Warum die Feuerwehr beim Alarm „Patient hinter Tür“ auch mal durchs Fenster kommt

rnEinsatz an Bäckerstraße

Einsatz in der Bäckerstraße - ein Mann wurde seit sechs Wochen nicht mehr gesehen. Polizei und Feuerwehr kommen. Ein Feuerwehrmann geht per Leiter und durch ein Fenster in die Wohnung.

Lünen

, 30.08.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

So geschehen am Donnerstagabend (29.8.), kurz nach 18 Uhr. Ein Vermieter hatte seit sechs Wochen seinen Mieter nicht mehr gesehen und deshalb die Polizei alarmiert, weil er fürchtete, dem Mann sei etwas passiert.

Die Polizei kam zusammen mit der Feuerwehr. „Wir sind in solchen Fällen für die Menschenrettung zuständig“, heißt es dazu auf Anfrage am Freitag von der Feuerwehr Lünen.

Amtshilfe für die Polizei

Das Alarmstichwort heißt dabei „Patient hinter Tür“. Und es kommt sogar relativ häufig vor, dass die Feuerwehr zu solchen technischen Hilfeleistungen gerufen wird. „Das ist in der Regel Amtshilfe für die Polizei“, so die Feuerwehr. Meist handelt es sich um medizinische Notfälle wie Herzprobleme oder Diabetesschock. Der Betroffene liegt hilflos in der Wohnung und braucht medizinische Hilfe.

Eher selten sind Fälle, bei denen jemand Essen auf dem Herd hat, die Wohnungstür zuzieht und dann merkt, dass er den Schlüssel vergessen hat. Aber auch so etwas kommt vor.

Warum die Feuerwehr beim Alarm „Patient hinter Tür“ auch mal durchs Fenster kommt

Einsatz an der Bäckerstraße am Donnerstagabend. Weil sich ein Mieter mehrere Wochen lang nicht gemeldet hatte, schaute die Feuerwehr mit dem Leiterwagen nach dem Rechten. © Beate Rottgardt

Im Fall von Donnerstagabend, den viele Passanten mitbekommen haben, war es zum Glück undramatisch. Der Mieter wurde vom Feuerwehrmann wohlauf in seiner Wohnung angetroffen, der Einsatz war relativ schnell beendet.

Im Anschluss fragten sich beispielsweise auf Facebook Menschen, warum man denn nicht durch die Tür in die Wohnung gelangt sei.

„Wir betreten Wohnungen grundsätzlich nur, wenn Gefahr im Verzug ist und wollen dabei den möglichen Sachschaden möglichst gering halten“, so ein Mitarbeiter der Feuerwehr.

Mehrfach an der Tür geschellt

Natürlich habe man vorher an der Tür geschellt - und das mehrfach. Weil aber keine Reaktion kam, entschloss sich der Einsatzleiter der Feuerwehr in Absprache mit der Polizei, dass ein Feuerwehrmann per Leiter nach oben in Höhe der Dachgeschosswohnung durch ein Fenster einsteigen und nachschauen sollte.

„Es wird immer der Weg des geringsten Widerstands gewählt, was wir da machen, entscheidet der Einsatzleiter, der sich die Lage vor Ort ansieht“, heißt es von Seiten der Feuerwehr. Man könne nicht einfach „eine Tür aufhebeln“.

Lieber einmal zu viel als zu wenig anrufen

Das sei nur nötig, wenn in einer Wohnung gerade „jemand auf einen anderen böswillig einwirkt“, so Dana Seketa von der Polizei-Pressestelle Dortmund. Oder wenn sonst eindeutig Lebensgefahr für jemanden in der Wohnung besteht.

So ein Einsatz kostet natürlich auch Geld. Das zahlt jedoch die Allgemeinheit. „In dem Fall in Lünen war es so, dass sich jemand Sorgen gemacht hat und deshalb die Polizei alarmierte. Natürlich muss er dafür nichts zahlen“, so Dana Seketa. Und sie sagt: In solchen Fällen lieber einmal zu viel als zu wenig anrufen.

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