Volles Bürgerhaus bei Podiumsdiskussion zur Landtagswahl

Protokoll des Abends

Zur Landtagswahl am 13. Mai treten im Wahlkreis Selm, Lünen und Werne fünf Männer und eine Frau als Kandidaten an. Die Ruhr Nachrichten haben die Kandidaten bei einer Podiumsdiskussion zu politischen Vorstellungen befragt, rund 150 Menschen lauschten. Das Protokoll.

LÜNEN / SELM

25.04.2012, 21:22 Uhr / Lesedauer: 12 min
Der Blick aus der oberen Etage von der Live-Ticker und Livestream-Empore.:

Der Blick aus der oberen Etage von der Live-Ticker und Livestream-Empore.:

  • Podiumsdiskussion mit den sechs Landtags-Kandidaten
  • Etwa 150 Zuschauer im Bürgersaal
  • Unterschiedliche Konzepte zur Schuldensanierung
  • Podiums-Gäste loben den Schulkonsens
  • Energiewende: Zwischen Einsparen und Komfortverlust
  • Streitpunkt Forensik

Der Bürgersaal leert sich nach den Schlussworten von Theo Wolters. Vorne am Podium entwickeln sich noch Nachgespräche zwischen den Kandidaten. Da geht es ja fast hitziger zu als während der offiziellen Redezeit... Nun gut, wir danken fpr Ihr Interesse und verabschieden uns jetzt. Einen zusammenfassenden Bericht lesen Sie in der Donnerstagsausgabe (26. April 2012) der Ruhr Nachrichten Selm, Lünen und Werne. 

Alle sind sich einig: Wir brauchen eine große Wahlbeteiligung. 

Die Schlussrunde - es geht um Umfragen, Forsa, Infratest Dimap und Co.. Und um die Einschätzungen der Kandidaten. 

Es geht noch mal in Kürze um die Ansiedlung einer

in Lünen oder Selm.

hat keine Berührungsängste. "Meine Frau arbeitet in dem Bereich."

: "Eine Gesellschaft muss Verantwortung für ihre Bürger übernehmen, auch für forensisch Kranke. Das sage ich nicht gerne, auch ich habe ein komisches Gefühl im Bauch. Aber irgendwo müssen sie gebaut werden." Wieder verweist sie auf Transparenz. Giller: "Lünen hat drei Grundstücke nachgewiesen, die Kommune ist also bereit. In der FDP haben wir das noch nicht diskutiert, weil das Verfahren noch offen ist."

: "Wenn die Entscheidung gefallen ist, ist es zu spät. Ich bin gegen eine Forensik in Lünen und widerspreche Frau Tembaak. Ich will keine Gefährdungspotenziale heraufbeschwören. Ich gestehe zu, dass eine Gesellschaft das tragen muss. Aber: Ich spreche mich dagegen aus, weil ich das Image für eine kleingemeindlichen Teil zwischen Münster und Dortmund für nicht geeignet halte." Dortmund verfüge über Glanzlichter, Leuchttürme, die eine Forensik wie in Aplerbeck kompensieren könne. "Darum gehört eine Forensik in eine Großstadt, der negative Faktor würde kleine Kommunen in ein schlechtes Licht stellen." Das könne man in diesen drei Kommunen nicht tragen. Applaus.

: "Dass forensische Institutionen ein negatives Image haben, daran müssen wir arbeiten. Die Akzeptanz der Einrichtung zum Beispiel in Münster hat sich eingestellt. Wir müssen Verantwortung übernehmen."

: "Abgestimmtes Verfahren über alle Parteien hinweg im Gesundheitsausschuss, da haben alle Fraktionen zugestimmt. Es fehlen Plätze. Alle Bürgermeister wurden angeschrieben, in Selm und Lünen hat man infrage kommende Grundstücke benannt. Die Landesregierung wird die Standorte mitteilen und dann deutlich machen, was das heißt." In Dortmund sei eine zweite Forensik nicht möglich, darum sei das mit der Großstadt schwierig. Zawisch schüre Ängste, auch wenn er davon spreche, er wolle keine Ängste schüren. Kräftiger Applaus.

Hier läuft jetzt die Abschlussrunde. Erstes Stichwort: "New Park". Es wird noch ein paar kürzere Stichworte geben, die Antworten sind aber nicht wie gewünscht kurz. Der Abend geht jetzt auf die Zwei-Stunden-Marke zu. Die ersten Gäste gehen. 

Benke: "Ich glaube, alle wollen 80 Prozent Energie einsparen. Und die muss auch erreicht werden. Aber Herr Zawisch spricht davon, er wolle nicht auf Komfort verzichten." Zawisch: "Moment, ich möchte gerne 100 Prozent Energie sparen, aber das muss doch ohne einen großen Komfortverlust gehen." Benke: "Für mich ist Sparen nicht zwingend ein Komfortverlust."  

Schmeltzer: "Energiemix? Keiner hat einen wesentlichen Punkt angesprochen: Sanierung und Sparen. Wie können wir Verbrauch vermeiden? Da müssen wir energetische Sanierung vorantreiben - schade, dass die Bundesregierung die KfW-Programm zurücknimmt." Regenerativ? "Herr Benke hat einst gesagt, er wolle die Verspargelung in NRW vermeiden. Aber da haben wir viel aufgeholt in den vergangenen Jahren. Windenergie hört nicht in der Ostsee auf. Ich kann Wind in der See produzieren, aber wir brauchen diese Trassen." Wenn einer sage, er wolle die nicht in seiner Stadt haben: "Unterirdisch wollen wir auch gerne, aber das ist um ein Vielfaches teurer - das muss man bedenken." Deutschland habe es nicht mehr für nötig gehalten, selbst zu forschen. Hochintelligent sei ein Umspeicherkraftwerk unter Wasser. "Wir sind in NRW Vorreiter - das kann ich guten Gewisssens sagen, weil die CDU inzwischen auch dahinter steht." Applaus. Zu Datteln IV: "Wir ändern keine Gesetze, damit irgendwelche Projekte weitergebaut werden."

Timm: "Da schließe ich mich Frau Tembaak an. Die Millionäre - die Energieriesen, denen geht ein Stück Verdienen durch Strommachen verloren." Zur Aussage "Energiewende ja, aber Komfort muss noch sein": Ich wohne drei Kilometer von meiner Schule entfernt. Ich fahre mit meinem Fahrrad zur Schule."

Tembaak zu Datteln IV: "Darf auf keinen Fall ans Netz gehen. Wir können nicht einfach irgendwelche Gesetze missachten. Die Piraten sind gegen Energiegewinnung aus Kohle, da stehen wir den Grünen nahe. Gas kann Überbrückungstechnologie sein, aber wir sind für einen Mix aus regenrativer Gewinnung."

Giller: "Wir stehen hinter der Energiewende. Ich habe selbst eine Solaranlage auf dem Dach, und wir hatten im Winter neun Sonnenstunden. Da hilft es auch nicht, wenn wir alle Dächer damit zupflastern. Und wenn der Wind still steht... 7 Milliarden Euro haben wir für Förderung der Solaranlagen ausgegeben, das hätte man besser in die Wissenschaft stecken sollen. In die Forschung für Brennstoffzellen, Wasserstoffumwandlung oder Energiegewinnung aus Algen. Energie, die keine Versorgungssicherheit liefert, hilft uns da nicht. Gaskraftwerke produzieren vierfach teurer als Kohlekraftwerke. Wir sind für einen effizienten Energiemix - bezahlbar. Als Lokalpatriot stehe ich hinter Lünen, hinter dem Trianel-Kraftwerk und pro Datteln IV."  

Zawisch: "Wir hatten diesen Winter erstmals Probleme im Stromnetz in einer Gemeinde bei Stuttgart. Nur der milde Winter ermöglichte, dass wir die Stromversorgung aufrecht erhalten konnten. Es reicht nicht, alle Dächer mit Solarzellen zuzupflastern, an Autobahnen Windparks zu bauen. Wir brauchen eine Gewährleistung für eine sichere Versorgung. Klar, die Zukunft liegt nicht im fossilen Bereich, da stimme ich Ihnen zu. Aber wir müssen einen vernünftigen Mix schaffen. Wir müssen uns zum Beispiel hocheffiziente Kohlekraftwerke anschauen, uns von weniger effizienten trennen. Es geht nicht um den Privathaushalt, der von möglichen Stromausfällen getroffen wird - sondern wir sind eine Industrienation und dafür benötigen wir Strom, relativ viel sogar. Vor diesem Hintergrund dürfen wir keine Augenwischerei betreiben - und das bei geringst möglichen Ressourcenverbrauch."  Ziemlich kräftiger Applaus.

Benke von den Grünen fängt an. "Wir werden einen Energiemix haben. Kohle und Wasser, damit kann man Durchfall bekämpfen. Aber mit Kohle Wasser erhitzen, das ist doch nicht mehr zeitgemäßg. Das habe ich von jemanden gehört, der auf der Hannover-Messe war. Er hat recht." Man brauche Speichermedien, Batterien, Akkus, die länger speichern könnten. "Der Energiemix muss aus Wasser, Wind und Sonne bestehen - und als Übergangsträger Gas. Aber auf keinen Fall Kohle."

Benke: "Ich war auf dem Selmer Gymnasium. Ich weiß nicht, ob das gut war. Meine Geschwister waren an anderen Schulformen - das hat mich durchaus beeindruckt, wie dort gearbeitet wird. Das Gesamtschulsystem verfängt." Er meint, man müsse nicht dringend Schulformen differenzieren. "Wir sind auf einem guten Weg. In der Landesregierung haben wir viele Frauen, die haben viel Ahnung von dem Thema. Beeindruckend, was wir da eingebracht haben. Jetzt müssen wir den Inklusionsgedanken mit aufnehmen - ein anderer Weg als gemeinsam zu lernen ist vor dem Hintergrund nicht mehr gangbar." Seine Kinder würde er später ruhigen Gewissens mitentscheiden lassen, hätte aber bei dem heutigen Schulsystem auch keine Sorgen.

Schmeltzer: "Der Konsens schreibt Geschichte! Es hat immer Schulkrieg gegeben, es ist gut, dass wir uns geeinigt haben mit der CDU und den Grünen." Das längere gemeinsame Lernen, das die SPD in der Gemeinschaftsschule entworfen hatte, sei nun in die Sekundarschule eingeflossen. "Wir fassen Haupt- und Realschule zusammen, das ist sehr ähnlich dem Modell einer Gesamtschule oder Gemeinschaftsschule." Natürlich gebe es Bestandsschutz. "Es geht keiner hin und sagt, wir schließen irgendeine Schule." Rot-Grün habe wieder eingeführt, dass die Schüler wieder mitbestimmen könnten - das habe Schwarz-Gelb abgeschafft. "Frau Tembaak hat gesagt, es sei eine Politik der kleinen Schritte nötig, da hat sie recht. Die kleinen Schritte habe ich auch im Kopf. Der Konsens war jedenfalls gute Politik."

Timm: "Das Gynmasium hat eine Chance - aber die Hauptschule stirbt. Ich bin seit 30 Jahren Gesamtschullehrer. Mit Nichtsitzenbleiben bis zur neunten Klasse. Man kann es bis zum Abitur schaffen, aber die richtig starken Schüler fehlen uns. Die könnten die schwächeren mitnehmen, darum leiden wir unter dem Gymnasium. Wir haben an der Gesamtschule guten Zulauf - wir brauchen mehr davon." Die Sekundarschule sei sehr ähnlich, wobei er sich da nicht besonders gut auskenne.

Tembaak: "Bildung ist die Basis der Gesellschaft und ein Menschenrecht. Wir setzen uns für ein eingliedriges System ein, wie in Kanada. Damit ist eine bessere Durchlässigkeit und Chancengleichheit für Kinder jeder Herkunft gewährleistet. Wir haben das Modell der fließenden Schullaufbahn entwickelt - ein System, das außerhalb von Klassenverbänden funktioniert. Jeder Schüler soll sich nach seinen Neigungen bilden. Sitzenbleiben und Klassenwiederholen gibt es nicht mehr. Jeder kann seinen Stärken entsprechend mitmachen. Das kann man nicht von heute auf morgen bewerkstelligen, das ist uns klar. Das wäre eine Politik der kleinen Schritte. Man bräuchte einzelne Modellschulen. Wichtig dabei: Schüler, Eltern, Lehrer müssen mitentscheiden. Politik von oben herab wollen wir nicht."

Zawisch: "Schulfrieden war der wichtigste und größte Kompromiss der letzten Jahre. Den müssen wir weiterleben lassen."

Giller: "Wir haben im Moment eine Schullandschaft, wo Eltern zwischen sechs verschiedenen Schultypen aussuchen müssen. Das ist chaotisch! Unser Konzept war, Haupt- und Realschulen als Mittelschule zu verstärken, um den anderen den Übergang ins Gymnasium zu erleichtern. Eine getrennte, bildungsgerechte Schule. Dann haben wir uns geeinigt, die Gesamtschule zu akzeptieren als dritte Schulform."

Schluss mit dem Thema Finanzen. Moderator Wolters: "Darüber könnten wir einen eigenen Abend veranstalten - aber nun ist Schluss. Bildung." Es geht nun um den Schulfrieden - im Parlament gibt es den, aber zwischen den Kommunen geht es rund. Die Gemeinden konkurrieren bei abnehmenden Schülerzahlen miteinander.

Zawisch: "Konzepte habe ich hier bisher relativ wenig gehört. Wir stehen kurz nach einer Wirtschaftskrise. Man konnte nicht davon ausgehen, dass wir so schnell relativ unbeeindruckt wieder herauskommen. Aus diesem Fakt resultieren jetzt auch die zusätzlichen Einnahmen. Frühkindliche Bildung ist kein Konzept, den Haushalt zu sanieren."

Schmeltzer: "Erst einmal wünsche ich mir, dass viele zur Wahl gehen. Auch, wenn Borussia Dortmund feiert. Und Umfragen interessieren mich nicht - mich interessiert die erste Prognose am Wahltag um kurz nach 18 Uhr." Präventive Maßnahmen zahle sich aus: "Wenn ich Kinder auf einen guten Weg bringe, spare ich mir Inobhutnahmen - und spare mir viele Millionen Euro."

Benke: "Wir haben jetzt mehr Steuern eingenommen - das ist doch der Anfang. Wir stehen in der Energiewende und die müssen wir gestalten. Und wir investieren in Bildung - da müssen wir zukunftsgerichtet denken." 

Giller: "Steuererhöhungen reichen da nicht aus. Es muss ein neues Denken geben. Wir müssen bei den Einnahmen und bei den Kosten gucken. Wir haben Stellen eingespart, Rot-Grün jetzt 2000 neue - allein in der Umweltbürokratie 300. Das ist nicht der Weg, einen Haushalt zu sanieren, sondern der, Wohltaten zu verteilen. Das Bewusstsein muss in die Verwaltung, dass wir nur das ausgeben können, was wir einnehmen."

Joachim Timm (Linke): "Seit Helmut Kohl sind die Spitzensteuersätze kontinuierlich heruntergesetzt worden. Heute macht es ja der Präsident für sich persönlich... Wir müssen an die Erbschaftssteuer heran, wir müssen Steuerfahnder einsetzen." Jetzt verrechnet er sich ein wenig und wird von Giller darauf hingewiesen. Timm: "Ich hatte in Mathe ne Vier..." Die beste Schuldenbremse sei, das Geld "dorther zu holen wo es ist. Wenn es da oben irgendwo steckt, da kann man es sich doch holen. Und zwar ganz demokratisch, ich will da nix klauen", sagt er noch recht impulsiv hinterher.

Tembaak: "Ich kann nicht so mit Zahlen rumwerfen. Wenn Sie den Haushalt versuchen zu lesen, dann sind Sie als Bürger nicht in der Lage. Das ist ähnlich bei den kommunalen Haushalten - nicht nach der doppelten Haushaltsführung. Das muss einheitlich umgesetzt werden." Zawisch: "Das haben wir schon lange in den Kommunen, seit drei Jahren in Lünen." Sein Vorteil: Er komme aus der Wirtschaft, er könne Bilanzen lesen. Tembaak: "Ich finde, die Haushalte sind so, wie sie im Netz stehen, schwer nachvollziehbar." Erstmals Applaus von einigen Gästen.

Zawisch: "Die Schuldenbremse ist ein gutes Instrument. Wir können kurzfristig jede Gemeinde retten - langfristig und mittelfristig hilft das aber keinem einzigen Bürger. Wir müssen losgelöst von einem städtischen Haushaltsansatz es schaffen, generell Neuverschuldung zu unterbinden. Wenn es uns nicht gelingt, diese Problematik in den Griff zu bekommen, dann sieht es düster aus. Die Stadt Selm hat eine Maßnahme getroffen, die unpopulär war. Wenn Lünen, das seit 27 Jahren im Haushaltssicherungskonzept steckt. Und wenn ich dann immer nur höre, wir müssen hier was tun und da was tun, und die Leute sagen: 'Wir bleiben unter der Schuldengrenze', dann ist das nicht der richtige Ansatz. Wir bleiben drunter, weil die Steuereinnahmen gestiegen sind. Aber jetzt müssen wir an dieser Stelle anfangen, zu dokumentieren, dass es so nicht weiter geht." Er wolle dann nicht hören, dass man noch mal 350 Millionen in die Kommunen steckt. "Diesen Ansatz sehe ich weder bei der SPD noch bei den Grünen."

Schmelzter: "Davon halte ich sehr viel. Aber es macht nur Sinn, sie in der Landesverfassung zu verankern, wenn sie im Grundgesetz steht. Es scheitert im Landtag daran, dass wir mit der CDU nicht einig sind. Wir wollen keine Schuldenbremse aufnehmen, ohne die 396 Städte und Gemeinden mit ins Boot zu nehmen."

Schuldenbremse - wird immer wieder gefordert. Ist das das richtige Werkzeug? 

Tembaak: "Ich bin keine Finanzexperten, versuche es aber trotzdem mal. Wir müssen für die Selbstbestimmung der Kommunen zurückgewinnen. Was mir wichtig ist: Die Bürger müssen enger einbezogen werden. Nicht vorab in den Hinterzimmern sollte entschieden werden, sondern offen - mit den Bürgern."

Timm: "Wenn wir im Ruhrgebiet oder an dessen Rande über Schulden reden, dann tun wir das schon seit zehn Jahren. Gesund sparen ist aber ein Ding der Unmöglichkeit. Geld hin und herschieben wir beim Stärkungspakt ist aber auch eine Mogelpackung. Bei der wirtschaftlichen Lage ist nicht zu erwarten, dass wir einen Boom erzielen." Nun kündigt er eine Illusion an: "Woher soll das Geld kommen? Da habe ich eine Idee." Wolters: "Da kommen wir gleich noch zu." Timm: "Na gut."  

Benke: "Unsere Städte sind unsere Lebensmittelpunkte. Hier leben wir, hier verbringen wir unsere Freizeit. Wenn man nicht investiert, erhält man keine Rendite. Darum musste Geld in die Kommunen fließen." Mit dem Stärkungspakt hätten die Kommunen bis 2019 Zeit. "Da muss man nicht kurzfristig entscheiden." 

Giller: "Unser Prinzip, das wir unserem Kandidaten Lindner zu verdanken haben, ist, dass wir nur das Geld ausgeben, das wir haben." Bei der Verschuldung seien die 350 Millionen Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Wir müssen Schulden abbauen! Wenn ich mir die Zahlen von Selm ansehe, dann sind die Maßnahmen, auch wenn sie unpopulär sind, wirksam. Das Defizit wurde von 8,5 Millionen Euro (2008) auf 800.000 Euro in diesem Jahr abgeschmolzen." Spätere Generationen müssten ein immer höheres Zinsniveau zahlen. "Dann werden die späteren Generationen sagen: 'Wie konntet ihr nur?'" 

Zawisch: "Das hört sich alles schön und gut an. Aber es ist festzuhalten, dass immer nur Geld verschoben worden ist. Es ist falsch zu sagen, dass wir die Kommunen entlasten und das Land dabei immer weiter verschulden." Der Schritt, den Kommunen mehr Spielraum zu geben, halte er für den falschen vor dem Hintergrund, dass das Land in den Schulen versinke. Er spricht vom designierten Ministerpräsidenten Röttgen. "Dann wollen wir Steuermehreinnahmen dazu nutzen, eben nicht mit der Gießkanne durchs Land zu ziehen, sondern das Defizit des Landes abzubauen." Es gebe die Vorgabe des Landes, und der Rat der Stadt Selm hat entschieden, die Grundsteuer zu erhöhen - das sei unabwendbar gewesen. "Das Problem der Verschuldung lösen wir damit aber nicht."

Schmeltzer wirft erst einmal mit Zahlen um sich. Er spricht von Landesmitteln, die an bedürftige Kommunen ausgeschüttet wurden - 350 Millionen Euro, unter anderem auch an Selm.

Allerdings nicht bedingungslos: "Wir haben gesagt, dass die Kommunen ihre Schulden abbauen müssen." Er sagt, er habe die Ratssitzung in Selm, die wir auf RN.de live im Netz per Ticker übertragen haben, in Düsseldorf und auf der Zugfahrt verfolgt. "Es war nur klar, dass kein Personal abgebaut werden darf."  

Jetzt kommen wir zum Thema Finanzen. Es gibt kaum Gemeinden, die noch schuldenfrei sind, viele drohen in den Nothaushalt zu rutschen. Stärkungspakt: Ist es im Sinne des Stärkungspaktes, dass die Stadt Selm die Grundsteuer B verdoppelt? Das fragte eine Leserin.

Benke (Grüne): "Am Ende werden die Neuwahlen gut sein, weil wir dann eine starke Koalition bekommen. Eigentlich fand ich's die letzten 20 Monate sehr charmant. Man musste auch zuhören, was die anderen für Ideen haben. Das hätte ich der Regierung so am Anfang gar nicht zugetraut. Schade, dass sie am Ende wegen einer Formsache zu Brüche gegangen ist. Da sind aber die anderen Parteien dran beteiligt. Ich glaube, Rot-Grün wäre ein gutes Bündnis.

Schmeltzer (SPD): "20 Monate hat Rot-Grün keiner zugetraut. Die Bilanz kann sich sehen lassen. Auch die CDU, die FDP - alle haben immer mal wieder mitbestimmt. Wir haben immer gesagt, irgendwann kommt der Punkt, wo wir auch mal eine Abstimmung verlieren. Wir haben gesagt: Wenn das bei einer Haushaltsabstimmung so kommt, dann geht das nicht mehr. Und da waren wir konsequent - wir haben die Regierung aufgelöst." 

Timm (Linke) sagt: Ich glaube, wir müssen wieder wählen. Mir tut auch das Geld Leid. Wir sind zwar für mehr Bürgerbeteiligung, haben zum Beispiel im Landtag umgesetzt, dass der Bürgermeister abgewählt werden kann." Er sagt noch, Gott sei Dank sei dieser "Bürgermeister aus Duisburg dadurch jetzt endlich weg". Tembaak (Piraten) freut sich: "Neue Wahl, neues Glück." Giller (FDP): "Ich fand die Minderheitsregierung sehr sympathisch, weil die kleineren Parteien die Möglichkeiten hatten, ihre Ideen durchzsetzen. Insofern war das gar nicht so schlecht. Die Wahlen jetzt waren aber nötig, weil die Regierung so aus unserer Sicht nicht akzeptabel war. Es gehört mehr dazu, als nur Schönmachen." Zawisch: "Das Experiment Minderheitsregierung ist gescheitert. Ich will hier heute nicht auf den gesccheiterten Partein rumtrampeln. Ich will in die Zukunft schauen. Minderheitsregierungen haben das Problem, dass sie nicht frei nach eigenem Ermessen entscheiden können. Wir dürfen wählen - und müssen wählen, weil es nicht mehr anders ging."    

CDU-Kandidat Michael Zawisch hat die Meisterschaft von Borussia Dortmund mitgefeiert - das gibt er in der Vorstellungsrunde gerade zu. Aber Bayern München halte er sonst auch die Daumen. Jeannine Tembaak von den "Piraten" erklärt das Zustandekommen ihres Internet-Nicknames "Huepfkuh". 

Moderator und RN-Redaktionsleiter Theo Wolters stellt eine Frage ins Publikum: "Wer weiß denn, was er wählt?" Die Hände gehen hoch, die Quote etwa fifty-fifty. Es geht heute vor allem um Bildung und Finanzen. 

Theo Wolters begrüßt die Gäste im Namen der Ruhr-Nachrichten-Redaktionen Selm, Werne und Lünen. "Wir sind überrascht, dass so viele Leute gekommen sind. Positiv überrascht. Und wir sind alle überrascht, dass so viele junge Leute da sind."

Wir haben ein bisschen umgebaut. Den Livestream gibt es ab sofort hier im Link, den Text-Ticker hier. So können Sie in zwei Fenstern beides gleichzeitig verfolgen. Das Bürgerhaus ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Gleich geht es los.

Unsere am weitesten entfernten Leser und Zuschauer sitzen gerade in China. Tobias Althoff aus Bork und Nicolai Roerkohl aus Stockum verfolgen die Podiumsdiskussion heute aus dem Mega-Staat in Asien. Wir grüßen nach Osten!

Guten Abend aus dem Bürgerhaus in Selm. Die Türe ist für Gäste geöffnet, die ersten 30 sind auch schon da. Kommen Sie vorbei, die Podiumsdiskussion beginnt hier in 25 Minuten. Gleich mehr.

Im Wahlkreis Selm, Lünen und Werne treten Rainer Schmeltzer (SPD), Michael Zawisch (CDU), Dr. Roland Giller (FDP), Benjamin Benke (Grüne), Joachim Timm (Linke) und Jeannine Tembaak (Piraten) am 13. Mai bei den vorgezogenen Landtagswahlen an.Und die Ruhr Nachrichten haben alle Kandidaten zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Heute wollen wir sie ab 19 Uhr im Selmer Bürgerhaus zu verschiedenen Themenbereichen befragen. Welche politische Ziele die Landtagskandidaten haben, wollen wir dann erfahren. Und laden alle interessierten Bürger dazu ein.  

 

Das wollten wir im Vorfeld wissen und haben den Kandidaten einen Fragebogen vorgelegt. Und erfuhren interessante Dinge. Etwa, dass Spaghetti Bolognese die Lieblingsspeise des SPD-Kandidaten Rainer Schmeltzer ist. Oder dass Michael Zawisch von der CDU gern Fußball und Tennis spielt, dass Rennradfahren ein Hobby des Grünen-Kandidaten Benjamin Benke ist. Dass das Lebensmotto von Jeannine Tembaak „Nicht meckern, machen“ lautet. Dass das Lieblingsbuch von Joachim Timm von den Linken „Das Attentat“ von Harry Mulisch ist und dass der FDP-Kandidat Dr. Roland Giller gern Klassik hört.

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