Volksverhetzung auf WhatsApp? Strafbefehl ging wohl an den Falschen

Amtsgericht Lünen

In einem WhatsApp-Chat sollte sich ein Lüner in abwertend über Türken geäußert haben. Das bestritt der 32-Jährige in seiner Verhandlung. Der Fall endete mit einer Überraschung.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 20.12.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Volksverhetzung auf WhatsApp? Strafbefehl ging wohl an den Falschen

Ein Lüner soll sich in abfälliger Weise über Türken geäußert haben. © pixabay

In einem Chat mit rund 70 Teilnehmern sollte der Lüner im März 2017 unter anderem geäußert haben: „Türken sind Eseltreiber.“ Auch sollte er sie als „Vergewaltiger und Schnorrer“ bezeichnet haben.

Daraufhin wurde ermittelt und der 32-Jährige erhielt als Inhaber des Anschlusses, von dem aus die Beleidigungen gepostet worden waren, einen Strafbefehl mit 2000 Euro Geldstrafe. Er legte Einspruch ein.

Nun befasste sich das Amtsgericht mit der Sache und der Verteidiger erklärte, sein Mandant sei zwar der Anschlussinhaber, nicht aber der Nutzer. Wer, das wolle der nicht sagen.

Verlobte ließ sich provozieren

Das Gericht hörte daraufhin die Verlobte des Lüners. Die 33-Jährige, die das Recht zu schweigen gehabt hätte, verblüffte mit Ehrlichkeit: „Ich bin die Besitzerin des Telefons und ich habe die Nachricht geschrieben.“

Sie habe sich provozieren lassen, als ein Anderer geschrieben habe, dass die Deutschen eine „Köter-Rasse“ seien. Sie wird sich nun auf ein eigenes Verfahren einstellen müssen.

Ihr zukünftiger Gatte wurde indes freigesprochen. Zuvor nutzte der sein Recht auf das letzte Wort aber ebenfalls auf überraschende Weise: Er wünschte allen Beteiligten schöne Weihnachten.

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