Wie SIBA-Chef Bernd Schwegmann Innovation und Tradition verbindet

rnSerie Familiensache

In die beruflichen Fußstapfen der Eltern treten - das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Doch in Lünen gibt es erfolgreiche Beispiele der Firmenübernahme. Wie Bernd Schwegmann.

Lünen

, 01.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Einen großen Schlüssel hatten die Auszubildenden des Sicherungsspezialisten SIBA in der Werkstatt hergestellt: Im Hansesaal überreichte ihn Bernd Schwegmann senior vor der gesamten Belegschaft an Bernd Schwegmann junior. Ein emotionaler und feierlicher Moment. Das war vor acht Jahren. Seitdem lenkt der Sohn in vierter Generation ein Familienunternehmen an der Borker Straße mit inzwischen 380 Beschäftigten.

Langer Einarbeitungsprozess

Als besonderen Schritt der Verantwortung hat der 47-Jährige seine neue Aufgabe damals nicht empfunden. Denn schon neun Jahre vorher war der studierte Betriebswirt in die Firma eingestiegen und teilte sich mit seinem Vater ein Büro.

Wie SIBA-Chef Bernd Schwegmann Innovation und Tradition verbindet

Bernd Schwegmann senior war 40 Jahre im Unternehmen tätig. Noch heute kommt er einmal pro Woche in die Firma. © THOMAS BEHRENDT

Der lange Einarbeitungsprozess sei gut gewesen, schrittweise sei immer mehr Verantwortung dazugekommen. Der Junior übernahm anfangs Rechnungswesen und Controlling. So verschaffte er sich einen guten Überblick. „Die Mitarbeiter haben es mir leicht gemacht“, erinnert er sich. Sie seien lange dabei, zuverlässig und kompetent. „Eine große Hilfe.“

Vier Jahre beruflich in Wiesbaden aktiv

Dabei hätte alles auch ganz anders kommen können. Denn ursprünglich hatte Bernd Schwegmann gar nicht vor, in Lünen zu arbeiten. Nach dem Studium in Münster reizte ihn in Wiesbaden der Bereich Finanzen und Kapitalanlage. Vier Jahre war er in Hessens Hauptstadt tätig. Seine drei Jahre jüngere Schwester studierte ebenfalls Betriebswirtschaft. Auch sie hatte die Option der Firmennachfolgerin. Doch als sie ihre Zukunft in Hamburg sah und der Vater bei ihm anfragte, da konnte sich Bernd Schwegmann den Weg ins Familienunternehmen durchaus vorstellen. Er kam zurück in die Heimat.

Teamgeist ist sein Credo. Vor zwei Jahren stieß er tiefgreifende Veränderungen in der Organisation an: Mehr Verantwortung auf mehr Schultern. „Mitarbeiter haben gute Ideen. Wir verschenken Potenzial, sie nicht zu nutzen.“ Mitdenken, auch mal Kritik üben, Bernd Schwegmann weiß, dass das nicht von heute auf morgen möglich ist. Doch es ist ein Lernprozess, den der Chef will. Mehr Schultern, das gilt auch für die Geschäftsleitung: Inzwischen ist Michael Schroer als zweiter Geschäftsführer dort tätig.

10.000 verschiedene Sicherungen

In den Anfängen 1946 recycelte das Unternehmen alte Bergbausicherungen. Heute werden weltweit über 5000 Kunden beliefert. 10.000 verschiedene Sicherungen verlassen die Produktionsstätte: von der kleinsten, die gerade mal einen halben Fingernagel misst und in Handys Verwendung findet, bis zur 9 Kilo schweren Hochspannungssicherung. Sie wird in Trafos von Überlandleitungen verbaut.

Wie SIBA-Chef Bernd Schwegmann Innovation und Tradition verbindet

Bernd Schwegmann senior in jungen Jahren vor einem Berg Akten. © SIBA

Massenware oder Standard ist nicht das Geschäft von SIBA. „Das können andere besser“, sagt der Chef. Der Fokus liegt auf Besonderheiten, auf individuellen Kundenwünschen, die SIBA erfüllt. Daher ist die Entwicklungsabteilung ein wichtiger Unternehmensbereich.

SIBA baut Sicherungen mit extrem niedrigen Stromstärken, beispielsweise für Pumpenhersteller. „Damit sind wir alleine am Markt.“ Batteriespeicher oder Photovoltaikanlagen haben ebenso SIBA-Sicherungen wie Ladesäulen für Elektroautos. Obwohl diese Technologie als innovativ gilt, enthält sie „ganz normale Sicherungen“, erklärt Schwegmann.

Breit aufstellen, was Mitarbeiter, Produkte und Kunden angeht, darauf setzt Schwegmann, um langfristig die Firma zu sichern. Was macht er anders als sein Vater? „SIBA ist seit langer Zeit ein erfolgreiches Unternehmen. Daher versuche ich die Stärken weiterzuführen und nichts zu ändern, wodurch SIBA groß geworden ist“, erklärt er. Dennoch leitete er eine schrittweise Anpassung an neue Gegebenheiten ein: Führungsstile, technische Möglichkeiten und Mitarbeiter änderten sich. Bernd Schwegmann ging nur Dinge an, „die uns auch besser machen“.

Information

Grundstein 1946 gelegt

Die SIBA Sicherungen GmbH&Co. KG ist ein Familienunternehmen. 1946 legte Carl Linz den Grundstein, 1964 übernahm Otto Linz die Geschäfte, die er am 1. Juni 1980 seinem Schwiegersohn Bernd Schwegmann übertrug. Seit acht Jahren ist Bernd Schwegmann junior in verantwortlicher Position.

Er hat in den letzten Jahren Investitionen im zweistelligen Millionenbereich auf dem Firmengelände angestoßen: Den Neubau für Fertigung und Administration. Demnächst geht die halbautomatische Lagerlogistik im neuen Hochregallager ans Netz. Fertigung, Auslieferung, Verpacken und Versand werden aufeinander abgestimmt. Der ganze Prozess ist neu strukturiert. „Der Kunde bestellt heute oft kurzfristig“, so Schwegmann. Liefertermine sind deshalb wichtig. Ohne Sicherungen können ganze Prozesse nicht geschaltet werden.

Zeit für die Familie

“Selbstständig sein bedeutet selbst und ständig“, ist ein geflügeltes Wort unter Unternehmern. Auch die 60-Stunden-Woche zählt dazu. Bernd Schwegmann kennt arbeitsreiche Zeiten, vor allem, wenn wichtige Messen anstehen. Und doch gibt es zwischendurch auch normale Phasen mit Zeit für seine Familie mit den beiden Töchtern (8 und 10) und sein Hobby Tennis.

Auch seine Schwester hat zwei Töchter (8 und 13). Ob die nächste Generation allerdings einmal für die Firmenübernahme zur Verfügung steht, „das ist noch viel zu früh, darüber nachzudenken“. Doch schön fände es Bernd Schwegmann schon, wenn sich die Familientradition fortsetzen ließe.

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