Hobby-Tüftler können im Makerspace von Joris Bijkerk sowohl Drucker für verschiedene 3D-Druck-Verfahren als auch die Metallwerkstatt nutzen. © Sven Betz
Makerspace

Bocholter eröffnet offene Werkstatt für Hobbybastler

Im neuen „Makerspace“ in Bocholt kann jeder seine eigenen Projekte umsetzen. Dafür stellt Joris Bijkerk professionelle Maschinen bereit. An dem Konzept gibt es auch Kritik.

Die meisten Hobbybastler dürften in den Räumen des Bocholter Makerspace am Westendkreisel schnell große Augen machen: Dort hat der Bocholter Joris Bijkerk in den vergangenen Monaten eine offene Werkstatt für Heimwerker eingerichtet.

Es sind Geräte, die man sonst wohl nur in wenigen Hobbykellern findet, darunter unter anderem eine Sandstrahlanlage, einen CNC-Plasmaschneider und eine Formatkreissäge, die Bijkerk dort – eine entsprechende Einweisung vorausgesetzt – den Tüftlern zur Verfügung stellen will.

Offene „Makerspaces“ wie den des 47-jährigen Bocholters gibt es in Deutschland in vielen größeren Städten. Die Idee ist dabei, Privatpersonen den Zugang zu modernen Fertigungsverfahren zu ermöglichen – und dabei ganz nebenbei die Kreativität zu fördern. „Vor etwa 20 Jahren gab es schon eine gesellschaftskritische Bewegung zum Selbermachen“, sagt Bijkerk.

Kritik in Richtung Sicherheit und Verantwortung

Durch den stärkeren Fokus auf die Nachhaltigkeit erlebe das Thema gerade die zweite große Welle, so der Bocholter. „Wir wollen zum Selbermachen anregen. Man muss nicht immer gleich etwas Neues kaufen, man kann auch Dinge reparieren oder selbst etwas herstellen“, so Bijkerk, der auch für das Bocholter Repaircafé tätig ist.

Überhaupt habe er für seinen Makerspace schon viele interessierte Mitstreiter gewinnen können. Auf einer kleinen Tafel im Eingangsbereich der Werkstatt hat Bijkerk auf einer „Wall of Fame“ die Unternehmen aufgelistet, die sich bereits für das Projekt eingesetzt haben. Doch nicht immer stoße er nur auf Begeisterung – es gebe auch durchaus kritische Stimmen, sagt Bijkerk.

Da gehe es zum einen um die Frage der Sicherheit und der Verantwortung, zum anderen hätten einzelne Handwerker die Befürchtung, der Makerspace könnte eine Konkurrenz für ihr Angebot werden. Doch das könne er komplett ausschließen, so Bijkerk. „Wir sind zum Selbermachen da, wir stellen an sich nichts her“, sagt er. Und eine Mitgliedschaft im Makerspace sei personenbezogen, der Zugriff auf anspruchsvolle Maschinen werde überprüft.

Stadt Bocholt hat Betriebserlaubnis erteilt

Das werde künftig auch technisch gesteuert: So können Mitglieder bestimmte Maschinen nur nach entsprechender Einweisung mit ihrer Mitgliedskarte freischalten. Bijkerk selbst ist gelernter Maschinenbauer und hat unter anderem für die Automobilindustrie gearbeitet. Basteln sei für ihn immer schon eine Leidenschaft gewesen. „Ich habe im Nachgang ein bisschen Mitleid mit meinen Eltern“, scherzt er: „Ich habe schon als Zweijähriger Rolltreppen in Kaufhäusern stillgelegt, weil ich gerne Knöpfe drücke.“

Eine Betriebserlaubnis habe die Stadt Bocholt ihm jetzt erteilt, sagt Bijkerk. Trotzdem werde er zunächst in einen Probebetrieb starten, bis alle Maschinen und auch das Zugriffssystem betriebsbereit sind.

Wie sich das Konzept tragen könne, müsse sich noch rausstellen, sagt Bijkerk. Ein Verein ist der Makerspace nicht, der Bocholter hat für den Betrieb eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft gegründet. So behalte er in der Organisation das letzte Wort.

Interessierte können Mitglied im Makerspace werden

530 Quadratmeter stehen den Tüftlern im Makerspace zur Verfügung, neben den Werkräumen, in denen es „laut und schmutzig“ wird, gibt es auch eine Küchenecke, eine große Empore und einen „Thinkspace“. Das ist ein abgeschlossener Bereich, in dem in Ruhe am Computer geplant werden kann. Auch ein offenes WLAN gebe es für Mitglieder und Gäste, sagt Bijkerk.

Wer selbst im Makerspace tüfteln will, der kann auf der Internetseite der Gesellschaft ab sofort eine Mitgliedschaft beantragen. Die Kosten dafür starten bei monatlich neun Euro, erklärt Bijkerk.

„Dann hat man in der Woche zwölf festgelegte Stunden an drei unterschiedlichen Tagen, an denen man kommen kann“. Wer den Makerspace die ganze Woche über nutzen will, der zahlt 59 Euro und kann kommen, wann er will. Auch Gutscheine mit festem Guthaben für Kurse bietet Bijkerk an.

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