100 Kinder unter drei Jahren werden im Sommer keinen Kita-Platz erhalten. Das teilte die Stadt den Fraktionen im Ausschuss mit. Die Reaktion der Politiker lässt unseren Autor ratlos zurück.

Lünen

, 15.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Was dem Schauspieler das Theater, ist dem Politiker der Ratssaal: Hier steht die große Bühne, auf der man sich präsentieren, sein Können unter Beweis stellen kann. Die Lüner Politiker machen das auch ganz gerne - vor allem, wenn der Rat zusammenkommt, was immer auch ein paar Zuschauer auf die Tribüne lockt. Da macht es dann auch nichts, wenn einige Positionen bereits mehrmals öffentlich mitgeteilt worden sind - manches kann man ja nicht oft genug sagen.

So gesehen habe ich noch ein bisschen Hoffnung, dass es in der nächsten Ratssitzung die ein oder andere Wortmeldung zum Thema Kitaplätze gibt. Vielleicht sitzen dann ja auch Eltern auf der Zuschauertribüne. Das wäre die perfekte Gelegenheit für Politik und Verwaltung, sich für das eigene Versagen persönlich zu entschuldigen.

Entwicklung in den vergangenen Jahren komplett falsch eingeschätzt

Denn anders kann man es nicht mehr nennen, was da in Sachen Kinderbetreuung passiert. Seit Jahren ist bekannt, dass die Geburtenzahlen steigen. Seit Jahren ist klar, dass es Zuzüge gibt. Seit Jahren steht fest, dass die Nachfrage nach U3-Plätzen immer weiter ansteigt. Die Reaktionen auf diese Entwicklungen ist bestenfalls als „zaghaft“ zu beschreiben.

Keine Frage: Die Betreuungsquote bei den U3-Kindern ist gestiegen, und es werden neue Kitas gebaut beziehungsweise bestehende erweitert. Nur reicht das eben nicht. Die 65 Plätze in Beckinghausen beispielsweise - wenn sie denn endlich mal kommen - sind ein Tropfen auf den heißen Stein und können nicht ernsthaft als Alibi dafür dienen, dass man die Entwicklung in den vergangenen Jahren komplett falsch eingeschätzt hat - ein Problem, mit dem Lünen übrigens nicht alleine ist.

Es geht ja noch nicht einmal darum, jetzt sofort alle Probleme zu lösen. Aber ein gewisses Engagement wäre doch wünschenswert. Oder wenigstens ein klares Signal an die Eltern, dass man die Probleme erkannt hat und die entsprechenden Prioritäten setzt.

Haben Politiker bereits resigniert?

Doch die Reaktion der Politik auf den Bericht der Stadtverwaltung im Jugendhilfeausschuss, wonach 200 U3-Kinder auf der Warteliste stehen und 100 im Sommer keinen Platz bekommen werden: null. Keine Nachfrage, wie das denn sein kann. Kein Vorschlag, wie man da vielleicht noch was reißen könnte. Nicht einmal die GFL, sonst immer für ein emotionales Statement zu haben, nahm diese Zahlen zum Anlass, eine ihrer üblichen Tiraden loszulassen.

Warum ist das so? Haben die Politiker bereits resigniert? Sind ihnen andere Themen wichtiger? Oder ist es ihnen letztlich einfach egal? Für welche Möglichkeit man sich auch entscheidet: Sätze wie „Bildung ist das höchste Gut“ oder „Wir müssen vor allem etwas für Familien tun“ wirken künftig irgendwie nicht mehr so überzeugend. Falls sie das jemals überhaupt getan haben.

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