft studiert. „Sie brauchte ein Praktikum für ihr Studium, das hat sie hier absolviert und wir haben uns dabei kennengelernt.“ Seine Eltern genießen es, so viel Zeit mit den Enkeln verbringen zu können.

Viele verschiedene Produkte

Für den jungen Bio-Landwirt ist das Schönste an seinem Beruf die Ernte. „Wenn man richtig schöne, frische Produkte erntet, das macht Spaß. Wir haben ja viele verschiedene Produkte und erleben jeden Tag eine Veränderung auf den Feldern. Nach dem Spargel und den Erdbeeren sind es die Möhren, die wachsen und geerntet werden.“

Das sieht Vater Dirk genauso: „Der Duft frischer Erdbeeren, frischer Möhren und frischen Salats ist einfach wunderbar.“ Auch deshalb hat es Vitus Schulze Wethmar noch nie bereut, den Hof übernommen zu haben: „Man sieht immer, was man tut.“

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