Warum der mutmaßliche Sexualtäter wieder frei ist

55-Jähriger belästigte 17-Jährige

Bereits im Herbst 2015 wurde gegen den 55-Jährigen aus Lünen ermittelt. Am Freitag belästigte der Täter erneut eine 17-Jährige in einem Bus. Die Polizei nahm den Mann vorläufig fest, musste ihn aber wieder freilassen.

LÜNEN

, 29.02.2016, 17:44 Uhr / Lesedauer: 1 min
Warum der mutmaßliche Sexualtäter wieder frei ist

Mädchen und Frauen die ähnliche Erfahrungen in Linienbussen gemacht haben, sollen sich bei der Polizei melden.

Weil keine ausreichenden Haftgründe vorlagen, hat die Polizei den 55-Jährigen, der am Freitagnachmittag ein 17-jähriges Mädchen sexuell belästigt hatte, wieder freigelassen. „Wir brauchen schärfere Gesetze“, fordert eine Nutzerin einer Lüner Gruppe auf Facebook daraufhin. „Er kann da weiter machen, wo er aufgehört hat“, schreibt ein anderer. Ein Blick auf die Rechtslage und einen Fall, in dem schon 2015 gegen den Mann ermittelt wurde.

Staatsanwaltschaft sieht keine Haftgründe

Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft sei der Mann am Freitag wieder entlassen worden, erklärte eine Polizeisprecherin am Montag auf Anfrage. Henner Kruse ist Sprecher der Dortmunder Staatsanwaltschaft. Er sagt: „Haftgründe sind nur Fluchtgefahr, Verdunklungsgefahr oder Wiederholungsgefahr – die allerdings nur in Ausnahmefällen.“

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Ausnahmen gelten nur bei schweren Straftaten

Eine solche Ausnahme sei in diesem Fall nicht gegeben, sagt Kruse. Sie gelte lediglich bei schwereren Straftaten wie etwa Vergewaltigung, sexueller Nötigung oder Missbrauch von Kindern. Im vorliegenden Fall handele es sich jedoch wahrscheinlich um „Beleidigung auf sexueller Basis“, sagt Kruse.

Anders etwa als bei der sexuellen Nötigung habe es in diesem Fall wahrscheinlich keine Gewalt und keine Gewaltandrohung gegeben. Wie die Polizei mitgeteilt hatte, ist gegen den 55-Jährigen schon im September vergangenen Jahres in einem ähnlichen Fall ermittelt worden. Damals sei offenbar keine Anklage erhoben worden, sagt Kruse, „mangels Hinweisen im Tatverdacht“.

Bis zu zwei Jahre Haft

Möglich sei jedoch auch, dass die Geschädigte damals gar keinen Strafantrag gestellt habe. Bei Beleidigung auf sexueller Basis ermittelt die Staatsanwaltschaft anders als bei schwereren Straftaten nur, wenn die Geschädigte einen Strafantrag stellt. Im Falle einer Verurteilung droht dem Täter laut Kruse bis zu ein Jahr Gefängnis oder eine Geldstrafe, wenn eine Tätlichkeit dazukommt bis zu zwei Jahre Haft.

Am Freitag hatte sich noch im Bus eine weitere 17-Jährige gemeldet, die auch angab, von dem Mann belästigt worden zu sein.

Die Polizei bittet deshalb Mädchen und Frauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, weiterhin, sich beim Kriminaldauerdienst unter Tel. (0231) 132 74 41 zu melden. Bis jetzt eingegangene Hinweise seien noch nicht ausgewertet worden, erklärte eine Polizeisprecherin am Montag.

 

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