Borkenkäfer

Borken bald ganz ohne Fichten – dank Borkenkäferbefall

Der Borkenkäfer ist nun schon seit langem ein Problem für Nadelwälder in ganz Deutschland. In Borken tendiert die Zahl der Fichten gegen Null. Woran das genau liegt erklärt Förster Holger Eggert.

Seit Jahren ist der Borkenkäfer ein wiederkehrendes Problem in deutschen Wäldern. Wo er zuschlägt, sterben ganze Nadelwälder ab. Fast ausschließlich Fichten sind davon betroffen. Deshalb wird jedes Jahr aufs Neue versucht, durch Abholzung des Schadholzes den Befall weiterer Bäume zu verhindern.

Da das Problem auch im Borkener Umland schon seit langem bekannt ist, kümmert sich Holger Eggert, der zuständige Förster des Landesbetriebs Wald und Holz NRW für die Region Borken, um die Beseitigung des Schadholzes. Aktuell nimmt er sich eines Waldstückes an der Weseker Bockwindmühle an.

Fichtenbestand tendiert gegen Null

„Auch wenn der Fichtenbestand im Westmünsterland schon immer vergleichsweise niedrig war, ist die Entwicklung der letzten Jahre prekär“, erklärt der Förster, während er auf die ersten rindenlosen Bäume hinweist. Bei der letzten offiziellen Baumbestandserhebnung im Jahr 2017 waren in Borkener Wäldern noch rund acht Prozent der Bäume Fichten. Ende 2020 waren es nur noch vier Prozent und am Ende dieses Jahres sollen es nur noch knapp die Hälfte sein, so Holger Eggert. Als er den Wald betritt ist das Maß der Zerstörung gut anhand der braunen, kahlen Flächen, mitten im eigentlich grünen Wald, zu erkennen.

Extreme Trockenheit wirkte sich aus

Bei einer Fläche von zirka 2000 Hektar Wald, die Eggert betreut, wären das nur noch 40 Hektar Fichte. „Dieser Rückgang erklärt sich durch die extreme Trockenheit der letzten drei Jahre“, erläutert der Forstwirt. Denn der Borkenkäfer kann sich besonders gut ausbreiten, wenn es den Fichten nicht so gut geht. Der zwei und acht Millimeter großen Schädlinge fressen sich durch die Rinde der Fichte, bohren Tunnel im Inneren und legen darin ihre Larven ab.

Ein gesunder Baum hält ihn dabei – dank seines Harzes – unter der Rinde gut auf, erörtert Holger Eggert und nimmt ein Stück abgefallener Rinde auf. Daran zeigt er die durch die zwei bis acht Millimeter großen Käfer entstandenen Tunnel. Doch umso weniger Wasser der Fichte zur Verfügung steht, desto weniger Harz kann sie produzieren und der Schädling hat freies Bahn. Darauf folgt das Abplatzen der Rinde und der schnell folgende Tod des gesamten Baums. „Denn ein Baum ohne Rinde kann nicht überleben“, betont der Forst-Fachmann.


Dem Borkenkäfer wird der Kampf angesagt

Die Bekämpfung der Borkenkäfer ist simpel. Die befallenen Bäume müssen gefällt und beseitigt werden. Nur muss dies schnell von statten gehen, damit sich der Käfer mit seinem Flugradius von ungefähr 500 Metern nicht auf den nächsten Bestand an Nadelhözern ausbreitet. Dazu kommt großes Gerät zum Einsatz. Mit einem so genannten Harvester wird ein ganzes Waldstück in etwa einem halben Tag von allen Fichten befreit

Doch Holger Eggert macht sofort klar, dass die Fichte bei diesen Bestandszahlen in Borken sowieso keine Zukunft mehr hat. „Wo die Fichte natürlich nachwächst, lassen wir sie auch. Aber wir pflanzen keine mehr nach“, ergänzt der Diplom-Forstwirt. Ursprünglich gehöre die Fichte gar nicht in diese Region, fügt er hinzu und verweist auf die gerade verlaufenden Reihen der Bäume. Denn nach dem Krieg wurde die Fichte als praktischer und schnell wachsender Baum für die Holzproduktion in Reihen eingepflanzt.

„Der Mischwald aus Laubbäumen ist eigentlich regionstypisch. Und den wollen wir auch wieder aufforsten“, führt aus, während er auf kleine Eichensprösslinge auf dem Boden hinweist. Somit wird es zu keinem großen Waldsterben, wie in anderen Regionen Deutschlands kommen. Sowie im Sauerland, wo fast zwei Drittel der Wälder aus Fichten bestehen.