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Zahnärztin Dr. Ines Kaiser ist heute die Chefin ihres Vaters und Vorgängers

rnSerie Familiensache

In die beruflichen Fußstapfen der Eltern treten - das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Doch in Lünen gibt es erfolgreiche Beispiele der Firmenübernahme. Wie Dr. Ines Kaiser.

Lünen

, 22.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Als sich ihr Vater Dr. Gerhard Kaiser im Januar 1975 mit einer Zahnarztpraxis selbstständig machte, war Ines Kaiser noch gar nicht geboren. Und als sie fünf Monate später das Licht der Welt erblickte, hätten ihre Eltern auch nicht unbedingt gedacht, dass sich die Tochter so für den Beruf des Vaters begeistern würde, dass sie 2009 dann seine Praxis übernahm.

Ganze Familien kommen in die Praxis

„Die Fußstapfen waren ganz schön groß“, erinnert sich die heute 43-jährige promovierte Zahnmedizinerin. Oft hörte sie von Patienten den Spruch „wir müssen erst mal sehen, ob Sie so gut sind wie Ihr Vater.“ Mittlerweile hat die Lünerin das unter Beweis gestellt. „Wir haben ganze Familien als Patienten hier, auch solche, die früher als Kinder zu meinem Vater kamen und die nun mit ihren eigenen Kindern zu mir in die Praxis kommen.“

Zahnärztin Dr. Ines Kaiser ist heute die Chefin ihres Vaters und Vorgängers

Früh übt sich - die kleine Ines Kaiser beim Zähneputzen. © Kaiser

Ihre Eltern haben ihr und ihrem älteren Bruder immer gesagt - „macht beruflich, was ihr wollt.“ Aber natürlich, bekennt Gerhard Kaiser (75), habe er sich schon Gedanken gemacht, wie es weitergehe mit seiner Praxis, als er sich entschloss, beruflich kürzer zu treten. Für ihn war die Übergabe an seine Tochter „der beste Moment für meine Laufbahn“. Er war der erste Zahnarzt in der Familie Kaiser. Allerdings brachte ihn dann doch ein Verwandter in diese berufliche Richtung. „Mein Lieblingsonkel war Zahntechnikermeister und hat mich auf die Idee gebracht, Zahnmedizin zu studieren. Ich wollte eigentlich Ingenieur werden, so wie mein Vater. Und dann war ich bei meinem Onkel in der Werkstatt und fand es sehr interessant, denn ich bin seit meinem zehnten Lebensjahr ein großer Bastler.“

Tochter Ines wusste schon früh, dass es für sie in Richtung Medizin gehen würde. Im Gegensatz zu ihrem Bruder Ingo, der Veranstaltungsproduzent ist und „sein Hobby zum Beruf gemacht hat“. Ines Kaiser dachte zunächst an Chirurgie oder Tiermedizin. „Aber bei den Tieren hätte ich dann wahrscheinlich irgendwann vor lauter Mitleid eine Auffangstation eröffnen müssen und bei der Chirurgie hätte ich zu sehr gelitten, weil leider nicht alle Patienten eine OP überleben.“ Zahnmedizin, das sah sie bei ihrem Vater, bietet einen chirurgischen Part, aber vor allem den Umgang mit Patienten, der für Ines Kaiser wichtig ist.

Studium hat sich stark verändert

Nach dem Abitur am Gymnasium Altlünen arbeitete sie zunächst als Helferin in der väterlichen Praxis. Dann bekam sie einen Studienplatz in Köln. Vater und Tochter studierten zwar beide Zahnmedizin, aber die Zeiten und die Studien-Literatur und -Inhalte haben sich im Laufe der Jahre gewandelt. Ines Kaiser: „Es gab ein Buch über Histologie (Gewebelehre, Anm.d.Red.), das wir beide im Studium benutzten, bei dem sich aber viel geändert hat. Das zu vergleichen, war interessant.“ Sie habe in ihrem Studium auch viel über Allgemeinmedizin gelernt. Das ist wichtig beispielsweise, wenn Patienten Blutverdünner einnehmen und man deshalb einiges bei der Behandlung bedenken muss.

Zahnärztin Dr. Ines Kaiser ist heute die Chefin ihres Vaters und Vorgängers

Dr. Gerhard Kaiser (r.) bei seiner Praxiseröffnung 1975 mit seinem Schwiegervater Manfred Pult. © Kaiser

Nach dem Examen 2005 sammelte Ines Kaiser zunächst Erfahrungen in einer Kinder-Zahnarztpraxis in Düsseldorf. Kinder als Patienten - das ist auch einer ihrer Schwerpunkte in der eigenen Praxis. Neben Implantologie und Parodontologie, die auch ihr Vater schon anbot. „Mir ist wichtig, auf den Patienten einzugehen und dass er sich wohlfühlt.“ Einfühlsam sein, das ist ihr als Zahnärztin wichtig, das gibt sie auch an ihr Team weiter: „Wir haben viele Angstpatienten, um die wir uns entsprechend kümmern, auch um die ein oder andere Vollnarkose zu vermeiden.“

Vater vertritt Dr. Ines Kaiser im Urlaub

Damit erst gar keine Ängste vor dem Zahnarztbesuch aufkommen, werden Kinder behutsam an den Zahnarztbesuch und vor allem an die notwendigen Geräte herangeführt. „Bei uns heißt der Sauger für Kinder Schlurfi und der Rosenbohrer Rumpelbürste“, erzählt Ines Kaiser.

Seit März 2010

Vater ist jetzt Mitarbeiter

  • Seit März 2010 ist Dr. Ines Kaiser ihre eigene Chefin, beschäftigt derzeit drei Vollzeitkräfte, eine Mitarbeiterin in Teilzeit und eine Auszubildende. Zu der Praxis gehört auch ein Labor.
  • Ihr Vater, der sie Mittwochvormittag und wenn sie Urlaub macht unterstützt und vertritt, ist nun Angestellter seiner Tochter.

Nach der Zeit in Düsseldorf kehrte Ines Kaiser kurz nach Lünen zurück, nahm dann für zwei Jahre eine Stelle als Zahnärztin in Hamburg an. „Danach stand ich vor der Entscheidung, nach Köln zu gehen oder in Lünen die Praxis meines Vaters zu übernehmen.“ Zur Freude von Gerhard Kaiser entschied sich die heute 43-Jährige dafür, in ihre Heimatstadt zurück zu kehren und die Praxis an der Münsterstraße 55b zu übernehmen.

Zahnärztin Dr. Ines Kaiser ist heute die Chefin ihres Vaters und Vorgängers

Bei der Praxisübergabe 2010: Dr. Ines Kaiser (3.v.l.) und ihr Vater Dr. Gerhard Kaiser (3.v.r.) mit dem damaligen Praxisteam. © Kaiser

Ob die Praxis auch noch in die dritte Generation geht? „Mein Neffe und meine Nichte bekommen natürlich Einblicke in unsere Berufe, sowohl bei meinem Bruder als auch bei mir. Aber sie sind noch jung, man muss abwarten, wie sie sich entscheiden. Und ich denke, man muss auch zum Zahnarzt berufen sein“, so Ines Kaiser. Da ist sie mit ihrem Vater auf einer Wellenlänge. „Ich finde die Studienplatz-Vergabe über Numerus Clausus nicht so sinnig und denke, dass gute Noten alleine nicht ausschlaggebend sein sollten“, meint der erfahrene Mediziner. Und kritisiert, dass heute Naturwissenschaften in der Schule eine zu kleine Rolle spielten und deshalb manche Studenten auch Probleme an der Uni bekämen. Die hatte Ines Kaiser nicht, sie absolvierte nicht nur das Studium, sondern promovierte auch - genauso wie ihr Vater.

INFORMATION

FOLGEN DER SERIE AUF EINEN BLICK

Mehrere Folgen der Serie „Familiensache“ sind bereits erschienen.
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