Weniger Manager, mehr Seelsorger: Verwaltungsleiter entlastet Pfarrer

rnPastoraler Raum

Ob Bauen oder Finanzen: Ein Pfarrer ist Manager und Seelsorger. Mehr Zeit für die Gemeinde wird jetzt Pfarrer Dr. Thomas Roddey haben. Ihn entlastet ein Verwaltungsleiter: „Er ist Gold wert“.

Lünen

, 27.07.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht nur sein Name stimmt den Pfarrer selig: Sven Seliger (32) ist seit 1. Juli neuer Verwaltungsleiter im Pastoralen Raum Lünen. Der studierte Wirtschaftsfachwirt nimmt dem leitenden Pfarrer Dr. Thomas Roddey all die organisatorischen Aufgaben ab, die mit Finanzen, Personalplanung oder Bauorganisation zu tun haben. Wurde bisher der Pfarrer für eine defekte Heizung in den 21 kircheneigenen Immobilien angerufen, wird das künftig Sven Seliger klären. Thomas Roddey hat dann wieder mehr Zeit für seine eigentliche Aufgabe: sich um Menschen kümmern und neue Wege zu finden, sie zu erreichen. „Ich freue mich darauf“, sagt Roddey.

Der Pastorale Raum Lünen umfasst sieben Kirchen mit den fünf selbstständigen Pfarreien Herr Jesu Lünen, Heilige Familie Lünen-Süd, Herz Mariä Horstmar, Herz Jesu Brambauer und St. Barbara Brambauer. Dazu gehören 18.000 Gemeindemitglieder. Das bedeutet jede Menge Arbeit. Für die katholischen Kitas ist Sven Seliger nicht zuständig, dafür aber für Kirchenmusiker, Küster, Reinigungskräfte und Gärtner.

Nicht-Theologe im Pastoralen Team

Der 32-Jährige gehört jetzt als einziger Nicht-Theologe ins Pastoralen Team. „Er muss nicht beten können, er muss rechnen können“, scherzt Roddey. Sven Seliger arbeitet in einem Beruf, den es im Erzbistum Paderborn seit Januar gibt: Er ist Chef der Verwaltung. Für den Pfarrer bedeutet das Unterstützung. Aber auch „weniger Macht“, wie Roddey sagt. „Der Pfarrer gibt Kontrolle ab, er weiß nicht mehr alles.“ Es ist eine neue Rolle, die es zu definieren gilt. Ein Coach hilft dabei. 88 Pastorale Räumen gibt es im Erzbistum Paderborn. Ziel sei es, künftig alle mit Verwaltungsleitern zu besetzen. Bei etwa einem Viertel ist das bereits der Fall. Auch Frauen sind dort tätig.

Chef bleibt der Pfarrer, der Verwaltungsleiter ist seine rechte Hand. Die Kirchenvorstände sind nach wie vor die Entscheidungsgremien vor Ort mit eigenem Etat. Man kann das Modell mit Aufsichtsrat und Geschäftsführer vergleichen, wobei der Pfarrer der Aufsichsratsvorsitzende wäre.

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Sven Seliger hat die Finanzen von rund 1 Million Euro im Blick. Er ist Ansprechpartner für Kirchenvorstände, Architekten und Baufirmen. Auf ein Großprojekt blickt er direkt von seinem Büro an der Lange Straße aus: Es ist die Renovierung der Herz-Jesu-Kirche. Zwei Millionen Euro sollen in die Instandhaltung fließen.

Nach der Ausbildung ein Studium

Auf seine Arbeit hat sich der 32-jährige Dortmunder gründlich vorbereitet. Nach dem Fachabitur absolvierte er eine Ausbildung zum Bürokaufmann bei der Landesbausparkasse der Sparkassen. Zwei Jahre war er als Bauspar- und Finanzexperte im Außendienst tätig. 2012 wechselte Seliger zum Gemeindeverband Dortmund und mit Schwerpunkt Personal, Finanzen und Buchhaltung. Er arbeitete im Pastoralen Raum Herne, wo er die Fusion von zehn Gemeinden begleitete. Nach einem Studium zum Wirtschaftsfachwirt kam er nach Lünen. Zurzeit sattelt Sven Seliger noch ein Studium zum Bertriebswirt drauf.

„Ich bin gut aufgenommen worden, der Pfarrer hat mir den Einstieg leicht gemacht“, freut sich Sven Seliger über die ersten Wochen in Lünen.

Hobbys Kochen und Rad fahren

In seiner Freizeit fotografiert und kocht er gerne. Er liebt Rad fahren und Wandern. Eigentlich verbringt der 32-Jährige seine Ferien vielfach in Kroatien, woher seine Mutter stammt. Doch in diesem Jahr ist das durch die Corona-Krise nicht der Fall. Mit seiner Partnerin lebt Sven Seliger in Dortmund, kann sich aber auch vorstellen, nach Lünen zu ziehen.

Dass er katholisch ist, gilt als Voraussetzung für seine Aufgabe. Weil er dann die kirchlichen Strukturen besser kennt.

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