Juden in Lünen

Von Nazis in die Lippe getrieben: Neue Stolpersteine erinnern an Schicksale

Ihre Geschichten sind traurig und hatten kein Happy End. Sieben neue Stolpersteine an der Cappenberger Straße in Lünen erinnern nun an die Schicksale von jüdischen Familien in Lünen.

Eine größere Menschenmenge hatte sich am Montag, 13. September, vor dem großen Wohnblock Cappenberger Straße 35 versammelt, um dabei zu sein, wenn vor den Eingängen 35 c und 35 d sieben weitere Stolpersteine im Pflaster des Gehweges verankert werden.

Aus den Wohnungen gedrängt und dann deportiert

Bei den fünf Menschen handelte es sich um die Familie Hermann Markus und Else Aronstein mit ihren Töchtern Ursel, Elga und Inge. In der Nummer 35 c wohnten Martha Elsoffer und ihr Sohn Werner.

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden Hermann Markus Aronstein und sein Nachbar Waldemar Elsoffer von den Nazis in die Lippe getrieben. Elsoffer ertrank dabei, Aronstein konnte sich retten. Ein Stolperstein für Werner Elsoffer wurde bereits 2009 verlegt.

Zunächst mussten die jüdischen Bewohner der Cappenberger Straße 35 ihre Wohnungen verlassen und in das jüdische Haus Borker Straße 6 ziehen. Doch bald folgen die Deportierungen in die Vernichtungslager.

Von der Familie Aronstein überlebte nur die jüngste Tochter, die durch einen glücklichen Umstand nach Palästina gelangte. Dort verliert sich ihre Spur in Haifa. Martha und Werner Elsoffer* gelang 1938/39 die Flucht nach England.

Neue Stolpersteine erinnern an Juden in Lünen

Diese Daten kann nun jeder auf den Stolpersteinen nachlesen, auf die drei weiße Rosen niederlegt wurden. Ausrichter und Einlader zu dieser Aktion war der Lüner Arbeitskreis Stolpersteine, der damit den ehemaligen jüdischen Mitbürgern ein Gedenken geben will. Unter den zahlreichen Teilnehmern waren auch Gruppen der Geschwister-Scholl-Gesamtschule sowie des Gymnasiums Altlünen, die sich im Unterricht mit dem Thema Juden in Lünen beschäftigen.

Eine Schülergruppe des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums gestaltete die Feier mit. Udo Kath vom Arbeitskreis begrüßte die Anwesenden zu diesem Anlass, der eigentlich schon vor 15 Monaten hätte stattfinden sollen. Doch durch die Corona-Pandemie sei man erst jetzt dazu gekommen. Er bedankte sich bei den vielen Helfern und den Sponsoren, und für die umfangreichen Recherchen im Stadtarchiv durch Fredy Niklowitz. Ein Grußwort für Rat und Verwaltung überbrachte der stellvertretende Bürgermeister Daniel Wolski.

Die Anwesenheit von so vielen jungen Menschen bei dieser Feier gab ihm die Hoffnung, so sagte er, dass sich solche Ereignisse, wie die Juden-Verfolgung im Zweiten Weltkrieg, nicht wiederholen.

Ins Pflaster des Bürgersteins zementiert

Anschließend trugen die Mitglieder des Arbeitskreises die zutiefst traurigen Geschichten der jüdischen Mitbürger vor, an die nun die Stolpersteine erinnern. Danach zementierten zwei Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe Lünen die fünf Stolpersteine vor dem Eingang Cappenberger Straße 35 d im Pflaster des Bürgersteines ein.

Die Gedenkfeier wurde fortgesetzt durch zwei Schüler des Stein-Gymnasiums, die aus dem Psalm 129 der Thora zitierten. Zwei Mitschülerinnen intonierten danach auf Geigen die Bekannte Weise „Shalom aleichem“.

Mit einer ähnlichen Zeremonie wurden anschließend die beiden Stolpersteine vor dem Eingang 35 c eingesetzt.

*In einer ersten Version des Textes stand, dass die Eheleute Elsoffer nach England flüchteten. Das ist falsch. Waldemar Elsoffer ist von den Nazis in die Lippe getrieben worden und ertrunken.

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Redaktion Lünen
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Günther Goldstein