Wie ein Lüner sich seinen Traum in Kanada erfüllt

Auswanderer im Interview

Thomas Herr aus Brambauer hat geschafft, wovon andere träumen. Der 47-Jährige ist vor 18 Jahren nach Kanada ausgewandert, lebt in der Nähe von Toronto. Wir haben mit ihm über sein Leben und über die Unterschiede zwischen Kanada und Deutschland gesprochen. Und über das zweitgrößte Oktoberfest der Welt.

BRAMBAUER

, 28.07.2017, 16:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sind Sie in Lünen geboren?

Ja, ich bin in Lünen geboren worden, aber in Brambauer aufgewachsen.

Welche Schulen haben Sie in Lünen besucht?

Erst habe ich die Kelmschule in Brambauer besucht, und dann später das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Lünen bis zum Abitur.

Wie kam es, dass Sie sich für ein Leben in Kanada entschieden haben?

Das war ein Kindheitstraum für mich. Wir hatten Verwandte in Ontario und mit zwölf Jahren hatte ich das erste Mal die Möglichkeit, mit meinen Eltern da Ferien zu machen. Die Weite des Landes und die multikulturelle Lebensweise habe ich sofort als unglaublich toll empfunden. Damals habe ich den Entschluss gefasst, dass ich irgendwann da leben will.

Gibt es noch Kontakte nach Lünen?

Ja, natürlich. Meine Eltern, meine Schwester, mein Schwager und mein Neffe leben noch in Brambauer. Natürlich habe ich auch noch Kindheitsfreunde, mit denen ich mich immer gerne wiedertreffe.

Was machen Sie in Kanada beruflich und wo leben Sie dort?

Ich lebe in Kitchener, etwa 45 Autominuten östlich von Toronto in der Provinz Ontario. Die Stadt behauptet übrigens, das zweitgrößte Oktoberfest der Welt zu haben – nach München natürlich. Ich bin ein EDV-Manager und leite das Netzwerkteam für eine Universität.

Was ist für Sie der große Unterschied zwischen dem Leben in Kanada und dem in Lünen/Deutschland?

Das ist eine gute Frage. Ich weiß nicht, ob ich das zufriedenstellend beantworten kann, weil mein Herz und mein Kopf durchaus in beiden Ländern zu Hause sind. Ich vermisse immer die deutsche Küche und die unglaubliche Vielfalt an Backwaren daheim. Die nordamerikanische Küche hat auch Vieles zu bieten, aber generell wird hier meistens ohne Gewürze gekocht. Oft wird nachgewürzt, nachdem das Essen gekocht ist. Salz und Pfeffer sind leider nicht genug für meinen Geschmack.

Die Steuern sind ähnlich hoch wie in Deutschland und auch das Sozialsystem lehnt an dem deutschen an. Krankenversicherung ist hier staatlich, oftmals aber hat man Zusatzversicherungen durch den Arbeitgeber, die zum Beispiel Einzel- oder Doppelzimmer in Krankenhäusern ermöglichen. Öffentliche Verkehrsmittel sind hier nicht so häufig oder gut organisiert, weshalb das Auto für viele sehr wichtig ist.

Die Weite hier ist natürlich nicht mit Deutschland zu vergleichen. Ich habe sieben Jahre lang an der Westküste in Vancouver gewohnt. British Columbia ist wahrscheinlich die schönste Landschaft, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Ozean und Berge nebeneinander, theoretisch könnte man am Morgen schwimmen gehen und am Nachmittag wandern oder Ski fahren. Ontario ist flacher, erinnert in vielen Teilen an meine Heimat. Viel Landwirtschaft, Wälder und natürlich haben wir hier die fünf „Great Lakes“, die größten Süßwasser-Seen der Welt.

War es schwer für Sie, sich einzuleben, oder fiel es Ihnen ganz leicht?

Ich muss zugeben, dass es nicht schwer war, mich hier einzuleben. Ich habe tolle Leute kennengelernt und Kanadier sind ja dafür bekannt, freundlich und offen zu sein. Das kann ich bestätigen.

Waren Sie zwischendurch in den 18 Jahren mal wieder in Lünen?

Mehrmals. Das letzte Mal waren wir Weihnachten und Neujahr in Lünen. Meine Kinder lieben den Weihnachtsmarkt und natürlich auch die Silversterböllerei. Leider darf man das in Kanada nicht so. Die Häuser sind anders gebaut, sodass freies Feuerwerk eine Gefahr sein kann. Kleines Feuerwerk ist erlaubt, aber Raketen und größere Pyrotechnik wird normalerweise von der Stadt organisiert.

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