Lasst das Online-Shoppen sein und rettet endlich die Lüner Innenstadt!

rnMeinung am Mittwoch

Im Netz bestellen ist bequem, aber ein Desaster für den Einzelhandel in Lünen. Unsere Kolumnistin hält ein Plädoyer für die Innenstadt - und wirft Online-Händlern Ausbeutung vor.

von Maren Feldmann

Lünen

, 21.08.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Morgens bestellt und abends im Haus – so scheint der perfekte Bestellvorgang auszusehen. Einkaufen im Internet ist bei den meisten Menschen nicht mehr wegzudenken. Zwei Drittel der Deutschen shoppen online – Tendenz steigend.

Infolge der zunehmenden Digitalisierung und des greifenden Strukturwandels wächst der Onlinehandel dynamisch.

Lasst das Online-Shoppen sein und rettet endlich die Lüner Innenstadt!

Gastautorin Maren Feldmann. © Quiring-Lategahn

Gastautorin Maren Feldmann ist Geschäftsführerin von Küchen Schmidt

Zu allermeist wird die Kaufentscheidung zu einem erheblichen Teil von der Möglichkeit der kostenlosen Lieferung und Rückgabe abhängig gemacht.

Bis ein Pullover aus dem Online-Shop Einzug in den heimischen Kleiderschrank findet, hat er schon einige Kilometer hinter sich. Und viele Bestellungen sind nach kurzer Zeit wieder auf den Weg zurück zum Lager. Die Retourenquote gerade im Bekleidungsbereich ist besonders hoch.

Ausgebeutete Fahrer und überzogenen Arbeitsstunden

Der Online-Handel wird nicht mehr wegzudenken sein, das ist, glaube ich, allen Lesern und Leserinnen klar. Und dennoch sehe ich das Online-Shoppen absolut kritisch. Und mir geht es hierbei nicht nur um die steigende Anzahl der Lkw und Kleintransporter auf den Straßen, die dem wohl allen bekannten Klimawandel erheblichen Schaden zufügen. Oder der oftmaligen Ausbeutung der Fahrer und Lieferer mit überzogenen Arbeitsstunden zu Niedriglöhnen.

Sondern mir geht es hierbei auch um den Zerfall des örtlichen Einzelhandels. In den Innenstädten, gerade in den Städten ohne Anbindung an Ballungsräume, wächst der Leerstand der Geschäfte stetig. Je höher der Leerstand an Geschäfts- und Gastronomieangeboten, desto uninteressanter für die Bürger und die Bürgerinnen, diese zu besuchen und die noch letzten Angebote zu nutzen.

Die Abwärtsspirale ist vorprogrammiert. Und Innenstädte sollten doch Orte der Begegnung, des Austausches und der Identifikation sein. Hier finden Arbeiten, Wohnen, Bildung und Kultur sowie Freizeit statt.

Jeder sollte die Konsequenzen bedenken

Es sind nicht nur wir Lüner Einzelhändler dazu aufgerufen, sich den Herausforderungen des innerstädtischen Handels zustellen, sondern auch die Industrie, die Stadtverwaltung, die Immobilieneigentümer und die Bürger! Jeder, der am Sonntagabend bequem vom Sofa aus etwas online bestellen möchte, sollte einmal überlegen, ob er Gewünschtes nicht am Montag in seiner Stadt ebenfalls einkaufen könnte. Denn wir alle sind mit dafür verantwortlich, wie sich unsere Stadt entwickeln wird.

Und macht es nicht auch Sinn, die Bemühungen des Einzelhandels und der Stadt Lünen zu honorieren? Machen Moonlight-Shopping, verkaufsoffene Sonntage, Markttage, Stadtfeste, wie die bevorstehende Lünsche Mess, nicht viel mehr Freude, als der anonyme Mausklick?

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Hein Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“
Lesen Sie jetzt