Gabriele May und Diana Weichert helfen, entlaufene Tiere in Lünen wieder nach Hause zu bringen. Doch die Unbedarftheit mancher Tierhalter erschwert ihnen das.

Lünen

, 23.08.2020, 18:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Was ist zu tun, wenn mir ein Hund oder eine Katze zuläuft? Viele Tier-Finder steuern zuerst das Tierheim an. Dort kann das Tier bleiben, bis der Besitzer gefunden ist. Für das Tier ist das jedoch nicht die angenehmste Variante, denn vor allem bei einem Aufenthalt über Nacht fühlt sich das Tier schnell verunsichert und einsam. Die vielen neuen Geräusche und Gerüche führen dazu, dass sich das Tier nur schwer entspannen kann.

Um Hunden und Katzen das Tierheim zu ersparen, sind zwei Lünerinnen ehrenamtlich im Einsatz. Gabriele May und Diana Weichert haben sich ein Chip-Lesegerät zugelegt, mithilfe dessen man theoretisch leicht den Halter der gefundenen Tiere ermitteln könnte. Das Problem: Die meisten Tiere sind zwar gechipt, aber in keiner Datenbank registriert.

Chip-Pflicht für Freigängerkatzen, aber keine Registrationspflicht

Seit einigen Jahren ist es möglich, seinen Haustieren vom Tierarzt einen Mikrochip einpflanzen zu lassen. Der ist winzig klein und wird meistens im Nacken des Tieres eingebracht. Liest man den Chip mit einem speziellen Gerät aus, kann man im besten Falle den Halter des Tieres ausfindig machen. In der Datenbank „Tasso“ können Tierbesitzer ihre persönlichen Daten, die Daten des Tieres und die Chipnummer angeben. So findet das Tier schnell zurück nach Hause.

„Es gibt eine Chip- und Kastrationspflicht für Freigängerkatzen im Kreis Unna. Viele lassen ihre Katzen und Hunde chippen und denken, das Tier wäre dann automatisch angemeldet. Aber man muss sich selber bei einem Register wie Tasso anmelden - das ist kostenlos“, sagt Gabriele May.

Der Microchip ist winzig klein und wird vom Tierarzt eingesetzt. Für Freigängerkatzen besteht im Kreis Unna eine Chip- und Kastrationspflicht, doch nur wenige Katzen sind tatsächlich registriert.

Der Microchip ist winzig klein und wird vom Tierarzt eingesetzt. Für Freigängerkatzen besteht im Kreis Unna eine Chip- und Kastrationspflicht, doch nur wenige Katzen sind tatsächlich registriert. © picture-alliance / dpa/dpaweb

„Das ist in etwa so, als würde man sich ein Autokennzeichen besorgen, aber das Auto mit dem Kennzeichen nicht anmelden“, beschreibt es die Ehrenamtliche. Etwa 70 Prozent der Chips, die sie ausliest, seien nicht registriert und somit könne der Besitzer nicht sofort ausfindig gemacht werden. In manchen Fällen liegt eine Registrierung vor, aber das Tier hat seitdem sein Zuhause gewechselt und wurde nicht auf den neuen Besitzer umgemeldet.

Zuerst die Polizei verständigen

Wenn ein entlaufenes Haustier von aufmerksamen Menschen gefunden wird, sind Gabriele May und Diana Weichert zur Stelle. Mit ihren Chip-Lesegeräten versuchen sie, den Besitzer ausfindig zu machen, damit dem Tier der Weg ins Tierheim erspart bleibt. Häufig können die Tiere auch bei den beiden oder beim Finder übernachten, um zur Ruhe zu kommen.

„Zuerst sollte man die Polizei verständigen. Die nimmt auf, dass das Tier gefunden wurde. Möchte man das Tier mit nach Hause nehmen, sollte man sich das von der Polizei genehmigen lassen - meistens haben die aber kein Problem damit“, sagt May. Dann kommen die beiden Ehrenamtlichen ins Spiel: Über Facebook sind die beiden zu erreichen. Häufig sind sie in den örtlichen Facebook-Gruppen unterwegs und schreiben gezielt Tier-Finder an, die ihren Fund posten.

Suche in sozialen Netzwerken

Einer der beiden Tierfreunde macht sich, wenn ein freilaufendes Tier gesichtet wurde, auf den Weg, um den Chip auszulesen. Sie informiert die Datenbank Tasso und das Tierheim - denn häufig fragen dort besorgte Tierbesitzer zuerst nach, ob das Tier abgegeben wurde. Ist das Tier registriert, hat es gute Chancen, schnell wieder nach Hause zu finden.

Wenn das Tier nicht registriert ist, könne man höchstens nachforschen, welcher Tierarzt den Chip gesetzt hat - Rückschlüsse auf den Halter gibt es nicht.

So geht die Suche in sozialen Netzwerken weiter. Um zu überprüfen, ob der vermeintliche Halter und das Tier wirklich zusammen gehören, wird bei der Übergabe der Impfpass des Tieres, quasi sein Personalausweis, kontrolliert. Etwa 15 Prozent der aufgegabelten Hunde kommen laut May jedoch trotz aller Mühen nicht zurück zu ihren Besitzern - in diesen Fällen ist davon auszugehen, dass der Vierbeiner ausgesetzt wurde.

Hilfe ist erwünscht

„Wir haben den Eindruck, dass in letzer Zeit deutlich mehr entlaufene Tiere unterwegs sind. Ob die Halter unachtsamer geworden sind oder ob wir einfach häufiger gerufen werden, weil wir bekannter werden, wissen wir natürlich nicht“, sagt May. Seit zwei Jahren ist sie mit ihrem Lesegerät unterwegs: „Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Ich habe selber Hunde und vor allem rund um Silvester gehen viele Tiere stiften. In der Haut der Tiere und der Besitzer möchte ich dann nicht stecken - darum helfe ich, beide schnell wieder zusammenzubringen.“

Diana Weichert und Gabriele May helfen mit ihren Chip-Lesegeräten entlaufenen Hunde nach Hause. Mit auf dem Foto: ihre eigenen Hunde.

Diana Weichert und Gabriele May helfen mit ihren Chip-Lesegeräten entlaufenen Hunde nach Hause. Mit auf dem Foto: ihre eigenen Hunde. © May

Wie viele Tier- und Menschen-Paare sie schon zusammengeführt hat, hat sie nicht gezählt. Freuen würde sie sich jedoch über jede menschliche Unterstützung - denn schließlich seien sie und Diana Weichert nicht ständig verfügbar. Je größer der Kreis der Helfer sei, desto schneller könne man helfen. Wünschen würde sich May außerdem, dass Tierärzte häufiger darauf hinweisen, dass das Tier mit dem Chip zusätzlich registriert werden muss.

Ruhrgebietsweit haben sich Helfer in der Facebook-Gruppe „Rund ums Tier im Ruhrpott“ zusammengeschlossen. Dort gibt es unter anderem eine Liste aller Helfer mit Chip-Lesegeräten. Auch der Tierarzt und das Tierheim können die Chips von gefundenen Tieren auslesen - stressfreier für das Tier sei aber der Weg über die ehrenamtlichen Helfer.

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