Wie geht es weiter im Bistum Münster? Erste Vorschläge zur Umstrukturierung sind jetzt vorgestellt worden. Jetzt soll auch in den Gemeinden diskutiert und mitgestaltet werden. © Bistum Münster
Bistum Münster

Weniger Mitglieder: Neue Struktur für katholische Kirche in der Krise

Die katholische Kirche im Bistum Münster stellt sich neu auf. Das betrifft in Lünen die Gemeinde St. Marien, zusammen mit Gemeinden in Selm und Werne. Fusionen sind nicht geplant.

„Pastorale Strukturen müssen so gestaltet sein, dass die Verkündigung der Frohen Botschaft in Zukunft unter deutlich veränderten Rahmenbedingungen weiter gut möglich sein wird.“ Mit diesen Worten wendete sich Weihbischof Dr. Stefan Zekorn am Montag (27.9.) an rund 100 hauptamtliche Mitarbeitende und ehrenamtliche Engagierte in der Aula des St.-Pius-Gymnasiums in Coesfeld.

Wenig überraschend: Im Kreisdekanat Coesfeld werden in den kommenden Jahren Umstrukturierungen notwendig sein. Die betreffen auch die Großgemeinde St. Marien in Lünen, St. Christophorus in Werne, St. Johannes Evangelist (Cappenberg) und St. Ludger in Selm, die dem Dekanat Werne angehören. Gibt es im Kreisdekanat heute noch rund 170.000 Katholiken, so werden es nach Einschätzung des Bistums Münster in 20 Jahren nur noch 119.000 sein.

Weniger Einnahmen aus Kirchensteuern

Im kirchlichen Leben, etwa bei den Gottesdienstbesuchern, Taufen oder Eheschließungen hat es in den vergangenen Jahren deutliche Rückgänge gegeben. „Und die finanziellen Mittel, die dem Bistum insbesondere über

Einnahmen aus der Kirchensteuer zur Verfügung stehen, werden in Zukunft spürbar geringer ausfallen“, so die Einschätzung des Bistums.

Auch der Blick auf die personelle Lage sieht alles andere als rosig aus. Aktuell gibt es 1370 Seelsorgerinnen und Seelsorger. Bis 2040 werden es nur noch 500 bis 550 sein. Diesen beiden Entwicklungen will das Bistum mit neuen Strukturen begegnen – allerdings nicht mit weiteren Fusionen von Pfarreien.

Claus Themann wird als Pfarrer in der Gemeinde St. Ludger in Selm, aber auch als Dechant des Dekanats Werne, in den kommenden Jahren viele Gespräche über die Umstrukturierung im Kreisdekant Coesfeld führen.
Claus Themann wird als Pfarrer in der Gemeinde St. Ludger in Selm, aber auch als Dechant des Dekanats Werne, in den kommenden Jahren viele Gespräche über die Umstrukturierung im Kreisdekant Coesfeld führen. © Beate Dorn (A) © Beate Dorn (A)

„Pastorale Räume“ sollen Zukunft sein

Vor allen diesen Hintergründen sei die Überzeugung gewachsen, dass es im Bistum neue sogenannte „Pastorale Räume“ geben müsse. Eine Art Weiterentwicklung von Dekanaten.

Aktuell setzt sich das Kreisdekanat Coesfeld zusammen aus den drei Dekanaten Coesfeld/Dülmen, Lüdinghausen und Werne. Der Dechant als Vertreter des Bischofs im jeweiligen Dekanat ist Sprecher des Dekanates beim Bischof und Repräsentant der Kirche gegenüber außerkirchlichen Stellen innerhalb seines Dekanates. Claus Themann, Pfarrer in St. Ludger Selm, ist bis September 2026 Dechant im Dekanat Werne.

Noch ist offen, welche konkreten Aufgaben ein Pastoraler Raum am Ende übernehmen wird. „Es ist noch nichts festgezurrt. Es ist ein Vorschlag“, sagt Themann am Dienstag (28.9.) auf Anfrage unserer Redaktion. Teil des Vorschlags aus dem Kreisdekanat: Ein Pastoraler Raum soll dabei Lünen-Werne-Selm umfassen.

Michael Mombauer, Leitender Pfarrer St. Marien, macht sich Gedanken, angesichts der noch nicht besetzten Pfarrstelle. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

„Der Abend war keine Überraschung“, sagt auch Michael Mombauer, Pfarrer in St. Marien in Lünen. „Wir werden nicht darum herum kommen, deutlich mehr über die Gemeindegrenzen hinaus zu zusammenzuarbeiten.“ Umso wichtiger sei es jetzt mit dem Prozess zu beginnen, schließlich handele es sich um einen Arbeitsauftrag für die nächsten 20 Jahre. Viele Fragen sind auch von Bistumsseite noch offen.

Keine Fusionen von Gemeinden geplant

Die Pastoralen Räume werden laut Generalvikar Winterkamp nicht Pfarreien, Gemeinden, Einrichtungen oder Verbände ersetzen. Die Präsenz der pastoralen Arbeit in der Fläche soll so weit wie möglich gewährleistet bleiben. Zugleich wird die Seelsorge in größeren Einheiten gestaltet werden müssen.

Bis Frühjahr 2023 sollen die Vorschläge jetzt weiter erarbeitet werden. „Wir sollen das jetzt auch mit den Pfarreiräten und den Seelsorgern beraten“, erklärt Themann. Ein Pastoraler Raum müsse dabei auch keine rein rechtliche Größe sein, „vielleicht eher eine inhaltliche.“ Es gehe jetzt auch darum, wie Kirche in Zukunft gestaltet wird.

Dass das Bistum Fusionen von Gemeinden nicht auferlegen werde, müsse laut Themann zwar nicht heißen, dass solche Schritte nicht möglich seien. Konkrete Überlegungen in diese Richtung, das betont der Dechant, gibt es bislang nicht.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus