Tempo 30 aus Lärmschutzgründen gilt in einigen Städten nur in den Nachtstunden. Warum ist das in Lünen nicht so? © picture alliance / dpa
Tempo 30

Warum gelten die neuen Tempolimits in Lünen nicht nur nachts?

Die neuen Tempo-30-Schilder auf sechs Lüner Hauptverkehrsstraßen erzürnen die Autofahrer. Eine Frage, die immer wieder kommt: Warum gelten die Tempolimits nicht nur nachts - wie andernorts?

Lüner Autofahrer und Pendler sind genervt. Stein des Anstoßes: Die neuen Tempo-30-Limits, die aus Lärmschutzgründen seit dem 4. Oktober auf sechs Hauptverkehrsstraßen in Lünen gelten und den Verkehr ausbremsen. Eine Frage, die verzweifelte Autofahrer im Internet immer wieder stellen: Warum gelten die Tempobeschränkungen nicht nur in den Abend- und Nachtstunden – so wie etwa in Kamen? Wir haben sowohl bei der hiesigen Stadtverwaltung, also auch in der Nachbarstadt nachgefragt.

Dabei ist es ein Trugschluss, dass es in Kamen keine ganztägigen Tempo-30-Abschnitte gibt. Man nehme zum Beispiel die Dortmunder Allee in Kamen. Auf einem rund ein Kilometer langen Teilstück zwischen der Unnaer Straße und der Südkamener Straße gilt aus Lärmschutzgründen 24 Stunden am Tag Tempo 30 – und das schon seit dem Jahr 2011.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Autofahrer das damals einhellig begrüßt haben. Heute ist es allerdings gelebte Realität“, sagt Kamens Stadtsprecher Rüdiger Büscher auf Anfrage. Außerdem gelte hier ein 24-Stunden-Fahrverbot für Fahrzeuge, die schwerer sind als 7,5 Tonnen. Durch die nahe gelegenen Industriegebiete Hemsack und Dortmunder Allee sei die Strecke sehr verkehrsbelastet gewesen.

Anders sei es hingegen im Falle der Lünener Straße. Hier gilt seit 2015 aus Lärmschutzgründen ebenfalls Tempo 30 – allerdings nur von 22 bis 6 Uhr nachts. „Auch hier hätten sich sowohl die Anwohner als auch die Kommune eine 24-Stunden-Regelung gewünscht. Das ließ sich aber nicht umsetzen“, erklärt Büscher.

Und das liegt daran, dass die Lünenener Straße auch bekannt ist als L654 – und somit eine Landesstraße ist. „Die Straße hat eine überörtliche Bedeutung. Deshalb konnte sie nicht komplett verkehrsberuhigt werden. Zusammen mit dem Landesstraßenbetrieb NRW wurde dann der Kompromiss einer Teilzeit-Tempobegrenzung eingegangen – in diesem Fall zwischen 22 und 6 Uhr“, so Büscher weiter.

Auf eine Anfrage an die Stadt Lünen, ob es nicht auch hier die Überlegung gab, die neu eingeführten Tempolimits auf der Borker Straße, der Cappenberger Straße, der Münster-, Bebel- und Viktoriastraße sowie auf der Königsheide nur auf die Nachtstunden zu begrenzen, verwies die Verwaltung auf die Ergebnisse verschiedener gutachterlicher Berechnungen.

Demnach sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass an allen sechs Straßenabschnitten in Lünen „grundsätzlich über 50 Prozent, teilweise sogar 90 Prozent der Betroffenen sowohl tags als auch nachts einer Lärmbelastung ausgesetzt waren, die über die gesundheitlich relevanten Grenzwerte hinaus gehen. Entsprechend wurde in Zusammenarbeit mit dem Gutachter entschieden, Tempo 30 ohne zeitliche Begrenzung verkehrsbehördlich zu überprüfen und schließlich anordnen zu lassen.“

Über den Autor
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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Marc-André Landsiedel