Lünen hat gewählt. Die vorläufigen amtlichen Endergebnisse stehen fest. Michael Thews gewinnt. Aber das ist natürlich nicht alles, was bei der Wahl in Lünen passiert ist. © Günther Goldstein
Analyse

Wahl: Lünen bleibt rot, AfD stärker im Süden, Grüne punkten im Norden

Lünen hat gewählt. Das Ergebnis bestätigt Michael Thews als örtlichen Abgeordneten im Bundestags. Es gibt aber noch andere Gewinner und natürlich auch Verlierer in der Lippestadt.

Nach der Bundestagswahl 2021 gibt es in Lünen einen strahlenden Gewinner: Die meisten Wähler im Wahlkreis Hamm-Unna II haben Michael Thews von der SPD ihre Stimme gegeben. Mit 40,57 Prozent aller Erststimmen setzte sich der Lüner deutlich gegen den Direktkandidaten der CDU Arnd Hilwig (26,5 Prozent) durch.

Das Wahlergebnis in Lünen fällt noch klarer aus. 19.549 Stimmen (44,57 Prozent) gehen direkt an Thews. Auf Platz 2 mit weniger als der Hälfte davon, nämlich 9207 (20,99 Prozent) steht auch hier Hilwig von der CDU.

Robert Hennig (AfD) folgt mit 10,32 Prozent (4526 Stimmen), vor Martin Kesztyüs (Grüne) mit 9,94 Prozent (4361 Stimmen), Luca Slunjski (FDP) mit 7,27 Prozent (3.189 Stimmen) und Rebekka Kämpfe (Linke) mit 4,12 Prozent (1807 Stimmen). Folke Hellmig von den Freien Wählern und Dominik Pfau (die Basis) liegen mit 1,81 und 0,97 Prozent (796 und 427 Stimmen) noch weiter abgeschlagen.

Siegerfoto und Blumen am Wahlabend im Kurhaus in Hamm. Michael Thews bleibt für weitere vier Jahre im Bundestag.
Siegerfoto und Blumen am Wahlabend im Kurhaus in Hamm. Michael Thews bleibt für weitere vier Jahre im Bundestag. © Magdalene Quiring-Lategahn © Magdalene Quiring-Lategahn

Michael Thews hat damit im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 in Lünen 4,32 Prozentpunkte mehr erhalten (+1367 Stimmen). Für Arnd Hilwig stimmten 4065 (-8,39 Prozentpunkte) weniger Wählende in Lünen, als für seine Vorgängerin Sylvia Jörrißen, die 2017 als Direktkandidatin der CDU ins Rennen gegangen war. Besonders das Ergebnis im Wahlkreis Hamm-Unna II war 2017 nur sehr knapp für Thews ausgefallen. Er gewann mit rund 2000 Stimmen Vorsprung.

Grüne verdoppeln Zweitstimmen

Die SPD hat auch bei den Zweitstimmen in Lünen hinzugewonnen, allerdings nicht so deutlich wie ihr Direktkandidat. Mit 37,21 Prozent gibt es hier nur 2,81 Prozentpunkt mehr als 2017. Klarer Wahlgewinner in Lünen sind die Grünen, die ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Bundestagswahl mit 10,97 Prozent mehr als verdoppeln können (+5,88 Prozentpunkte).

Schon früh am Wahlabend zeichnete sich klar ab: Für Arnd Hilwig (M.) von der CDU ist im Wahlkreis Hamm-Unna II nichts zu holen. Der Direktkandidat der Union gab sich als fairer Verlierer und gratulierte Michael Thews noch vor 21 Uhr zum Sieg.
Schon früh am Wahlabend zeichnete sich klar ab: Für Arnd Hilwig (M.) von der CDU ist im Wahlkreis Hamm-Unna II nichts zu holen. Der Direktkandidat der Union gab sich als fairer Verlierer und gratulierte Michael Thews noch vor 21 Uhr zum Sieg. © Magdalene Quiring-Lategahn © Magdalene Quiring-Lategahn

Die CDU verliert hingegen 4,57 Prozentpunkte und landet bei 21,09 Prozent, fast identisch mit dem Ergebnis von Arnd Hilwig. Auch die Linke muss deutlich einstecken, erreicht nur noch 3,69 Prozent (-3,64 Prozentpunkte). Die AfD hingegen bleibt in der Lippestadt zweistellig, verliert mit 10,22 Prozent aber 2,3 Prozentpunkte. Eine Wiederholung des Spitzenergebnisses von 2017 bleibt also aus. Mit 12,52 Prozent hatte die AfD in Lünen 2017 die meisten Stimmen im Kreis Unna in Lünen erhalten. Die FDP liegt nahezu unverändert bei 9,47 Prozent (-0,27 Prozentpunkte).

Wahlbeteiligung schwankt stark in Stadtteilen

Die Hoffnung, dass die hohe Zahl an Briefwählern für eine höhere Wahlbeteiligung sorgen würde, hat sich allerdings nicht bestätigt. Rund 21.000 der 62050 Wahlberechtigten in der Lippestadt haben per Post an der Bundestagswahl teilgenommen. Fast doppelt so viele, wie bei der Bundestagswahl 2017 (11.300) und der Kommunalwahl 2020 (12.600).

Lucas Slunjski (FDP) und Martin Kesztyüs (Grüne) konnten die Wahl als Direktkandidaten zwar nicht gewinnen, zeigten sich aber durchaus zufrieden mit den Ergebnissen ihrer Parteien. Für einen Sitz im Bundestag wird es bei beiden nicht reichen.
Lucas Slunjski (FDP) und Martin Kesztyüs (Grüne) konnten die Wahl als Direktkandidaten zwar nicht gewinnen, zeigten sich aber durchaus zufrieden mit den Ergebnissen ihrer Parteien. Für einen Sitz im Bundestag wird es bei beiden nicht reichen. © Magdalen Quiring-Lategahn © Magdalen Quiring-Lategahn

Tatsächlich abgestimmt haben 44.326 Wählerinnen und Wähler oder 71,44 Prozent. 2017 lag die Wahlbeteiligung mit 71,93 Prozent höher, wenn auch nur ein wenig. Am niedrigsten lag die Wahlbeteiligung im Bereich Mitte/Geist/Osterfeld mit 66,2 Prozent. Die meisten Wähler hingegen hatte der Lüner Norden, wo rund 76 Prozent der Wählenden ihre Stimme abgaben. In Brambauer liegt die Wahlbeteiligung bei 67,7 Prozent, der Lüner Süden kommt auf 71,6 Prozent.

AfD punktet im Süden, Grüne im Norden

Und während die AfD besonders im Lüner Süden mit rund 12 Prozent der Zweitstimmen stark abgeschnitten hat, konnten die Grünen sich über viele Stimmen aus dem Lüner Norden freuen. Fast 13 Prozent erreichte die Partei dort. Hier schnitt auch die Union mit 23,7 Prozent deutlich stärker ab, als in den anderen drei Stadtteilen, Brambauer, Lüner Süden und Mitte/Geist/Osterfeld.

Das Kurhaus in Hamm leuchtet am Abend der Wahlparty rot. Passend zur Farbe des Wahlsiegers im Wahlkreis: der SPD.
Das Kurhaus in Hamm leuchtet am Abend der Wahlparty rot. Passend zur Farbe des Wahlsiegers im Wahlkreis: der SPD. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

In Brambauer, wo Michael Thews wohnt, erreichte Lünens Bundestagsabgeordneter als Direktkandidat sein bestes Ergebnis. 47,6 Prozent der Stimmen entfallen auf ihn, die SPD schafft mit 39,7 Prozent hier ebenfalls das beste Ergebnis bei den Zweistimmen.

Tops und Flops in den Wahllokalen

Unterschiede bei den Wahlergebnissen gibt es naturgemäß auch von Wahllokal zu Wahllokal. Das stärkste Ergebnis der gesamten Wahl erzielte, wenig überraschend, Michael Thews. Dass er im Briefwahlbezirk Brambauer VI 60,1 Prozent aller Erststimmen erhalten hat, sticht aus der Aufschlüsselung der Wahlergebnisse in den Lüner Wahlbezirken heraus. Bei den Zweitstimmen gab es hier, genauso einmalig in Lünen, mit 52,09 Prozent sogar die absolute Mehrheit für die Sozialdemokraten.

Die härteste Schlappe für die CDU gab es derweil im Wahllokal Treffpunkt Konradplatz. Sowohl bei Erst- als auch bei Zweistimmen ging es unter 10 Prozent (9,9/9,1). In keinem anderem Lüner Wahlbezirk gab es so ein schlechtes Ergebnis für die Union. Das beste Ergebnis gab es dafür in der DRK Kita „Sonne, Mond und Sterne“ mit 35,5 Prozent (34,8 Prozent der Zweitstimmen).

Die Grünen als drittstärkste Kraft in der Stadt, genau wie im bundeweiten Gesamtergebnis, erreichen ihr bestes Ergebnis in der Kita Steinstraße mit 17,7 Prozent der Zweitstimmen. Direktkandidat Martin Kesztyüs schafft es hier sogar auf 18,4 Prozent.

Und auch wenn die AfD in Gesamtlünen an Stimmen verloren hat: In einigen Wahlbezirken erreichte die Rechtsaußen-Partei bis zu einem Fünftel der Zweitstimmen. Die Spitzenergebnisse gab es in den Wahllokalen Sparkasse Lünen Süd mit 20,5 Prozent der Zweitstimmen und in der Stadt-Insel mit 20,9 Prozent.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
Zur Autorenseite
Matthias Stachelhaus