Deutsche und niederländische Beamte haben am Mittwoch, 8. November 2017, ein Haus in Alstätte durchsucht. Der Wohnungsinhaber soll im Zusammenhang mit dem Motorradclub Satudarah stehen. Zwei Hunde wurden dabei erschossen und anschließend in einen Lkw verladen. © Rupert Joemann
Rocker-Prozess

Anklage fordert sieben Jahre Haft für Satudarah-Chefs

Gegen vier Köpfe der mittlerweile verbotenen niederländischen Motorradgang Satudarah hat die Staatsanwaltschaft bis zu sieben Jahre Haft beantragt. Die vier stehen derzeit in Zwolle vor Gericht.

Unter ihnen ist auch der ehemalige Gründer und Leiter der Enscheder Abteilung, Michel B., der zeitweise in Alstätte wohnte.

Die Staatsanwaltschaft legt den Angeklagten zur Last, eine kriminelle Vereinigung geleitet zu haben, die sich zahlreicher Straftaten wie Erpressung, Bedrohung und schwerer Körperverletzung sowie Drogen- und Waffenhandel schuldig gemacht habe. Zwei der vier sollen außerdem Geld gewaschen haben – 103.000 beziehungsweise 275.000 Euro.

Das Verfahren gegen die vier Gangmitglieder läuft schon seit 2016. Im September 2017 wurden drei Angeklagte festgenommen. B. war zu dem Zeitpunkt verschwunden, wurde aber 2018 in Österreich festgenommen und an die Niederlande ausgeliefert.

Tarnnamen und verschlüsselte Kommunikation bei Satudarah

Den Strafverfolgern gelang es, verschlüsselte Kommunikation der Satudarah-Mitglieder zu decodieren. Tarnnamen von Verdächtigen konnten sie realen Personen zuordnen. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage auch auf Aussagen von Zeugen, die aus den Reihen der Satudarah-Führung bedroht wurden und daher nur anonym aussagen wollten.

Relevante und beweiskräftige Aussagen decken sich in hohem Maß mit anderen Erkenntnissen der Strafverfolger und vorliegenden Beweisen. Dokumente, die im Lauf der Jahre an unterschiedlichen Orten von der Polizei beschlagnahmt wurden, spielen im Verfahren eine wichtige Rolle. Ebenso ein Dokumentarfilm, der in Zusammenarbeit mit Satudarah 2015 entstand. Er lasse tief blicken, was die Kultur der Gesetzlosigkeit in der Organisation angehe.

Fünftes Verfahren wird später eröffnet

Die vier Angeklagten (gegen einen fünften wird das Verfahren später eröffnet) hätten diese Kultur der Gesetzlosigkeit mit Gewalt und Drohungen erzeugt und aufrechterhalten. Durch ihr Verhalten – das Bestrafen von „ungehorsamen“ Mitgliedern und das Auferlegen einer Schweigepflicht beinhaltete – hätten sie in der Organisation eine Atmosphäre der Angst erzeugt.

„Alles dreht sich um Macht“, so der Staatsanwalt. „Es geht um Ihre Position als Führer innerhalb von Satudarah und um die Position von Satudarah im Verhältnis zu anderen Outlaw-Motorgangs. Aber auch um die Stellung, die diese Gangs im Bezug auf die Gesellschaft haben, die öffentliche Verwaltung, Wirtschaft, Presse und normale Bürger.“

Satudarah zu entkommen habe sich als so gut wie unmöglich erwiesen. Wer weg wollte, wurde misshandelt, musste sein Motorrad abgeben und 5500 Euro Strafe zahlen.

Staatsanwalt: Nicht irgendeine kriminelle Organisation

Die Staatsanwaltschaft findet, dass hohe Strafen gegen die vier angebracht seien. „Wir haben es nicht mit irgendeiner kriminellen Organisation zu tun. Die Situation ist viele Male ernster. Es ist nun an der Zeit, deutlich zu machen, dass die Grenzen des Erlaubten weit überschritten worden sind.“

Der Prozess wird am 1. November mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt.

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