Wie Ersthelfer Frank Ahlrichs nach dem Unfall auf der Kamener Straße reagiert hat

rnEin Zeuge erzählt

Als sich vor seinen Augen ein Verkehrsunfall ereignet, will Frank Ahlrichs zunächst weiterfahren - aus Angst, etwas falsch machen zu können. Doch dann trifft er die richtige Entscheidung.

Lünen

, 20.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Montag, 14. Oktober, am späten Nachmittag: Hinter Frank Ahlrichs liegt ein ganz normaler Arbeitstag. Der 40-jährige Wahllüner arbeitet für die Verwaltung im Referat Stadtentwicklung und ist gegen 17.45 Uhr mit seinem Auto, einem Ford Focus, auf dem Weg nach Hamm. „Ich war da mit Freunden zum Joggen verabredet, außerdem lebt dort meine Freundin“, sagt Ahlrichs im Gespräch mit unserer Redaktion.

Auf dem Weg nach Hamm, oder besser, kurz nach Verlassen der Lüner City über die Kamener Straße Richtung Beckinghausen, wird Ahlrichs in Höhe der Kleingartenanlage „Gleisdreieck“ Zeuge eines Verkehrsunfalls mit einer Schwer- und einem Leichtverletzten, wie es am Tag danach (15. Oktober) in einer Pressemitteilung der Polizei heißt. Diese basiert auf Aussagen von Zeugen, einer davon ist Frank Ahlrichs:

„Zeugenaussagen zufolge fuhr ein 58-jähriger Dortmunder auf der Kamener Straße in Richtung Osten. Gegen 17.45 Uhr bremste er seinen Wagen in Höhe der Kleingartenanlage ‚Gleisdreieck‘ ab, um in diese einzubiegen. Dies übersah offenbar die 22-jährige Fahrerin eines nachfolgenden PKW. Ihr Auto prallte nahezu ungebremst auf das Heck des bereits stehenden Mazda des 58-Jährigen (...).

22-Jährige war nicht ansprechbar

Zeuge Frank Ahlrichs hat das Ganze hautnah erlebt. Er fuhr nämlich direkt hinter dem Wagen der jungen Lünerin. „Ich war ganz in Gedanken versunken, als ich auf einmal sah, wie der Wagen vor mir, das könnte ein Ford Fiesta gewesen sein, ungebremst auf das Auto davor auffuhr und erst nach einigen Metern zum Stehen kam.“

Wie Ersthelfer Frank Ahlrichs nach dem Unfall auf der Kamener Straße reagiert hat

Frank Ahlrichs an der Einfahrt zu der Kleingartenanlage (KGA) „Gleisdreieck“. Das Hinweisschild zu der KGA wurde von einem der Unfallwagen aus der Verankerung gerissen. © Storks

Ahlrichs und zwei weitere Männer sowie eine Frau in einem Bulli halten an der Unfallstelle an. Ahlrichs, der aus „Angst, etwas falsch machen zu können“, erst noch denkt, „komm, fahr einfach weiter, irgendjemand wird schon helfen“, läuft zu dem Wagen der jungen Lünerin.

Der gelernte Ersthelfer sieht die 22-Jährige mit offenen Augen auf dem Fahrersitz sitzen, den ausgelösten Airbag vor der Brust. „Als ich sie angesprochen habe, hat sie gar nicht reagiert. Sie war bewusstlos.“ Was tun?

Frank Ahlrichs überlegt nicht lange. Weil aus dem Motorraum Qualm aufsteigt und er Angst bekommt, dass „hier gleich irgendetwas explodiert“, zieht er die Lünerin aus dem PKW.

Kurz danach helfen ihm die Bulli-Fahrer, die Verletzte auf eine Rettungsdecke zu legen. Während die Helfer auf die alarmierte Polizei und den „etwa drei bis vier Minuten später“ eintreffenden Rettungsdienst warten, schirmen die Bulli-Fahrer den Unfallort mit einer zweiten Rettungsdecke vor neugierigen Blicken ab.

Ein Glas Wein statt Joggen

Der Rest sei schnell erzählt, sagt Ahlrichs: „Die herbeigerufenen Rettungssanitäter haben die Frau nach Verletzungen untersucht und anschließend auf einer Trage fixiert. Mit dem später eingetroffenen Notarzt ging es dann ins Krankenhaus.“

Derweil macht Ahlrichs noch vor Ort seine Zeugenaussage bei der Polizei und setzt dann „so gegen 18.30 Uhr“ seine Fahrt nach Hamm fort.

Nach Joggen steht ihm nicht mehr der Sinn. Bei einem Glas Wein lässt der 40-Jährige den Abend mit seiner Freundin ausklingen. Wobei ihm der Gesundheitszustand der jungen Lünerin - auch in den Folgetagen - keine Ruhe lässt.

Dazu heißt es Donnerstag (17.) bei der Polizei, dass die junge Frau vermutlich das Krankenhaus inzwischen verlassen habe. Die 22-Jährige sei nicht lebensgefährlich verletzt gewesen - auch zur Freude von Ahlrichs. Der appelliert unter dem Eindruck von Montagabend an alle Verkehrsteilnehmer, „unbedingt ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen, um im Notfall helfen zu können“.

Lesen Sie jetzt