Vor Ort ist Ökumene ungefährdet

11.07.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lünen Claudia Reifenberger «Das ist ein Rückschritt, aber keine Überraschung» - Pfarrerin (Foto) vom ev. Paul-Gerhardt-Bezirk sieht die Äußerungen aus dem Vatikan, der allen Protestanten den Status der Kirche abgesprochen hat, relativ gelassen. «Eigentlich wurde damit nur manifestiert, was schon immer da war», erinnert die Seelsorgerin an die Enzyklika «Dominus Jesus» aus dem Jahr 2000, in dem das «sehr absolutistische katholische Verständnis» schon festgeschrieben worden sei.

Allerdings hätten die neuerlichen Äußerungen aus Rom nichts mit der Basis zu tun. «Ich hoffe sehr, dass die Ökumene weiterläuft, im Sinne der Dinge, die uns verbinden, des einen Gotts.» Das Signal aus Rom hält sie allerdings für «fatal».

Dass die Ökumene vor Ort nicht unter den Ansichten aus Rom leidet, glaubt auch Pfarrer Ulrich Klink (Foto) aus dem Johannes-Bezirk: «Es hat sich hier auf praktischer Ebene zur pragmatischen Ökumene entwickelt, die mit Kontaktpflege, Kooperation, Kommunikation läuft. Aber auf kirchenpolitischer Ebene wird es wohl keine Annäherung geben.»

Kirchentag

Klink sieht auch nicht den 2. Ökumenischen Kirchentag, der 2010 in München stattfinden soll, gefährdet. «Das ist ja auch eine Veranstaltung für Laien und somit wieder pragmatische Ökumene.»

Natürlich gebe es auch auf protestantischer Seite Hardliner, die keine Ökumene mit der katholischen Seite wollten. Klink ist persönlich der Auffassung, dass man die pragmatische Ökumene pflegen und ausbauen sollte, wo sie möglich sei. «Durch solche Äußerungen aus Rom sollten wir uns nicht aus der Bahn werfen lassen.» Er glaubt auch, dass die Aufregung über die Papst-Äußerungen bei den katholischen Laien in Mitteleuropa weit größer ist als beispielsweise in Lateinamerika, Afrika und Asien, wo völlig andere sozialpolitische Rahmenbedingungen herrschen.

Keinen Rückschritt für die Ökumene vor Ort sieht auch Pfarrerin Gisela Kortenbruck (Foto) von der Preußen-Gemeinde durch die Ansichten der Glaubenskongregation, die die Protestanten lediglich als «kirchliche Gemeinschaften» bezeichnet.

Sehr lebendig

«Ich denke, es geht um theologische Auseinandersetzungen innerhalb der katholischen Kirche. In Lünen-Süd und Gahmen sei die Ökumene sehr lebendig und habe eine jahrzehntelange Tradition. «In der Praxis läuft es gut, in der Theorie müssen die Katholiken selber sehen, wie sie damit umgehen.»

Beate Rottgardt

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