Weiche Knie auf dem Turm

Wethmar Vielen wurden die Knie weich, wenn sie oben ankamen und so mancher hat kleinlaut den Rückweg über die Leiter genommen. Aber den «todesmutigen» Springern, denen waren die anerkennenden Blicke von der Liegewiese sicher.

11.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Ort dieses Geschehens war der mächtige Zehn-Meter Sprungturm, der bis 1980 das alte Freibad am Cappenberger See überragte. Gut besucht waren auch immer die vier Unterwasserfenster am benachbarten Schwimmerbecken, wo man das Gezappel unter Wasser beobachten konnte. Dazu gab es noch eine große Rutsche und alles zusammen war in eine großartige Badelandschaft eingebettet.

Doch trotz all dieser Attraktionen sollte das Bad einem Neubau weichen, denn es war in die Jahre gekommen, so jedenfalls hatten es die Verantwortlichen bei der Stadt Lünen 1979 beschlossen. 1953 hatte die Gemeinde Altlünen den Grund am Cappenberger See erworben und drei Jahre später sprangen die ersten Badegäste ins noch unbeheizte Nass.

Badelandschaft

Mit Eifer und Hochdruck begannen nun die Ausschüsse zu tagen, um so eine Vorstellung und Detailplanung der neuen Badelandschaft zu bekommen. Sprungturm nein, Wellenbad ja, Schwimmerbecken drehen, «Suhle» für Kleinkinder, Planungen, Planungen, Planungen....Und das alles unter Berücksichtigung der noch zu erwartenden Bergsenkungen von bis zu 1,5 Metern durch den Kohleabbau auf der Schachtanlage Haus Aden. Unter dem Strich kam für das Mammut-Schönheitsprogramm ein Sümmchen von 12,4 Millionen DM heraus. Das veranlasste SPD Ratsherrn Wolfgang Mowinkel zu dem Vorschlag, das große Becken im Winter als Eisbahn zu benutzen, um so weitere Einnahmen zu erzielen. Beigeordneter Siegfried Hölzer lehnte dies aber als zu teuer ab.

Schlussendlich stand der Plan und das alte Bad machte vorzeitig in der Sommersaison 1980 dicht. Es begann der Abriss. Von dem neuen Bad gab es nun Pläne und Modelle, hergestellt von dem beauftragten Architekturbüro Walentowitz. Gestritten wurde nur noch über die Form der Wasserrutsche: Turm- oder Erdrutsche waren im Angebot. 27 000 DM weniger sprachen schließlich für das, was heute am Cappenberger See steht: die Erdrutsche.

Das Wetter 1981 war den Bauleuten nicht gerade hold bei den vielen Erdbewegungen, die zu machen waren. Doch beim ersten Spatenstich durch Bürgermeister Hans Werner Harzer am 21.10.1980 wurde den Lünern versprochen, dass die neue Anlage zum 15. Mai 1982 fertig sein soll.

Es wurde aber dann doch der 6. Juli 1982 bis die Lüner mit freiem Eintritt und einem Tag der offenen Tür ihren Cappenberger See wieder erobern durften. Am Tag darauf dann die große Feier mit Wasserballett, Wettschwimmen, Wasserballspiel und aller Prominenz. In jetzt strahlendem Sonnenschein wünschten Sportdezernent Siegfried Hölzner, Baudezernent Adolf Bläser, Stadtdirektor Dr. Siegfried Heuser und die Bürgermeister Herbert Eppen und Rosel Schmidt den Besuchern der «11 Millionen Badewanne» immer viel Spaß, viel Sonne und gute Erholung.

Lüner Heide

An diesem freudigen Tag wurde auch daran erinnert, dass dieses erste Schwimmbad, das Ende Juli 1956 seine Tore öffnete als eines der schönsten Bäder in Europa anzusehen sei, weil es von einem Gartenbauarchitekten in die Landschaft am Rande der Lüner Heide geplant worden sei. Wie das neue Schwimmbad als Bestandteil einer regionalen Naherholungsanlage sich entwickeln würde, müsse man abwarten.

Ihren Ursprung hat diese herausragende Badestelle dem Umstand zu verdanken, dass 1919 große Mengen Erdreich für den Bahndamm Lünen-Münster gebraucht wurde. So entstand hier in der Gemeinde Altlünen eine großes Erdloch, das sich mit Wasser füllte.

In den 30er Jahren entstand in dem schmalen Arm des großen Sees das erste Naturschwimmbad, mit Badesteg und Umkleidekabinen ausgestattet. Älteren Lünern mag besonders das Kassenhäuschen in Erinnerung sein, das auf der Durchfahrt zum heutigen Bad seinen Platz hatte. Gold

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