Vor tödlichem Unfall: Hat Vater (21) die Mutter (†20) ins Auto gezerrt?

rnMoltkestraße in Lünen

Bei einem schweren Unfall auf der Moltkestraße sind 2019 eine Mutter (20) und ihr Sohn gestorben. Der Vater fuhr das Auto, er steht vor Gericht. Eigentlich sollte es schon ein Urteil geben.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 16.10.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Prozess um den Unfall auf der Moltkestraße, bei dem vor einem Jahr eine junge Frau und ihr kleiner Sohn starben, gestaltet sich umfangreicher als zunächst erwartet. Gründe dafür sind Zeugen, die noch gehört werden sollen, und Beweisanträge des Verteidigers.

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Ursprünglich waren für das Verfahren gegen den heute 21-Jährigen, dem vor dem Jugendschöffengericht in Lünen fahrlässige Tötung, Straßenverkehrsgefährdung Körperverletzung und Nötigung vorgeworfen werden, lediglich zwei Verhandlungstage geplant. Am zweiten Sitzungstag stellte sich jedoch heraus, dass weitere Termine benötigt werden.

Mit Gewalt zum Einsteigen gebracht?

Anlass dafür sind zunächst die beiden Zeugen, die sich mittlerweile in Rumänien aufhalten. Das Paar soll dazu gehört werden, ob der Angeklagte seine Frau vor Antritt der Fahrt schlug und mit Gewalt dazu brachte, in den Wagen zu steigen. Nachdem der Verteidiger dem Gericht am ersten Verhandlungstag eine Telefonnummer übergab, das Paar darüber aber nicht zu erreichen war, händigte der Anwalt nun die Adresse aus.

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Und in dem Kontext erklärte er außerdem, dass es einen weiteren Zeugen gebe. Der habe das Auto sogar noch vom Hof gefahren und erst danach habe sein Mandant das Steuer übernommen. Demnach könne auch er Angaben machen, ob es zu Übergriffen gekommen sei oder, so die Version des Anklagten, eben nicht.

Neues Gutachten soll kommen

Außerdem beantragte die Verteidigung die Einholung eines fachspezifischen Gutachtens zur Frage, ob Mutter und Sohn überlebt hätten, wenn sie angeschnallt gewesen wären. Sein Mandant sei angeschnallt gewesen. Zwar sei der 21-Jährige schwer verletzt worden, habe aber überlebt. Sofern es die Ehefrau betreffe, sei die auf Grund ihrer Volljährigkeit selbst dafür verantwortlich gewesen, den Sicherheitsgurt anzulegen. Bei dem kleinen Jungen seien beide, Vater und Mutter, verantwortlich gewesen.

Darüber hinaus stellte der Rechtsanwalt den Antrag, ein psychiatrisches Gutachten zum Zustand seines Mandanten mit Blick auf die Unfallfolgen einzuholen. Der junge Mann sei dadurch stark belastet, leide unter anderem unter Schlafstörungen und sei auf Medikamente angewiesen. In dem Kontext benannte er den behandelnden Arzt des 21-Jährigen.

Zwei Fortsetzungstermine nötig

Unter den Voraussetzungen wurde die Verhandlung unterbrochen und es wurden zwei Fortsetzungstermine für Anfang und Mitte November anberaumt. Dazu sollen die weiteren Zeugen und ein Polizeibeamter geladen werden. Außerdem wird das Gericht bis dahin eine Entscheidung über die Beweisanträge der Verteidigung treffen.

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