Woher der „Siebenpfennigsknapp“ seinen Namen hat

Serie: "Hundert und eine Erzählung"

Insgesamt zehn Jahre lang haben Fredy Niklowitz, Dr. Widar Lehnemann und Wilfrieß Heß an ihrem Buch "Hundert und eine Erzählung" gearbeitet. Weil die erste Auflage schon vergriffen ist, stellen wir Ihnen hier die spannendsten Sagen und Legenden aus dem Buch in einer Serie vor. Diesmal geht es um die Sagen zu zwei bekannten Orten aus Lünen.

LÜNEN

09.07.2017, 06:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am Siebenpfennigsknapp findet man heute immer mal wieder eine solche Idylle - Schafe mit Lämmern an der Borker Straße vor dem Siebenpfennigsknapp.

Am Siebenpfennigsknapp findet man heute immer mal wieder eine solche Idylle - Schafe mit Lämmern an der Borker Straße vor dem Siebenpfennigsknapp.

1. Schicksal eines alten Kriegers

Vor vielen hundert Jahren wohnte zwischen dem Wevelsbach und der Lippe in einer verfallenen Pachtgademstedde (Pachtkotten) ein junges Ehepaar. Der Mann und die Frau waren Leibeigene und standen im Dienste der Liudolfinger. Diese hatten ihren Stammsitz auf dem Cappenberg.

Der kräftige junge Leibeigene war wie seine Vorfahren Waldarbeiter. Später kämpfte er unter seinem Herrn gegen alle Feinde Deutschlands. Der mit hohen Geistesgaben ausgestattete und mutige Diener seines Herrn wurde im Kampf gegen die Ungarn, die damals bis zur Lippe vorgedrungen waren, besonders ausgezeichnet und brachte es zu hohen soldatischen Ehren.

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Die Freude über das bevorstehende Wiedersehen mit seinem angetrauten Weib stimmte ihn glücklich und so kehrte er nach vielen Wirren und jahrelanger Abwesenheit in seine Heimat zurück. Hier erfuhr er von einem Leibeigenen, von dem er nicht wusste, dass er sein Sohn war, dass seine Frau schon seit zwei Jahrzehnten verstorben sei. Die unerwartete Mitteilung löste bei dem alten Krieger eine große Verwirrung aus.

Mit schluchzender Stimme rief er immer wieder aus: „Eck well bei sei, eck well bei sei!“ [Ich will zu ihr!]

Seit dieser Zeit heißt die Gemarkung „Beisey“. Noch heute erinnert ein Straßenname an ein Schicksal, das schon tausend Jahre zurückliegt, aber im Volksmund den Generationen überliefert wurde. Die Liudolfinger ehrten den damals noch unbekannten Leibeigenen und späteren Paladin mit der Belehnung ihres Vorwerkes und ernannten ihn zum Ritter von Struckmann. 

 

2. Ein Gastwirt mit Geschäftsidee

Im 19. Jahrhundert herrschte auf der nur dürftig befestigten Straße von Lünen nach Bork reger Fuhrwerksverkehr. An der steilen Anhöhe hatten es die oft mit schweren Eisenteilen der Westfalia beladenen Fuhrwerke recht schwer, den Knapp hinaufzukommen. Aus diesem Grunde hielt der Gastwirt auf dem Knapp einige Vorspannpferde im Stall, mit denen er den geplagten Pferdeknechten über den Berg half.

Als Lohn für die Hilfe über den Knapp kassierte er eine zeitlang sieben Pfennig je Fuhre. Und daher soll die Bezeichnung „Siebenpfennigsknapp“ stammen, die bis heute im Volksmund lebendig geblieben ist.

 

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