Warum Dirk Tetzner nach Botswana auswanderte

Im Interview

Sein Vater baute in Botswana ein Kraftwerk mit auf und blieb in dem südafrikanischen Land. Dirk Tetzner lebte in Lünen-Alstedde und Nordkirchen, verließ Deutschland aber, um in der Firma seines Vater zu arbeiten. Derzeit ist er mit seiner Frau Tamsin zu Besuch in der alten Heimat. Im Interview erzählten die Beiden vom Leben im Süden Afrikas.

ALSTEDDE

, 27.08.2017, 05:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Warum Dirk Tetzner nach Botswana auswanderte

Dirk und Tasmin Tetzner an ihrem Hochzeitstag in der traumhaften Kulisse Botswanas.

Wie kam es, dass Sie nach Botswana ausgewandert sind?

Mein Vater lebte seit 1986 dort. Er hatte ein Kraftwerk mit gebaut und als er in Rente ging, übernahm er die Firma in Palapye, die das Werk errichtet hatte. Vor neun Jahren hab ich Deutschland verlassen und bin nach Botswana gegangen, um in der Firma meines Vaters zu arbeiten. Das habe ich auch drei Jahre gemacht. Inzwischen habe ich einen internationalen Beratungsservice, der mich immer mal ein paar Monate ins Ausland führt. Derzeit habe ich eine Beratungstätigkeit in Südafrika. Aber der Ort ist nur 210 Kilometer von meinem Zuhause entfernt, deshalb kann ich jedes Wochenende daheim sein.

Wie ist das Leben in Botswana?

Das Land liegt oberhalb von Südafrika zwischen Simbabwe und Namibia und ist ungefähr so groß wie Deutschland, hat allerdings nur etwa zwei Millionen Einwohner. Dafür gibt es viele Tiere. Ein Drittel des Landes besteht aus Nationalparks. In Botswana gibt es das berühmte Okawango-Delta und im Norden den Sambesi.

Lebt Ihre Familie auch in Afrika?

Mein Sohn hat eine Stahlbauer-Lehre in Brambauer absolviert und nach der Ausbildung keine Stelle bekommen. Er hat gefragt, ob er in meiner Firma arbeiten kann und ist nun vor zwei Jahren mit eingestiegen. Die 14 Tage, die wir in Deutschland sind, führt er das Geschäft. Meine Tochter ist bei der Bundeswehr und lebt in der Nähe von Husum, wir werden sie nächste Woche besuchen. Meine Tante lebt in Unna, bei ihr sind wir gerade zu Gast. Und mein älterer Bruder lebt in Mannheim, da fahren wir auch noch hin.

Wann waren Sie das letzte Mal in Deutschland?

Vor zweieinhalb Jahren. Meine Frau ist das erste Mal hier. Sie stammt aus Johannesburg in Südafrika, wir haben am 1. November 2015 geheiratet.

Was wollen Sie ihr alles zeigen?

Wir waren schon auf Cappenberg, da hat ihr das Schloss sehr gut gefallen. Geplant sind Besuche in Nordkirchen, wo ein sehr guter Freund von mir lebt und wir das Schloss sehen wollen, in Münster und von Mannheim aus geht es noch nach Heidelberg.

Tamsin Tetzner: Ich war begeistert von dem Cappenberger Schloss, von der Historie hier in Deutschland. Und freue mich darauf, das Rathaus in Münster zu sehen. Interessant finde ich auch die vielen Fahrradfahrer hier, das gibt es in meiner Heimat Südafrika gar nicht. Nur mein Vater erledigt alle Wege mit dem Rad.

Wo haben Sie als Kind und Jugendlicher gewohnt?

Zuerst hab ich in Cappenberg gewohnt, bin deshalb auch zwei Jahre lang zur Realschule Altlünen gegangen. Dann sind wir nach Nordkirchen umgezogen. Meine Ex-Frau kommt aus Alstedde und da hab ich dann auch mit meiner Familie zum Schluss gewohnt.

Wie groß ist die Stadt, in der Sie jetzt leben?

Palapye hat etwa 28.000 Einwohner und bekommt immer mehr Industrie. Gerade ist ein neues Kohlekraftwerk gebaut worden, die Mine ist direkt um die Ecke. Von Haustür zu Haustür meiner Tante in Unna brauchen wir übrigens zwischen 24 und 28 Stunden, je nachdem ob es einen Direktflug nach Frankfurt gibt. Aber die Zeitzone ist dieselbe wie in Botswana.

Haben Sie es je bereut, ausgewandert zu sein?

Nein. Ich liebe Deutschland, aber hier ist es schwierig, etwas Neues zu entwickeln auf aufzubauen. Da hat man in Botswana einfach mehr Möglichkeiten.

Wollen Sie die Staatsbürgerschaft von Botswana beantragen?

Nein, ich möchte meine deutsche Staatsbürgerschaft behalten und eine doppelte gibt es nicht. Ich werde aber eine „permanente Residenz“ beantragen, wenn ich zehn Jahre dort gelebt habe.

Tamsin Tetzner: Ich werde, wenn ich zehn Jahre dort gelebt habe, auf jeden Fall die Staatsangehörigkeit von Botswana beantragen. Ich fühle mich dort viel wohler und vor allem viel sicherer als in Südafrika.

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