Windrad der Stadtwerke produziert Strom für 2000 Haushalte - aber Sturm Sabine war zu viel

rnSeit vier Jahren in Betrieb

Seit vier Jahren ist das Windrad der Stadtwerke Lünen in Betrieb. Zeit für eine erste Bilanz, die deutlich positiv ausfällt. Viel Wind hilft da natürlich. Zu viel Wind wiederum ist schlecht.

Lünen

, 24.02.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor ziemlich genau vier Jahren, am 18. Februar 2016, ist das Windrad der Stadtwerke Lünen am Stadthafen ans Netz gegangen. Knapp 150 Meter in der Luft steht die Nabe des Riesen, die Rotoren haben noch einmal einen Durchmesser von über 115 Metern. Damals war das Windrad eines der höchsten in Deutschland.

Die Erwartungen in puncto Stromproduktion habe das Windrad abgesehen vom Jahr der Inbetriebnahme klar übertroffen. „Die Strommengen liegen deutlich über der kalkulierten Sollmenge“, sagt Stadtwerke-Sprecherin Jasmin Teuteberg. Ursprünglich hätte das Windrad schon 2015 ans Netz gehen sollen - das hätte über eine noch höhere EEG-Umlage finanzielle Vorteile gebracht.

Den Termin konnte die Baufirma allerdings nicht halten, weil lange die Windbedingungen für die Montage der Riesen-Bauteile nicht stimmten. Deshalb startete der Betrieb erst im Februar.

Das Windrad der Stadtwerke

Das Windrad der Stadtwerke © Goldstein

Seitdem hat das Windrad laut Teuteberg knapp 30 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Zur Einordnung: Das Trianel-Kohlekraftwerk am Stummhafen hat alleine 2018 nach eigenen Angaben 4,39 Milliarden Kilowattstunden produziert.

Dennoch: Mit dem Strom des Windrads können laut der Stadtwerke-Sprecherin pro Jahr rund 2000 Haushalte versorgt werden, legt man einen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Haushalt zugrunde.

4,8 Millionen Euro in das Windrad investiert

Die Stadtwerke seien „sowohl mit der betriebswirtschaftlichen Leistung als auch mit der erbrachten Leistung als Beitrag zum Gelingen der Energiewende sehr zufrieden“, sagt Jasmin Teuteberg.

Immerhin 4,8 Millionen Euro haben die Stadtwerke, genauer die 100-prozentige Unternehmenstochter Energiehandel Lünen, in das Windrad investiert. Wie viel Geld die Stadtwerke im Gegenzug seit Inbetriebnahme damit verdient haben, diese Frage beantwortet Jasmin Teuteberg nicht. Das seien „interne betriebswirtschaftliche Daten“.

Generell sei das Windrad „auf eine Laufzeit von 20 Jahren kalkuliert, so lange befindet sich die Anlage in der EEG-Förderung und kann erst danach abschließend wirtschaftlich betrachtet werden“, sagt die Sprecherin. Ein Marktrisiko für Stadtwerke und Stadt Lünen bestehe aber nicht: Der Verkauf der Strommengen sei auf Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) garantiert.

Wieso zu viel Wind teuer werden kann

Wenn der Wind dann auch noch stark weht - umso besser. Wobei: Zu starker Wind wiederum ist eher schädlich, das hat zuletzt Sturm Sabine gezeigt, der auch in Lünen zu einigen Feuerwehreinsätzen geführt hat. Für das Windrad hatte der Sturm andere Konsequenzen.

Durch starke Winde wie bei Sabine nämlich kann es zu einer Überproduktion am Strommarkt kommen. Die wiederum führt zu negativen Strompreisen. Erlöse für die Stadtwerke sind nicht zu erwarten. „Um dem entgegenzuwirken, wurde die Windkraftanlage WEA 2 am 9. Februar 2020 zeitweise abgeschaltet und damit die Stromproduktion gedrosselt“, so Teuteberg.

In den Folgetagen, die immer noch sehr windreich waren, hätten die Stadtwerke und das Windrad aber wieder von den Konditionen profitiert.

Die Zufriedenheit mit dem Windrad ist also groß. Ein weiteres Windrad auf Lüner Stadtgebiet wird es aber weiterhin wohl erstmal nicht mehr geben: „In Ermangelung geeigneter Standorte gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine Pläne zur Errichtung weiterer Windkraftanlagen in Lünen“, sagt Jasmin Teuteberg.

Natürlich hat jeder Bürger die Möglichkeit, sich eine private Windkraftanlage zu bauen - das klappt theoretisch sogar auf dem Garagendach. Neben bau- und emissionsrechtlichen Vorgaben ist - gerade im Vergleich zu Photovoltaik-Anlagen - hier eine gute Kostenkalkulation ratsam.

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