Wahlhelfer finden Zettel nicht, Stadt Lünen will besser „sensibilisieren“

rnKommunalwahl 2020

Lange Schlangen vor den Wahllokalen und nur scheinbar fehlende Wahlunterlagen an mehreren Orten im Stadtgebiet - nicht alle Lüner waren mit dem Ablauf des Wahlsonntages zufrieden.

Lünen

, 14.09.2020, 21:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus mehreren Wahllokalen berichten die Bürgerinnen und Bürger am Sonntag, dass bestimmte Wahlscheine offenbar nicht mehr vorhanden seien. Eine davon ist Hildegard Eisenbeil. Die 73-Jährige war schon morgens an der Diesterwegstraße wählen. Als sie am Nachmittag noch einmal dort vorbeikam, hieß es, dass dort keine weiteren Wahlzettel für den Landrat vorhanden seien.

„Die Wahlhelferin dort hatte richtig Angst“, sagt Eisenbeil. „Ich war sehr enttäuscht davon, wie das geregelt wurde. So etwas darf doch nicht passieren.“

Tatsächlich waren die Unterlagen laut Stadt Lünen zu jeder Zeit vorhanden, „wurden aber vom Wahlvorstand nicht aufgefunden“, wie es aus der Stadt-Pressestelle heißt. Verwaltungsmitarbeiter hätten das Problem lösen können. Neben dem Wahllokal in der Diesterwegstraße gab es ähnliche Berichte den Tag über auch aus der Schule am Lüserbach (Niederaden) und dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium.

Sonntag war für Wahlhelfer eine Mammutaufgabe

Warum haben die ehrenamtlichen Wahlhelfer in gleich drei Wahllokalen die Unterlagen nicht gefunden? „Aus unserer Sicht waren alle Unterlagen deutlich gekennzeichnet. Wir nehmen mit, dass wir bei der nächsten Wahl die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer noch besser für Auffindbarkeit der Unterlagen sensibilisieren“, schreibt die Stadt. Für die Ehrenamtlichen sei die Wahl allerdings auch eine Mammutaufgabe gewesen.

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Unmut gab es am Sonntag auch darüber, dass die Wählerinnen und Wähler teilweise eine Stunde darauf warten mussten, ihre Stimme abgeben zu können. Ein Grund: Die Stadt hatte im Vorfeld die Zahl der Wahllokale drastisch reduziert. Waren es sonst 66, konnten die Menschen diesmal nur in 23 Lokalen wählen.

Grund war die Coronapandemie, unter anderem Seniorenresidenzen fielen wegen der hohen Ansteckungsgefahr in diesem Jahr aus. Auch die Zahl der Wahlhelfer wurde so reduziert, weil die Stadt davon ausging, dass viele zur Risikogruppe gehören und so nicht zur Verfügung stehen würden.

Stadt sieht keinen Fehler

Trotz relativ geringer Wahlbeteiligung und hohem Briefwahl-Anteil staute es sich deshalb vor den Wahllokalen, wo immerhin die Sonne schien und niemand im Regen stehen musste. Die Stadt rüstete zumindest weitere Wahlkabinen in den Lokalen nach.

Es sei kein Fehler gewesen, die Zahl der Wahllokale zu reduzieren, sagt die Stadt. Deshalb seien für die Stichwahl am 27. September auch keine Änderungen daran vorgesehen. Es werde aber direkt eine Wahlkabine mehr pro Wahlraum aufgestellt. Weil es dann nur zwei Wahlzettel mit zwei Optionen geben wird, sollte der Wahlvorgang auch schneller vonstatten gehen.

Die Stadt habe die Wahl für einen „worst case“ in der Pandemie geplant, es sei schon schwierig gewesen, für die 23 Wahlbezirke angemessene Wahlräume zu finden. Aus den Wahllokalen sei berichtet worden, dass die Wählerinnen und Wähler „teils sehr lange Zeit in den Wahlkabinen verbracht haben, was auf die ungewöhnlich große Zahl von zu treffenden Entscheidungen zurückzuführen sein könnte“.

Wer bis spätestens 18 Uhr in der Schlange stand, durfte in jedem Falle noch wählen. Das führte dazu, dass das letzte Wahllokal (Pfarrheim St. Gottfried) erst um 19.15 Uhr mit der Stimmauszählung beginnen konnte - und sich die Feststellung der Ergebnisse bis weit nach 23 Uhr hin zog.

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