Welschenkamp: Besitzer plant große Blühwiesen, noch gibt‘s aber Streit um Pacht-Kündigung

rnDebatte um Gewerbegebiet

Immobilienmakler Dieter Kuhne hat große Teile des Welschenkamp-Naturschutzgebietes gekauft. Gewerbe dort sieht er kritisch. Selbst bewirtschaften kann er noch nicht - es gibt Rechtsstreit.

Lünen

, 27.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Lange war es ruhig um das Naturschutzgebiet Welschenkamp, die 82 Hektar große Fläche ist 2007 nach langen Diskussionen unter besonderen Schutz gestellt worden. Schon damals gab es Diskussionen: Sollte dort nicht lieber ein Gewerbegebiet wertvolle Arbeitsplätze schaffen? Die Entscheidung fiel dagegen, auch wegen wichtiger Biotope, naturnaher Bäche und vieler wildlebender Tier- und Pflanzenarten.

Im Frühjahr 2019 flammte die Diskussion wieder auf, nachdem die Politik eine Stellungnahme zum Regionalplan verabschiedet hatte. Dabei ging es auch um die zukünftige Ausweisung von Gewerbeflächen. Unter anderem heißt es dort: „Mögliche Standorte, die jetzt näher untersucht werden sollen, sind Welschenkamp entlang der B54 (ca. 10 ha) und Erlensundern an der BAB A2 (>10 ha).“

Seit 2007 hat sich jedoch einiges geändert. Große Teile des Naturschutzgebietes, unter anderem die für Gewerbe wichtigen Quadratmeter zur B54 hin, haben den Besitzer gewechselt. Bis Januar 2018 gehörte das Gebiet einer RWE-Tochter, der Gesellschaft für Vermögensverwaltung (GfV) mit Sitz in Dortmund. Dann hat der Lüner Immobilienmakler Dieter Kuhne der GfV rund 100 Hektar Land nach eigenen Angaben „für eine Millionensumme“ abgekauft. Darunter viele Waldflächen. Und eben das Naturschutzgebiet Welschenkamp.

Kuhne gibt auf Anfrage an, kein eigenes Interesse an einem Gewerbegebiet dort zu haben. Er hat andere Pläne: „Ich will dort schwerpunktmäßig Blühflächen pflanzen und ordne die Landwirtschaft dem Naturschutz unter“, sagt er. Das soll sich über Sponsoring rechnen. Kuhne, der nicht nur Makler, sondern auch Landwirt und Jäger ist, hat ein ehrgeiziges Ziel. Er will dem Rebhuhn, das hier so gut wie ausgestorben ist, einen Lebensraum schaffen.

Ein kleineres Gewerbegebiet an der B54, zwischen Kleingartenanlage, und Kanal, stünde dem möglicherweise aber gar nicht entgegen. „Wenn das sauber eingefriedet wird, könnte das zur Beruhigung des Naturschutzgebietes beitragen“, sagt er. Voraussetzung wäre für ihn, „dass die wesentlichen Elemente des Gebietes“ unangetastet bleiben - und er Ausgleichsflächen erhält.

In jedem Falle kann Kuhne wohl ein Gewerbegebiet nicht gänzlich verhindern: „Wenn es um gewerbliche Planung geht, sitzt die GfV wieder mit am Tisch“, sagt er. Es gebe für diesen Fall eine Art Rückkaufregelung im Vertrag.

Ob Kuhne seine Pläne überhaupt verwirklichen kann, hängt auch von einem Gerichtstermin am 10. Mai ab. Wie das Amtsgericht Kamen - für landwirtschaftliche Belange auch in Lünen zuständig - bestätigt, wird dann eine Klage auf Herausgabe der Pachtfläche verhandelt. Kläger ist die GfV, die hatte dem bisherigen Pächter, Bio-Landwirt Axel Fischer-Neuhoff, gekündigt. Der Landwirt aber widersprach der Kündigung und blieb.

Welschenkamp: Besitzer plant große Blühwiesen, noch gibt‘s aber Streit um Pacht-Kündigung

Blick ins Naturschutzgebiet Welschenkamp. © Fröhling

„Ich würde dort die Hälfte meiner Betriebsflächen und das Hofgebäude verlieren“, sagt er. Er habe Kinder, die den Betrieb übernehmen wollen und sei deshalb auf die Flächen angewiesen.

Das Gericht wird laut Amtsgerichtsdirektor Martin Vervoort prüfen, ob die Kündigung wirksam war. Es sei denn, beide Parteien einigen sich vorher. Ein GfV-Sprecher sagt, dass man genau das momentan versuche: „Wir wollen das gütlich über die Bühne bringen.“ Landwirt Fischer-Neuhoff gibt an, er sehe dem Gerichtsverfahren optimistisch entgegen.

Wie geht es am Welschenkamp also weiter? Blühflächen, Biolandwirtschaft, Gewerbe? Das ist derzeit offenbar unklarer denn je.

Lesen Sie jetzt