Vorwurf sexueller Belästigung: Lüge bringt Lünerin selbst vor Gericht

rnAmtsgericht

Mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung wollte eine Lünerin ihrem Nachbarn schaden. Vor Gericht wurde klar, dass der behinderte Mann dazu gar nicht in der Lage gewesen wäre.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 10.08.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Extrem rücksichtslos“ – Um ihren verhassten Nachbarn in Schwierigkeiten zu bringen, bezichtigte ihn eine Lünerin (44) offenbar zu Unrecht der sexuellen Belästigung. Es stellte sich heraus, dass der behinderte Mann gar nicht zu so einem Übergriff in der Lage gewesen wäre. Daher saß nun nicht er auf der Anklagebank, sondern sie.

Anfang Dezember erschien die 44-Jährige auf der Wache, um Strafanzeige zu erstatten. Sie behauptete, ihr Nachbar habe sie im Bereich der Tür zur Kellertreppe im Hausflur von hinten an die Brust gefasst. Als sie sich daraufhin umgedreht habe, um zu sehen, wer sie da berührte, sei sogar noch ihr BH zerrissen. Ein massiver Vorwurf. Allerdings ist der vermeintliche Angreifer halbseitig gelähmt, sitzt im Rollstuhl. Die Hand, die er noch bewegen kann, benötigt er, um sich abzustützen, wenn er zum Beispiel im Hausflur ohne Rollstuhl unterwegs ist. Und genau das ließ die ermittelnden Polizeibeamten schnell misstrauisch werden. Die Lünerin geriet in den Verdacht, sich einer falschen Verdächtigung schuldig gemacht zu haben.

44-Jährige beharrte auf Vorwurf

Doch den Vorwurf, gelogen zu haben, wollte die 44-Jährige nun im Prozess vor dem Amtsgericht keinesfalls auf sich sitzen lassen. Sie beharrte darauf, von dem Mann belästigt worden zu sein und betonte immer wieder, dass der körperlich sehr wohl zu einer derartigen Handlung fähig sei. Und dafür habe sie auch Zeugen. Überhaupt ließ sie kein gutes Haar an dem Nachbarn: „Er beleidigt uns. Er tyrannisiert uns.“ Außerdem betonte sie, erheblich unter den Folgen zu leiden. „Seitdem habe ich Angst, aus dem Haus zu gehen, gucke immer nach rechts und links. Ohne meinen Lebensgefährten verlasse ich das Haus nicht mehr.“

„Aus der Wohnung raushaben“

Der betroffene Nachbar wurde gehört und der 62-Jährige reagierte empört auf das, was die Anklagte nach wie vor behauptete. „Das stimmt überhaupt nicht.“ Er schilderte ausführlich, wie sich die Behinderung auf seine Bewegungsfähigkeit auswirkt, verwies auf die intakte Hand als Stütze und den Pflegedienst, den er benötigt. Generell, betonte er, versuche er der Frau und ihrem Freund aus dem Weg zu gehen. „Ich habe das Gefühl, die wollen mich aus der Wohnung raushaben.“ Und: „Ich will einfach nur meine Ruhe haben.“

Angeklagte Lünerin nicht glaubwürdig

Anklage und Gericht hatten letztlich keine Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. Gänzlich anders bewerteten sie die Überzeugungskraft der angeklagten Lünerin. Ihre Angaben, so formulierte es der Richter am Ende, seien eben nicht glaubwürdig gewesen, seien vielmehr widersprüchlich ausgefallen. Er warf der Frau extreme Rücksichtslosigkeit vor. Und die soll sie nun teuer zu stehen kommen: 700 Euro Geldstrafe.

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