An der Bebelstraße in Lünen haben Unbekannte sämtliche Tempo-30-Schilder mit schwarzer Farbe beschmiert. © Matthias Stachelhaus
Vandalismus

Wut wegen Tempo 30: Unbekannte demolieren neue Verkehrsschilder

Seit dem 4. Oktober gilt auf sechs Hauptverkehrsstraßen in Lünen Tempo 30. Nun haben Unbekannte zahlreiche Schilder demoliert. Polizei und Verwaltung gehen von einer gezielten Aktion aus.

Seit Tagen regt sich in den sozialen Netzwerken massiver Widerstand von Bürgern und Autofahrern gegen die neuen Tempo-30-Schilder, die seit dem 4. Oktober den Verkehr auf sechs Lüner Hauptverkehrsstraßen verlangsamen. Insgesamt 130 Schilder wurden auf Teilen der Borker Straße, Münsterstraße, Bebelstraße, Cappenberger Straße, Viktoriastraße und der Königsheide angebracht, um den Verkehrslärm zu reduzieren. Nun haben Unbekannte in der Nacht zu Dienstag (12.10.) zahlreiche Schilder beschädigt.

Auf der Bebelstraße in Lünen wurden sämtliche der neu aufgestellten Verkehrsschilder mit schwarzer Graffiti-Farbe übersprüht. 26 beschädigte Tempo-30-Schilder zählte die Polizei am Dienstagmorgen (12.10.) gegen 7.30 Uhr. Hinzu kommen zwei übermalte „Lärmschutz“-Schilder. „Man kann definitiv davon ausgehen, dass es sich dabei um eine gezielte Aktion handelt“, bestätigte Gunnar Wortmann, Pressesprecher der Polizei Dortmund.

Die städtische Pressestelle kam zu folgender Bewertung: „Die Verwaltung missbilligt und ahndet jede Art von Vandalismus im Stadtgebiet. Schließlich ist es eine Straftat und in der Regel der Steuerzahler (…), der dafür aufkommen muss. In diesen aktuellen Fällen kommt hinzu, dass die Täterinnen oder Täter – was noch rechtlich zu bewerten ist – in den Straßenverkehr eingegriffen haben.“

Unmittelbarer Zusammenhang zu neuen Tempolimits

Dass die Aktion in unmittelbarem Zusammenhang mit der Einführung der Tempolimits vor rund einer Woche steht, ist zum Teil auch an der Art und Weise der Schmierereien ersichtlich. So gibt es ein Schild, auf dem die Zahl „30“ geschwärzt wurde, während das darunter angebrachte Hinweisschild mit der Aufschrift „Lärmschutz“ mit dem Schriftzug „50!“ versehen wurden – ein Hinweis auf die zuvor auf der Bebelstraße gültige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h.

26 Schilder mit Tempo 30 stehen auf der Bebelstraße. Auf allen ist die Zahl 30 mit schwarzer Farbe übersprüht worden.
26 Schilder mit Tempo 30 stehen auf der Bebelstraße. Auf allen ist die Zahl 30 mit schwarzer Farbe übersprüht worden. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Ein weiteres Schild wurde mit dem Akronym „ACAB“ versehen – einer Verunglimpfung der Polizei. ACAB steht für den englischen Ausdruck „All Cops are Bastards“ – zu deutsch: „Alle Polizisten sind Bastarde“.

Bei den Schmierereien handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt. Vielmehr läge laut Polizeisprecher Gunnar Wortmann der Verdacht auf „gemeinschädliche Sachbeschädigung“ vor, da die Schilder zum Wohle der Allgemeinheit aufgestellt worden seien. „Eine gemeinschädliche Sachbeschädigung ist höher bewertet, als eine bloße Sachbeschädigung. Das Strafmaß reicht von Geldstrafen bis hin zu Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren“, so Wortmann weiter.

Die Polizei erstattete Anzeige. Die Stadt Lünen kündigte am Dienstag an, ebenfalls Anzeige gegen Unbekannt erstatten zu wollen – wegen Sachbeschädigung. „Ob auch der Tatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vorliegt, wird geprüft“, hieß es auf Anfrage aus dem Rathaus.

Gunnar Wortmann meldete in diesem Punkt am Dienstag aber Zweifel an. Da die Schilder aus Gründen des Lärmschutzes aufgestellt wurden, sei wohl eher keine konkrete Gefahr gegeben, so der Polizeisprecher.

Keine explizite Bewachung durch die Polizei

Laut Angaben der Stadt Lünen beschränkten sich die Beschädigungen am Dienstag ausschließlich auf die Schilder in der Bebelstraße. Berichte über ein angeblich umgebogenes Tempo-30-Schild samt Pfosten in der Cappenberger Straße konnte die Stadt nicht bestätigen. „Nach bisherigen Erkenntnissen (…) ist lediglich die Bebelstraße betroffen“, erklärte die Stadt am Dienstagnachmittag (Stand 15 Uhr).

Wie hoch der Schaden ist, konnte die Stadt am Dienstag noch nicht sagen. Ebenso wenig, wann die Schilder instand gesetzt oder gar ausgetauscht werden. „Natürlich wird geprüft, ob die Schilder wieder gesäubert und eingesetzt werden können“, hieß es.

26 Schilder mit Tempo 30 stehen auf der Bebelstraße. Auf allen ist die Zahl 30 mit schwarzer Farbe übersprüht worden.
26 Schilder mit Tempo 30 stehen auf der Bebelstraße. Auf allen ist die Zahl 30 mit schwarzer Farbe übersprüht worden. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Zu befürchten bleibt, dass die Aktion auf den anderen Straßen mit neuer Tempo-30-Beschilderung Nachahmer finden könnte. „Ja, diese Sorge steht im Raum“, heißt es vonseiten der Stadt, die verstärkte Kontrollen etwa durch das Ordnungsamt ankündigte. Man könne jedoch nicht jederzeit alle Schilder „sichern“. Hierfür fehlten die personellen Ressourcen.

„Wir können keinen Objektschutz betreiben oder die Schilder bewachen“, betonte auch Polizeisprecher Gunnar Wortmann, der allerdings anfügte: „Der Sachverhalt ist außergewöhnlich. Die Lüner Kollegen von der Polizei werden sicherlich ein Auge auf die entsprechenden Straßenabschnitte werfen.“

Derweil kursierten am Dienstagmorgen in diversen Facebook-Gruppen Fotos von den demolierten Schildern. Die Kommentare unter den Bildern reichten von Unverständnis über die Zerstörungswut bis hin zu Häme und Genugtuung über das Beschmieren der gerade bei Autofahrern ungeliebten Verkehrszeichen.

Eine Anwohnerin der Bebelstraße sagte am Dienstagmittag vor Ort, dass sie die Beschränkung auf Tempo 30 richtig findet. Zu schnell gefahren werde aber dennoch. Besonders ab dem Kreisverkehr Preußenstraße, in Fahrtrichtung Innenstadt, sei die Bebelstraße trotz der neuen Schilder weiterhin eine „Rennstrecke“.

Kriminalpolizei nimmt Hinweise entgegen

Die neuen Tempo-30-Abschnitte waren im Zuge des Lärmaktionsplans der Stadt Lünen eingeführt worden. Solch ein Plan wird durch die EU von jeder Kommune gefordert und soll die schädlichen Auswirkungen durch Lärm an besonders belasteten Verkehrspunkten vermindern.

Die Kriminalpolizei nimmt sachdienliche Hinweise unter Tel. (0231) 132 74 41 entgegen.

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2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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Marc-André Landsiedel
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus