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„Spüre die Pistole noch, wenn ich mich schlafen lege“: Wie Einbrüche das Leben verändern

rnOpfer erzählen

Dreimal sind Einbrecher bei Holger (59) und Elvira (55) Mickan eingestiegen. Die Spuren sind mittlerweile beseitigt, doch das Trauma bleibt - seitdem bestimmt Angst das Leben des Ehepaares.

Lünen-Süd

, 16.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Als jüngst in der Hoffmanstraße eingebrochen wurde und Täter auch in der direkten Nachbarschaft zu Werke gingen, kam bei Holger und Elvira Mickan die Erinnerung wieder hoch. An die unbekannten Täter im Haus, an die durchwühlten Schränke, an das Gefühl von Fremdem im Privaten. „Ich habe alles gewaschen, was sie in den Fingern hatten“, sagt Elvira Mickan.

„Spüre die Pistole noch, wenn ich mich schlafen lege“: Wie Einbrüche das Leben verändern

Das Fenster, durch das die Täter gekommen sind, ist bei Holger (59) und Elvira (55) Mickan meist verrammelt. Nach drei Einbrüchen hat sich ihr Leben verändert: "Man hört auf jedes Geräusch." © Quiring-Lategahn

Dreimal ist ihnen das passiert. Sogar ans Wegziehen haben die Mickans gedacht. Doch sie sind geblieben. Ihr Haus ist jetzt ein anderes. Alarmgesichert, videoüberwacht und verriegelt. „Das hat unser Leben beeinflusst. Wir schließen alles ab und gehen nicht mehr ohne Angst weg.“ Per Handy kann Holger Mickan sehen und hören, was sich daheim tut. „Es ist wie Fort Knox“, sagt seine Frau.

Nachbar notiert jedes Kennzeichen: „Man weiß ja nie.“

Auch die Nachbarn können von Einbrüchen erzählen. Einer notiert sich inzwischen jedes fremde Autokennzeichen in der Straße. „Man weiß ja nie.“ Es gibt Whatsapp-Gruppen. Darin informieren sich alle, sobald sich etwas Verdächtiges tut. Erst kürzlich waren Einbrecher bei 93- und 90-jährigen Nachbarn. Sie versuchten, nachts die Tür aufzuhebelen. Der Hund konnte sie verjagen. Vorher hatten Nachbarn fremde Leute in der Straße beobachtet. Sie glauben, dass sie die Lage ausgespäht hatten.

„Spüre die Pistole noch, wenn ich mich schlafen lege“: Wie Einbrüche das Leben verändern

Die Einbruchspuren waren deutlich erkennbar. © Mickan

Bei den Mickans kamen die Einbrecher, während das Paar schlief. Das war 2007. Elvira Mickan wurde wach. Sie wunderte sich über die offene Terrassentür. „Meine Frau hat sie geschlossen und nicht weiter darüber nachgedacht.“ Das böse Erwachen folgte am anderen Morgen: Die Terrassentür war aufgehebelt worden. Die Autoschlüssel, die Papiere und das Telefon fehlten. „Wir hatten Glück, dass die Täter schon weg waren.“ Seitdem schläft Elvira Mickan nicht mehr gut.

2013 dann waren Kupferdiebe unterwegs. Fünfmal in zwei Wochen hatten sie es auf Fallrohre abgesehen. Auch bei den Mickans. 2014 ging es weiter: Zweimal innerhalb von sechs Wochen tauchten Einbrecher auf. Sie kamen von zwei Seiten durchs Kinderzimmer- und Flurfenster. Kaum war das repariert, ging es wieder los. Nach dem dritten Einbruch und insgesamt 15.000 Euro Schaden hat die Versicherung nicht mehr mitgespielt. „Es war schwierig, eine neue zu finden“, sagt Holger Mickan.

Nebelanlage, Sicherheitsglas, Eisen-Rollo

So ging es auch Mechthild Brinkmann (61). Sie betreibt seit zehn Jahren den Lottoladen auf der Derner Straße. Sechs Einbrüche hat sie erlebt, einmal hielt ihr ein Täter eine Pistole an den Kopf, „die spüre ich noch, wenn ich mich schlafen lege“.

Mechthild Brinkmann hat aufgerüstet: Mit Nebelanlage, Sicherheitsglas und abschließbaren Krallen am Eisen-Rollo. Vor sechs Wochen haben Täter nachts einen Gullydeckel in die Scheibe geworfen. Das Glas hielt. Zwei Stunden, nachdem die Polizei da war, haben sie es noch mal versucht. Ohne Erfolg. „Die wollen an die Zigaretten“, weiß Mechthild Brinkmann. Auch sie hat schon ans Aufhören gedacht. Aber so kurz vor der Rente? Die Lünen-Süderin ist geblieben.

Holger Mickan glaubt, dass die Einbrecher durch die Nähe zum Feld und zur Autobahn schnell weg können. Deshalb sei das Gebiet bei Tätern gefragt. Die Polizei kann das so nicht bestätigen. Lünen-Süd sei kein Einbruchsschwerpunkt, heißt es. Die Pressestelle nannte auf Nachfrage Zahlen: vom 1. Oktober 2018 bis 31. März 2019 habe es sieben Tageswohnungseinbrüche gegeben, vier blieben im Versuchsstadium. Die Attacke mit den Gullydeckeln im Lottogeschäft sei ebenfalls dokumentiert.

„Der Bezirksbeamte ist jederzeit ansprechbar“, so eine Sprecherin. Er leiste Aufklärung durch Beratung und betreue auch Einbruchsopfer. Außerdem könnten sich Betroffene bei der Polizei zum Thema Einbruchsschutz beraten lassen.

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INFORMATION

BERATUNG ZUM EINBRUCHSSCHUTZ

Die Polizei möchte weiterhin Einbrüche verhindern. Sie informiert umfassend über Einbruchsschutz. Interessierte können Experten für eine technische Beratung anrufen: Tel. (0231) 132-7950.
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