Zivile Bikulciute: Eine junge Litauerin hat sich fest vorgenommen, die SPD voranzubringen

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Zivile Bikulciute ist neue Vorsitzende der SPD Horstmar. Dass viele das zwar irgendwie gut, aber auch sinnlos finden, spornt sie nur an. Nicht nur der Name der jungen Frau ist ungewöhnlich.

Horstmar

, 01.10.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fast auf den Tag genau vor vier Wochen wählten die Mitglieder des SPD Ortsvereins Horstmar Zivile Bikulciute zu ihrer neuen Vorsitzenden. Die junge Frau, die gerade ihren 33. Geburtstag feierte, hat dabei einen Wunsch: „Ich möchte, dass die Leute sagen, da können wir uns melden, und die kümmern sich.“

Elf SPD Ortsvereine gibt es in Lünen, Zivile Bikulciute ist nun eine von vier Frauen, die einen Ortsverein führen. Die Zahl vier muss Bikulciute nachschlagen. Ist das irgendwie wichtig, ob Frau oder Mann? Für Bikulciute ganz offenbar nicht, „das spielt überhaupt keine Rolle“, sagt sie. Und fügt lachend hinzu: „Die können doch gar nicht ohne uns.“

„Wenn etwas schief geht, dann hat man die Verantwortung“

Bis zum 27. August war Zivile Bikulciute stellvertretende Vorsitzende der SPD in Horstmar. Also eigentlich ist das alles nicht so neu, aber es fühlt sich anders an: „Wenn etwas schief geht, dann hat man die Verantwortung“, sagt sie. Und doch hat sie die Wahl angenommen. In einer Zeit, in der die junge Frau gerade eigentlich ein bisschen im Stress ist, weil sie eine Weiterbildung zur Betriebswirtin am Berufskolleg absolviert. Sie sei schon derzeit ein „bisschen unentspannt“ in diesem Zusammenhang. Aber Zivile Bikulciute kann offenbar gar nicht anders: Bei ihr geht es immer voran, immer weiter, immer ein Ziel vor Augen. Sie hat Logistik studiert, dann eine Ausbildung als Speditionskauffrau gemacht. Kaum war sie damit fertig, die Frage: Was mache ich jetzt? Sie interessiert sich für Politik, schließt sich den Jusos an, fühlt sich dort „toll aufgenommen“ und mischte fröhlich beim vergangenen Bürgermeister-Wahlkampf mit.

Geboren in Lünens Partnerstadt Panevéžys

Dass das alles mal so kommt, wie es jetzt gekommen ist, das war nicht absehbar. Zivile Bikulciute (sprich: Schtiwile Bikültschute) ist 1986 in Litauen geboren - in Panevéžys, Lünens Partnerstadt seit 1990. „Schuld“ daran, dass Bikulciute heute in Lünen zuhause ist, ist ein bisschen Mama Rita. Die ist Deutschlehrerin in Panevéžys, und als die Panevéžyser damals nach Lünen kamen, da war Mama Bikulciute gefragt, um zu übersetzen. Tochter Zivile nahm sie mit. „Ich kenne Lünen von Kind an“, sagt die gebürtige Litauerin Zivile heute. Ihr Deutsch ist perfekt. Nur der kleine Akzent verrät, dass es nicht ihre Muttersprache ist.

Zivile Bikulciute: Eine junge Litauerin hat sich fest vorgenommen, die SPD voranzubringen

Dieser Eintrag ins Goldene Buch der Stadt dokumentiert die Städtepartnerschaft. © Foto: Magdalene Quiring-Lategahn

Seit fast neun Jahren nun lebt sie in Lünen. Auch Mama Rita hat eine Zeit lang hier gewohnt. Sie ist nun wieder zurück nach Panevéžys. Dass die Tochter nun in Lünen lebt, und reisen kann wie sie will, dokumentiert auch ein Stück europäische Geschichte. Als Zivile Bikulciute geboren wird, gehört Litauen noch zur Sowjetunion. Als sie etwas später nach Deutschland reisen, gilt das Schengen-Abkommen mit seinen Grenzregelungen noch nicht. Heute reist die 33-Jährige „grenzenlos“. Auch wenn es dauert: 1600 Kilomter sind es bis in die Geburtsstadt. Das sind 16 bis 18 Stunden mit dem Bus. „Man kann auch die Fähre von Kiel nach Klaipedah nehmen, oder mit dem Flieger von Dortmund nach Vilnius. So oder so, kurz mal Mama Rita besuchen, das ist nicht drin. Was Mama Rita bei allem Stolz auf die Tochter nicht ganz so schön findet.

Mitglied bei den Sozialdemokraten seit 2014

Aber Zivile Bikulciute hat sich entschlossen, erst einmal hier zu bleiben. Seit 2014 ist sie in der SPD. Und nun Ortsvereinsvorsitzende. Eine mit klaren Zielen: Sie will ihren Ortsverein zum Ansprechpartner für die Menschen machen, Kontakte zu anderen Institutionen im Stadtteil knüpfen, damit es voran geht. Dass manche ihrer Kollegen ihr Engagement zwar gut finden, aber irgendwie auch sinnlos, motiviert sie nur: „Die lachen mich aus. Die sagen, die SPD gibt es doch sowieso bald nicht mehr“ - Zivile Bikulciute sieht das anders.

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