Welschenkamp: Gericht sagt, dass Landwirt die Äcker räumen muss - der geht in Berufung

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Die Besitzverhältnisse am Welschenkamp sind weiter ungeklärt. Eine RWE-Tochter hatte dem Pächter, einem Lüner Landwirt, gekündigt. Der ging aber nicht. Jetzt hat ein Gericht entschieden.

Lünen

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie geht‘s weiter im Naturschutzgebiet Welschenkamp? Wie berichtet, hat die Politik die Fläche aus der Liste genommen, die grundsätzlich für die Nutzung als Gewerbegebiet überprüft werden sollte.
Weiter unklar ist aber, ob Landwirt und Immobilienmakler Dieter Kuhne dort bald seine Pläne umsetzen kann: Landwirtschaft und viele Blühstreifen für Insekten. Denn erstens ist er noch gar nicht Besitzer. Und zweitens läuft noch ein Rechtsstreit mit dem jetzigen Pächter der Fläche, Landwirt Axel Fischer-Neuhoff.

Dem war vom bisherigen Besitzer, der RWE-Tochter GfV (Gesellschaft für Vermögensverwaltung) gekündigt worden. Fischer-Neuhoff aber blieb und stritt darum, auf den Äckern bleiben zu dürfen. In erster Instanz verlor er vor dem Amtsgericht in Kamen.

„Der Beklagte ist zur Herausgabe der gepachteten Fläche an die Klägerin verurteilt worden“, sagt Martin Vervoort, Direktor des Amtsgerichts. Die Kündigung der GfV sei entgegen der Anführungen von Axel Fischer-Neuhoff wirksam gewesen, heißt es weiter. Das Urteil datiert vom 13. Juni.

Fischer-Neuhoff will Berufung beim Oberlandesgericht in Hamm einlegen. „Wir haben sechs Zeugen dafür, dass dieser Pachtvertrag sittenwidrig ist“, sagt er. Er könne nicht verstehen, dass das Gericht das anders bewertet.

Es sei außerdem nicht zumutbar, dass ein Landwirt innerhalb von drei Monaten nach Kündigung von den Feldern müsse. Genau so stehe es aber im Vertrag. Fischer-Neuhoff würde so nach eigenen Angaben rund die Hälfte seiner Ackerfläche einbüßen.

„Abwicklung hat sich gezogen“

Fischer-Neuhoff berichtet auch, dass im Prozess deutlich geworden sei, dass Dieter Kuhne noch gar nicht Besitzer der Fläche sei. Das bestätigt dessen Sohn David Kuhne: „Wir sind noch in der Abwicklung. Das hat sich gezogen, weil die Fläche wegen Straßen.NRW noch geteilt worden ist.“

Hintergrund sind die anstehenden Ausbauarbeiten an der B54. Weil die Straße breiter wird, geht Ackerfläche verloren. „Das ist jetzt aber so weit durch und wird dann kurzfristig endgültig abgewickelt.“ Dieter Kuhne hatte zuvor gesagt, für die Fläche „eine Millionensumme“ zu investieren.

Kuhne selbst hatte angegeben, kein Interesse an einem Gewerbegebiet am Welschenkamp zu haben. Er wolle dort Blühflächen pflanzen, ordne auch die Landwirtschaft dem Naturschutz unter. Das Ganze solle sich unter anderem über Sponsoring rechnen.

Ein weiteres Ziel: Kuhne will im Welschenkamp dem Rebhuhn neuen Lebensraum schaffen. Er ist nicht nur Landwirt und Makler - sondern auch Jäger.

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