Welten verschmelzen bei Pokémon-Jagd in Lünen

Hype um Smartphone-Spiel

Der Hype um das Handy-Spiel Pokémon Go ist ungebrochen. Auch Lünen haben die Fantasiewesen aus dem gleichnamigen Videospiel erobert. Immer mehr Pokémon-Trainer streifen auf der Suche nach den Monstern durch die Straßen und Parks. Unsere Praktikantin Marie Stelter hat den Selbstversuch gestartet.

LÜNEN

von Marie Stelter

, 18.07.2016, 12:58 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die wichtigen Pokébälle gibt es beispielsweise am "Grab von Potthoff" im Tobiaspark (mitte). Die zu fangenden Monster tauchen überall auf: Hier im Burger-Tempel (links) oder am Schreibtisch (rechts).

Die wichtigen Pokébälle gibt es beispielsweise am "Grab von Potthoff" im Tobiaspark (mitte). Die zu fangenden Monster tauchen überall auf: Hier im Burger-Tempel (links) oder am Schreibtisch (rechts).

Es hat mich gepackt, das Pokémon-Go-Fieber. So wie viele andere in Lünen. Ich will mir selbst ein Bild von diesem neuen Trend machen, der eine erweiterte Realität als Spieleumgebung nutzt: Die Pokémons (aus dem Englischen von Pocket monster – Taschenmonster) erscheinen auf dem Display meines Mobiltelefons, meine Umgebung wird per Handykamera aufgenommen - und dann wird beides miteinander verbunden.

Dabei ist das Prinzip gar nicht neu: Die App lehnt sich an den Videospiele-Klassiker Pokémon aus dem Jahr 1996 an. Den habe ich damals heiß geliebt und auf meinem Gameboy gespielt. Die Umsetzung fürs Handy ist aber völlig anders: Die Spieler – Trainer genannt – müssen jetzt die kleinen Monster finden, fangen und zähmen.

Die Pokébälle, die zum Fangen und Verstauen der kleinen Wesen benötigt werden, muss der Trainer ebenfalls finden. Der Clou: Dank GPS bewegt sich der Spieler dabei in der realen Welt. Das Ganze hat den Charme einer Schnitzeljagd – aber mit moderner Technik. Ich beschließe, mich als Trainer zu versuchen.

Welten verschmelzen

Nach dem Herunterladen der App werde ich aufgefordert, auf meine Umgebung zu achten. Was das genau heißt, soll ich später noch erfahren. Ich mache mich auf den Weg und tauche in die virtuelle Welt ein, die schnell mit der Wirklichkeit verschmilzt: Ich erkenne mich als kleinen Avatar auf dem Handy-Display. Der hüpft die Straßen Lünens entlang.

Es dauert nicht lange, bis ich das erste Pokémon finde. Aus Sorge, das Mini-Monster könne sofort wieder verschwinden, tippe ich wild auf dem Display herum. Gar nicht so einfach: Das Monster versteckt sich ausgerechnet in einem Kinderwagen. Spreche ich die Mutter an, die mit dem Nachwuchs unterwegs ist? „Ihr Kind hat da ein Pokémon im Wagen!“ Möglicherweise erklärt sie mich dann für verrückt. Ich hoffe daher, dass noch weitere Monster meinen Weg kreuzen werden.

Im Tobiaspark findet man Pokémon und andere Spieler 

Schneller als gedacht kommt mir das nächste Monster am Rand des Tobiasparks in die Quere. Ausgerechnet bei einem der dort aufgestellten Grabsteine handelt es sich um einen Pokéstop, wo die Trainer die fürs Spiel wichtigen Pokébälle finden. Ob solche Orte passend sind? Keine Zeit, darüber nachzudenken: Stattdessen freue ich mich darüber, dass ich jetzt eine Spielebene aufgestiegen bin.

Im Park treffe ich einige andere Trainer – erkennbar an starren Blicken, die auf die Handydisplays gerichtet sind. Ich grüße kurz und erhalte ein Nicken mit dem Kopf als Antwort. Wer am schnellsten ist, bekommt das Pokémon zuerst. 

Im Spiel versunken

Ich stelle fest, wie ich immer weiter im Spiel versinke: Von meiner wirklichen Umgebung bekomme ich kaum noch etwas mit. Als ein wildes „Schiggy“ (jedes der zahlreichen Pokémons trägt einen eigenen Namen) vor mir mitten auf der Kurt-Schumacher-Straße auftaucht, müsste ich mich schon überfahren lassen, um es schnappen zu können.

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Während einer kurzen Jagd-Pause zurück im Tobiaspark wird mir das Ausmaß des Pokémon-Go-Hypes klar: Ich begegne in nur einer halben Stunde rund 20 Trainern, die alle eifrig nach den Mini-Monstern suchen. Einige sind Schüler. Sie erzählen mir, dass sie jetzt in der Ferienzeit oft bis zu drei Stunden täglich als Pokémon-Jäger unterwegs sind – auf Friedhöfen, in Geschäften und auf Feldern.

Manche fahren sogar mit dem Fahrrad umher und schielen währenddessen aufs Mobiltelefon. Dann bremsen sie plötzlich, nur weil sie ein Pokémon erblickt haben. Viele Passanten irritiert das.

Ein geselliges Spiel mit Bewegung an der frischen Luft

Das Fazit vieler Trainer: Pokémon Go verknüpft für sie das Spielgefühl von damals mit viel Bewegung an der frischen Luft und dem Bewusstsein, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Schließlich kommen die Spieler mit Gleichgesinnten ins Gespräch, die sie sonst wohl kaum angesprochen hätten. Das kann auch ich bestätigen. Schließlich steckt im modernen Menschen noch immer das, was schon unsere Vorfahren umtrieb: Jäger und Sammler zu sein.

Immer nur Smalltalk übers Wetter wird irgendwann auch langweilig. Jetzt kann ich endlich damit prahlen, welches Pokémon ich in Nachbars Garten geschnappt habe. Das tun alle anderen auch. Ein anstrengender Jagdtag geht zu Ende. In der virtuellen Welt erhalte ich nun eine digitale Medaille für meine 30 gefangenen Pokémons. Ich ertappe mich dabei, durchaus stolz auf meine Fähigkeiten als Trainer zu sein.

Die Monster-Jagd fesselt und lenkt ab

Zugegeben: Das Pokémon-Go-Fieber hat nach diesem spannenden Tag auch mich gepackt. Doch gänzlich ungefährlich ist das Spiel nicht. Sich allzu sehr darin zu vertiefen, davor sei gewarnt. Unglücklich gewählt sind auch manche Stationen für Pokéstops, beispielsweise Friedhöfe oder Privatgrundstücke.

Fest steht: Pokémon Go lockt Videospiel-Fans von der Couch und Stubenhocker nach draußen und sorgt bei den Beteiligten für gesunde Bewegung. Meinen ersten Spieltag habe ich jedenfalls unfallfrei überstanden und dabei ein paar Kilometer an der frischen Luft zurückgelegt. Das viele Herumlaufen habe ich nicht einmal gemerkt – vieles um mich herum aber auch nicht. Ich bin von Pokémon Go fasziniert. In der Redaktion erwartet mich bestimmt schon das nächste Monster, das es noch zu fangen gilt.

So läuft die Jagd nach den Mini-Monstern in anderen Städten der Region:

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