Insbesondere während der Quarantäne-Periode hatte die Nachfrage nach Hunden in Borken deutlich zugenommen. Allerdings zeigt sich nun auch, dass sich viele Besitzer übernommen haben. © Marie-Therese Gewert
Coronakrise

Corona löst Hunde-Boom in Borken aus – mit Auswirkungen auf die Hundesteuer

Während der Corona-Pandemie haben sich viele Menschen Gedanken über ein Haustier gemacht. In Borken wurden bis Oktober mehr als viermal so viele Hunde angemeldet wie im gesamten Jahr 2019.

Während der Corona-Pandemie, speziell zum Zeitpunkt der Quarantäne, haben viele Menschen sich Gedanken über ein neues Haustier gemacht. Der vermeintlich beste Freund des Menschen kam dabei natürlich häufig in die engere Auswahl. So wurden in Borken in den ersten zehn Monaten dieses Jahres mehr als viermal so viele Hunde angemeldet wie im gesamten Jahr 2019. Entsprechend deutlich ist auch die Hundesteuer gestiegen.

„Doch viele der neuen Besitzer machten sich wenig Gedanken über die langfristigen Konsequenzen eines Hundekaufs“, erklärt Svenja Kersting vom Tierheim in Ahaus. Denn die Kehrseite des Nachfragebooms zeigt, dass ein Jahr später die Zahl der Hunde, die in den Tierheimen abgegeben oder sogar ausgesetzt wurden, ähnlich stark gestiegen ist wie zuvor die Kauf-Nachfrage.

„Einige Leute dachten, dass Hund und Vollzeitjob leicht zu vereinbaren wären. Doch gerade bei jungen Hunden ist das ein großer Trugschluss“, ergänzt Kersting. So habe das Tierheim dieses Jahr knapp ein Drittel mehr Anfragen von Haltern, die ihre Hunde wieder abgeben wollten, als noch im Jahr 2020.

Tierheime haben deutlich mehr Anfragen

Dies hat ihrer Meinung nach vor allem mit der Rückkehr aus dem Home-Office in den Vollzeitjob zu tun. „Auch wenn viele der Halter uns gegenüber andere Argumente wie plötzliche Allergieentwicklung oder einen Umzug in eine haustierfreie Wohnung vorbringen“, sagt Kersting. „halte ich das für fadenscheinig“, fügt sie hinzu. Sie denkt, dass das Schamgefühl der Besitzer zu groß ist, weil sie eigentlich einsehen, dass der Hundekauf ein Fehler war.

Ein Problem fürs Tierheim: „Viele wollen auch gar nicht erst sagen, woher die Hunde überhaupt kommen“, führt die Tierpflegerin aus. Deshalb vermutet Svenja Kersting, dass die Hunde im Internet erworben wurden. „Seit ein paar Jahren ist die Plattform Ebay Kleinanzeigen dabei zum großen Problem geworden“, sagt sie.

Diese Entwicklung stört auch den Borkener Border-Collie-Züchter Jürgen Hanke. „Im Internet werden teilweise Hunde aus Rumänien angeboten, die dort unter schlimmsten Bedingungen gehalten und gezüchtet wurden. Dann werden sie nach Deutschland gebracht und hier für Unsummen an Tierheime oder Privatpersonen verkauft“, so Hanke.

200 Interessenten für einen Wurf von sechs Welpen

Er selbst sagt, dass er bei seinen Hunden sowohl bei der Gesundheit, als auch bei der Erziehung stets die höchsten Standards anlege. „Das tun auch die meisten seriösen Züchter“, ergänzt der Hundeprofi. Deshalb sei es ihm und anderen Züchtern auch umso wichtiger, ihre Schützlinge an die richtigen Interessenten zu verkaufen.

Auch Hanke bemerkte im letzten Jahr, wie die Nachfrage nach jungen Hunden drastisch anstieg. So hatte er einen Wurf von sechs Welpen, für die es gleich knapp 200 Interessenten gab. Er favorisiert unter den Interessenten vor allem junge Familien oder bereits erfahrene Hundehalter. „Unter so vielen Bewerbern auszuwählen, fällt natürlich nicht leicht, aber für den Fall der Fälle sichere ich mich und meine Hunde vertraglich immer ab“, erklärt Hanke.

„Zum Beispiel dürfen meine Hunde nicht an Dritte weiterverkauft werden, sondern müssen an mich zurückgehen, wenn der Besitzer sie nicht mehr will“, ergänzt er.