Einzelhandel, Wohnen, Öffentlicher Raum, Umwelt, Mobilität: Für fast alles gibt es in Lünen Masterpläne und Konzepte. Die beinhalten schöne Ideen, findet unser Autor. Mehr aber auch nicht.

Lünen

, 08.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Rund eine Milliarde Euro hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr für externe Berater ausgegeben. Die aktuelle Landesregierung in Nordrhein-Westfalen kommt im Schnitt auf 900.000 Euro pro Monat für externe Gutachten. Und auch die Stadt Lünen holt sich Expertise von außen - zum Beispiel beim Masterplan Einzelhandel, dessen Fortschreibung rund 40.000 Euro kostet, oder künftig beim Mobilitätskonzept, für das im Haushalt 2019 voraussichtlich 200.000 Euro vorgesehen sind.

Egal, auf welche Ebene man schaut: Das ist ziemlich viel Geld. Und die Frage, die sich daraus ergibt, ist die gleiche: Wozu hat man Regierungen, Parlamente und Gremien, in denen Verwaltungsangestellte und gewählte Politiker sitzen, wenn am Ende doch die Kanzleien und Wirtschaftsprüfer entscheiden, was in Bund, Ländern und Kommunen passiert?

Es muss nicht immer der Experte sein

Schon klar: Gerade auf kommunaler Ebene wie in Lünen sitzen ehrenamtliche Männer und Frauen im Rat, die das nebenbei machen und natürlich nicht Experten für alles sein können. Allerdings: Um festzustellen, woran es der Geschäftswelt in der Innenstadt krankt oder auf welche Ursachen die Staus zurückzuführen sind, muss man eigentlich kein Experte sein.

Was man allerdings sein muss: Bereit, Entscheidungen zu fällen. Die gerne auch mal um die Ecke gedacht sind. Die vielleicht bei einigen Menschen Unmut hervorrufen und womöglich Wählerstimmen kosten. Die aber am Ende die Stadt nach vorne bringen. Dummerweise wird solche Entscheidungsbereitschaft gerne durch persönliche Interessen oder parteipolitische Zügel behindert. Oder eben durch Masterpläne und Konzepte.

Wenn solche teuren Pläne vorgelegt werden, klopft man sich gerne auf die Schulter und erzählt der Öffentlichkeit: „Schaut mal, was wir hier Tolles geleistet haben.“ Tatsächlich haben die Damen und Herren gar nichts geleistet, außer Steuergelder auszugeben. Denn wenn ein Masterplan nach wieviel Monaten oder Jahren auch immer vorliegt, ist noch längst nichts passiert, außer dass sich die an sich schon schlechte Situation noch weiter verschlechtert hat.

Warum nicht einfach machen?

Und eine Garantie, dass der Masterplan funktioniert, gibt es auch nicht. Ja, es kann klappen. Es kann aber genauso gut schief gehen. Dann hat man sehr viel Geld ausgegeben, und kann gleich nochmal die doppelte Summe aufwenden, um den Scherbenhaufen zusammenzukehren.

Warum also nicht einfach machen? Scheitern ist so oder so möglich, aber man hätte wenigstens kein Gutachter-Geld verbrannt. Und wenn Politiker wie Verwaltungsmitarbeiter eines auszeichnet, dann doch wohl das Wissen um die Situation vor der Haustür. Dafür braucht es nun wirklich keinen Gutachter.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen. Unser Autor freut sich über Kommentare - entweder gleich unter diesem Artikel oder per E-Mail.
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