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In die beruflichen Fußstapfen der Eltern treten - das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Doch in Lünen gibt es erfolgreiche Beispiele. Wie Julian Freisendorf, Landwirt in Niederaden.

Lünen

, 12.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Arbeiten in und mit der Natur, im Rhythmus der Jahreszeiten: Für Julian Freisendorf (29) macht gerade das den Reiz der Landwirtschaft aus. Er kam auf den Hof in Niederaden, als seine Mutter Birgit und Landwirt Friedhardt Freisendorf heirateten. Das Landleben gefiel ihm. Säen und ernten, Tiere versorgen, viel an der frischen Luft, „jeder Tag ist anders“, sagt er.

Als Sohn adoptiert

Dass ein Landwirt mitunter 60 bis 80 Stunden in der Woche arbeiten muss, schreckte ihn nicht ab. Julian konnte sich dort eine berufliche Zukunft vorstellen. Alles passte zusammen. Sogar so gut, dass die Freisendorfs eine besonderen Entschluss fassten: Friedhardt (63) adoptierte 2016 Julian als seinen Sohn. So bleibt der Hof mit etwa 55 Hektar Land auch in dritter Generation in der Familie.

Information

Wurzeln im 17. Jahrhundert

  • Der Hof in Niederaden, Im Dorf 29, hat seine Wurzeln im 17. Jahrhundert. Er wurde 1955 von Edith und Friedhelm Freisendorf gekauft und später von Friedhardt und Birgit Freisendorf übernommen.
  • Inzwischen ist mit Julian und Nicole Freisendorf die dritte Generation am Start.
  • Über die Jahre wurde der Betrieb den immer neuen Herausforderungen angepasst. Dazu gehören auch Bauernhofgastronomie und Hofladen.

Kartoffeln sind eine Spezialität der Freisendorfs. Die Knollen wachsen in kontrolliertem Anbau auf etwa sechs Hektar Fläche. Außerdem werden Mais und Getreide angebaut. Der Betrieb hat sich im Laufe der Jahre verändert und zunehmend breiter aufgestellt.

Als Julian nach dem Studium der Agrarwissenschaft in Soest nach Niederaden zurückkehrte, hatte er eigene Ideen. „Mir wurden viele Freiräume gelassen“, berichtet er. 950 Legehennen leben inzwischen in zwei großen Ställen. Im Februar soll ein weiterer für Freilandhaltung dazukommen. Julian Freisendorf ist dreimal täglich bei den Hühnern und schaut, ob es allen gut geht. „Wir leben mit ihnen.“

Wie Landwirt Julian Freisendorf (29) mit Verkaufsautomaten neue Ideen umsetzt

Ein Foto aus früherer Zeit: Zwei Generationen Freisendorf mit den eigenen Kartoffeln Größe XXL. Links die 1. Generation Edith und Friedhelm, rechts Birgit und Friedhardt. © Goldstein

Urlaub ist nur eine Woche möglich. Meist Ende Juni, „so nach der Ernte“. Dann hat Julian Freisendorf Zeit für seine kleine Familie mit Sohn Jonas (1) und Ehefrau Nicole (31), die als Krankenschwester tätig ist. Sie hat Verständnis dafür, dass ihr Mann auch mal um 2 Uhr nachts mit dem Trecker aufs Feld fährt, um den Boden für den Mais vorzubereiten. „Bei Sonneneinstrahlung wäre der Stickstoffverlust höher“, erklärt er. Dann ginge wertvoller Dünger verloren. Ohnehin hat der junge Landwirt ständig das Wetter im Blick. Es bestimmt seinen Arbeitsrhythmus auf dem Acker. Kaum ein Beruf ist von Sonne und Regen so abhängig wie die Landwirtschaft.

Wie Landwirt Julian Freisendorf (29) mit Verkaufsautomaten neue Ideen umsetzt

Ausgebaut hat Julian Freisendorf den Hofladen. Nicht nur Kartoffeln und Eier, sondern auch Gemüse, hausgemachte Wurst sowie Honig und Fruchtaufstriche aus eigener Herstellung sind jetzt dort zu haben. © Quiring-Lategahn

Ein wichtiges Standbein ist inzwischen der 50 Quadratmeter große Hofladen geworden. Dessen Palette hat sich über die Jahre immer mehr erweitert: Täglich werden dort eigene Produkte wie Eier, Geflügel, Honig und selbst gemachte Fruchtaufstriche angeboten. Dazu kommen Gemüse und Hausgemachtes aus anderen Betrieben der Region. Nur im Winter wird überregional dazugekauft.

Zu Ostern hat Julian Freisendorf dort sogar gefärbte Eier angeboten, die er eigens dafür in einem Betrieb bunt werden ließ. Das Interesse der Kunden an der Direktvermarktung hat zugenommen. „Die Leute wollen wissen, woher die Produkte kommen“, erlebt Julian Freisendorf. Vier Teilzeitkräfte sind auf dem Hof beschäftigt.

Wie Landwirt Julian Freisendorf (29) mit Verkaufsautomaten neue Ideen umsetzt

Julian Freisendorf freut sich, dass seine Hofladen-Automaten gut angenommen werden. © Schulz-Gahmen

Um rund um die Uhr Frische anbieten zu können, ließ Julian Freisendorf im Oktober vergangenen Jahres vor dem Laden zwei Verkaufsautomaten aufstellen. Grillfleisch, Getränke, Wurst, Eier und weitere Köstlichkeiten sind dort erhältlich. Die Kunden können auch am Wochenende oder abends spontan zugreifen. Mittlerweile werde das Angebot gut nachgefragt.

Kaffee und Kuchen in der Bauernstube

Wie das Hofcafé. Als der neue Weg entlang der Seseke immer mehr Radfahrer und Spaziergänger nach Niederaden führte, hatte Birgit Freisendorf die Idee des Kuchenverkaufs. Eine Pause einlegen bei Kaffee und Kuchen, das kam an. Anfangs noch im Partyzelt, inzwischen auch in der „guten Stube“. Sie ist oder draußen der Platz unter Bäumen sind Treffpunkte für Menschen geworden, die sich auf dem Bauernhof wie zuhause fühlen möchten. Hier gibt es neben Kuchen und Torten auch Frühstück und inzwischen sogar die Möglichkeit, Feste zu feiern. In der eigenes eingerichteten Industrieküche kann auch gekocht werden. „Wir konnten das Angebot immer weiter ausbauen“, freut sich Julian Freisendorf.

Beeren aus eigenem Anbau

Und er hat weitere Pläne. Künftig sollen Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren oder Stachelbeeren aus eigener Ernte stammen. Die Früchte werden in den hauseigenen Torten und Fruchtaufstrichen Verwendung finden, aber auch im Hofladen zum Zugreifen einladen.

Julian Freisendorf hat seinen Entschluss für die Landwirtschaft nicht bereut. „Ich würde mich immer wieder dafür entscheiden“.

Den Hofladen führt er mit seinem Vater zusammen, den landwirtschaftlichen Betrieb wird er in einigen Jahren übernehmen. Über die familiäre Unterstützung ist der Junior froh. Denn neben der normalen Arbeit habe der Anteil an Bürokratie enorm zugenommen. „Wir verbringen viel Zeit im Büro“, bestätigt Friedhardt Freisendorf. Für das Café backen die beiden Frauen Birgit und Nicole.

Dürre brachte Ertragsverlust

Schon heute sitzt Sohn Jonas gerne auf dem Trecker. Ob er die Tradition in der Landwirtschaft weiterführt, ist heute noch nicht abzusehen. Julian Freisendorf hofft es. Er möchte den Betrieb für ihn weiter aufbauen.

Wie wichtig es dabei ist, mehrere Standbeine zu haben, habe er während der Dürre im vergangenen Jahr erlebt. Die Trockenheit habe zu 30 Prozent Ertragsverlust geführt. „Und auch jetzt ist es schon wieder zu trocken“, weiß Freisendorf. Klimawandel ist ein Thema, das ihn wohl weiter beschäftigen wird.

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