Mit der Seite unibude.de sollten Wohnungen in Brambauer an Dortmunder Studenten vermittelt werden. © Screenshot: Fröhling
Wohnen in Lünen

Wintersemester in Präsenz: Ist Lünen als Wohnort für Studenten interessant?

Seit Jahren versuchen Vermieter Dortmunder Studierende nach Lünen zu holen. Haben sie in diesem Semester, in dem die Hochschüler zurück in die Metropole drängen, endlich Erfolg damit?

Nach drei Semestern digitaler Vorlesungen kommen die Studierenden zurück nach Dortmund. Und müssen irgendwo wohnen. Wie ist es um die Wohnraumsituation nach anderthalb Jahren, in denen viele zurück zu den Eltern gezogen waren, bestellt? Werden die Dortmunder Wohnungen aufgrund von Erstsemestlern, Rückkehrern und Auslandsstudierenden, die alle gleichzeitig auf den Markt drängen, knapp, sodass sie in die Nachbarstädte ausweichen müssen? Zum Beispiel nach Lünen, insbesondere nach Brambauer?

Schon seit Jahren versuchen verschiedene Akteure den Dortmunder Hochschülern Wohnungen in Lünen schmackhaft zu machen. Mit dem Projekt „Unibude“ hatte zum Beispiel Michael Ristovitch, Vorsitzender der Gemeinschaft Brami, schon 2017 eine Initiative gestartet, um günstige Alternativen zu teurem Wohnraum in der Nachbarstadt aufzuzeigen. Auf Flyern wird Brambauer als „geheime kleine Studentenperle im Nord-Westen von Dortmund“ beworben. Große Wohnbaugesellschaften wie die WBG und auch Privatvermieter stiegen mit ein – erfolglos. Bringt der Corona-Effekt jetzt also den Wandel?

Unibude auf Eis

Fragt man Brami-Vorsitzenden Michael Ristovitsch, liegt das Projekt auf Eis. Doch der Unternehmer aus Brambauer zeigt sich begeistert: „Jetzt wäre doch ein guter Zeitpunkt, mal wieder ein paar Flyer zur TU zu bringen“, sagt Ristovitsch.

Klaus Stallmann, Vorsitzender von Haus & Grund Lünen, sagt: „Es gibt keinerlei Nachfrage von Dortmunder Stundeten an die Privatvermieter in Brambauer.“

Und auch bei der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Lünen heißt es: „Es wird nicht im großen Stil nachgefragt.“ Das berichtet Geschäftsführer Rainer Heubrock.

Aktuell gebe es zwei WBG-Wohnungen, die von Dortmunder Studierenden bewohnt werden. „Allerdings“, gibt Heubrock zu Bedenken, „weiß ich gar nicht, ob Lünen für die Dortmunder Hochschüler überhaupt so attraktiv ist. Es ist ja doch ganz schön weit.“ An dem Projekt Unibude habe sich die WBG 2017 zwar auch mit zwei Wohnungen beteiligt. „Aber ich weiß gar nicht, ob das Projekt überhaupt an den Start gegangen ist“, so Heubrock. Nachgefragt worden seien die Wohnungen damals jedenfalls nicht. Und heute? „Naja, der Wohnungsmarkt gerade bei kleinen und günstigen Wohnungen ist ja im Moment besonders angespannt, so dass wir auch gar nicht viele Wohnungen zur Verfügung stellen könnten. „Dabei verweist Heubrock auf das Neubauprojekt am Preußenbahnhof, das auch für Studenten attraktiv sein könnte.

Weniger Studierende

Kaum Nachfrage aus Dortmund also. Und das obwohl der Dortmunder Wohnungsmarkt aufgrund des hohen Studierendenandrangs angespannt ist? Ein Blick nach Dortmund zeigt: Der Andrang an Studierenden ist gar nicht so groß.

Zwischen 2008 und 2018 war die Zahl an Studierenden durch die doppelten Abiturjahrgänge (NRW 2013) und dem Wegfall der Wehrpflicht (2011) stark gestiegen. An der TU Dortmund hatte sie sich von 22.000 auf 34.000 gesteigert. „In den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl auf hohem Niveau stabilisiert und ist derzeit leicht rückläufig“, berichtet TU-Sprecherin Eva Prost. Im Wintersemester 2020/21 gab es 33.400 Studierende, aktuell seien es ca. 32.000.

Allerdings seien die Mieten in Dortmund in den vergangenen drei Jahren gestiegen. Hagen Dorgathen vom Asta weiß: „Aktuell liegt der Durchschnittpreis bei 323 Euro. Es gibt aber auch viele Wohnungen, etwa ein Drittel, die über diesem Wert liegen.“ 2018 lag die Durchschnittsmiete bei 280 Euro. Dorgathen sagt dennoch: „Ich habe nicht das Gefühl, dass der Dortmunder Wohnungsmarkt aktuell besonders angespannt wäre.“

Vom Studierendenwerk, das für die Wohnheimplätze zuständig ist heißt es: „Wir sind zwar nach dem Corona-Knick wieder ausgelastet. Aber auch nicht mehr als vor Corona.“

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
Zur Autorenseite
Kristina Gerstenmaier