Vom „Mütterverein“ zur Frauengemeinschaft: Wie katholische Frauen Zusammenhalt leben

Jubiläum kfd Herz Mariä

Früher gingen katholische Frauen nach der Hochzeit in den „Mütterverein“. Der heißt heute Frauengemeinschaft und wird in Herz Mariä 100 Jahre alt. Und er hat ein Problem.

Lünen

, 07.05.2019 / Lesedauer: 3 min
Vom „Mütterverein“ zur Frauengemeinschaft: Wie katholische Frauen Zusammenhalt leben

Frauen der kfd Herz Mariä als Models bei einer Modenschau. Die Frauengemeinschaft wird 100 Jahre alt. © kfd Herz Mariä

Zusammen den Glauben leben, gemeinsam beten, sich austauschen und unterstützen: Das führt auch heute noch, nach 100 Jahren, die Frauen der katholischen Kirchengemeinde Herz Mariä in Horstmar zusammen. „Damals haben Frauen früh geheiratet und traten dann auch dem Mütterverein bei“, schildert Mechthild Büttner. Heute sei es deutlich schwieriger, junge Frauen zu gewinnen. Letztlich spiele auch die Berufstätigkeit eine Rolle.

Altersdurchschnitt heute bei 70 Jahren

110 Frauen gehören heute der Frauengemeinschaft Herz Mariä (kfd) an. Der Altersdurchschnitt liegt bei 70 Jahren. Es gab Zeiten, da kamen 220 zusammen.

Vom „Mütterverein“ zur Frauengemeinschaft: Wie katholische Frauen Zusammenhalt leben

Mechthild Büttner vom Leitungsteam der kfd Herz Mariä zeigt die ersten Protokollbücher. In schönster Handschrift ist dort über jede Veranstaltung etwas zu lesen. © Magdalene Quiring-Lategahn

Mechthild Büttner, seit 40 Jahren im Leitungsteam der Frauengemeinschaft (kfd), verwahrt die Protokollbücher von 1919 bis heute. Von jeder Veranstaltung ist dort ein Bericht zu lesen, die ersten sind fein säuberlich in Sütterlinschrift verfasst. Sie enden immer mit einem besinnlichen Spruch. Einer lautet: „Gemeinsam schauen wir in eine Richtung, denn uns gemeinsam ist das Ziel. Wir stehen zueinander, wir gehen miteinander, wir bleiben beieinander.“

Pater Bude gründete den „Mütterverein“

Er formuliert den Leitfaden der Frauengemeinschaft, die Pater Bude 1919 kurz nach der Gründung der Gemeinde Herz Mariä ins Leben rief. Es war die Zeit des Bergbaus, die viele Menschen nach Horstmar brachte. Auf der Zeche Preußen II waren zwischenzeitlich 4000 Bergleute beschäftigt. Die Chronik erzählt, dass Pater Bude per Handzettel, im „Kirchlichen Anzeiger“ und von der Kanzel für den „Mütterverein“ warb.

81 Frauen waren 1919 gleich dabei

Im Oktober 1919 sprach er über die „Die Erziehungsaufgaben der katholischen Mütter beim Wiederaufbau Deutschlands“. 81 Frauen ließen noch am gleichen Tag in Listen eintragen. Damit war der Mütterverein Herz Mariä Horstmar gegründet. „Damals gab es ja nichts anderes als die kirchlichen Vereine“, sagt Mechthild Büttner. Die Arbeiter kamen in der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) und die Handwerker im Kolpingverein zusammen. An den zweiten Weihnachts- oder Osterfeiertagen traf man sich zum Tanz.

Vom „Mütterverein“ zur Frauengemeinschaft: Wie katholische Frauen Zusammenhalt leben

Die erste Fahne der kfd von 1919 war auch auf Prozessionen dabei. © kfd Herz Mariä

Die erste Fahne der Frauengemeinschaft Herz Mariä hängt heute restauriert hinter Glas im Pfarrheim. Sie hat den Krieg nur deshalb überstanden, weil sie auf dem Dachboden der ehemaligen Schule versteckt wurde. Vieles haben die Frauen gemeinsam erlebt, von denen die Älteste (95) seit 58 Jahren Mitglied ist. Die Jüngste kam vor drei Jahren dazu und ist 52.

Vom „Mütterverein“ zur Frauengemeinschaft: Wie katholische Frauen Zusammenhalt leben

Weiberfastnacht der kfd Herz Mariä war immer ein großes Ereignis. © kfd Herz Mariä

Mechthild Büttner erinnert an Schneiderkurse, Theatergruppe und Modenschauen. Alte Fotos zeigen Damen mit Knoten und weiße Blusenkragen oder in Abendgarderobe. Bilder erinnern an fröhliche Weiberfastnachtfeiern oder jährliche Ausflüge.

Treffen mit selbst gebackenen Torten

Heute noch kommen die Frauen donnerstags zur Gemeinschaftsmesse und einmal im Monat zu interessanten Themen oder Veranstaltungen zusammen. Dann gibt es immer selbst gebackene Torten, die das 17-köpfige Mitarbeiterteam beisteuert. „Man kennt sich lange, ist unter Gleichgesinnten und eine eingeschworene Gemeinschaft“, beschreibt Mechthild Büttner das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Das 100. Jubiläum feiert die kfd mit einem großen fest am 11. September: Das beginnt um 14.30 Uhr mit eine heiligen Messe in der Herz-Mariä-Kirche. Bannerabordnungen werden dabei sein. Diözesanpräses der kfd Paderborn, Pastor Roland Schmitz wird die Messe halten, anschließend ist Kaffeetrinken im Pfarrheim.

Dort soll fröhlich gefeiert werden. Die Theatergruppe St. Josef aus Selm führt unter der Leitung von Ursula Rottmann Sketche auf. Es werden Mitglieder geehrt. Die Meister der Musikschule Lünen, Lena Burkhard, Mira Cöppikus und Luca Vazgec werden den Nachmittag musikalisch gestalten. Das Fest endet mit einem Abendimbiss.

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