Umbauarbeiten

Grabungen auf Borkener Markt: Warum werden vor allem Schweineknochen gefunden?

Auf dem Marktplatz in Borken tut sich wieder ein Fenster in die Geschichte auf. Vor den Umbauarbeiten sichert ein Archäologenteam im Auftrag des LWL Spuren. Mit schon interessanten Funden.
Archäologe Ulrich Holtfester (l.) und Grabungstechniker Christopher Dickenson sichern Spuren unterhalb des Marktplatzes. © Sven Kauffelt

Ulrich Holtfester steht neben einer Schneise aus roten und bunten Steinen und deutet von rechts nach links. „Das war eine Gasse, die zwischen zwei Häuserreihen hindurch führte. Die Fundamente sieht man hier ja sehr deutlich.“ Tatsächlich kann man die Grundrisse alter Häuser rund 50 Zentimeter unter der heutigen Marktplatzoberfläche locker erkennen, weil die Sockel der Backsteinmauern komplett erhalten sind. „In früheren Jahrhunderten war es üblich, bestehende Fundamente einfach weiter zu nutzen und neu oben drauf zu bauen“, sagt der Archäologe.

Das galt offenbar auch für die Straßen und Gassen. „Die Gasse ist aus dem Spätmittelalter“, erklärt der Archäologe. Diese haben Grabungsleiter Holtfester und seine Mitarbeiter in den vergangenen Tagen auf einer Länge von mehreren Metern freigelegt. So ein Gassenboden steckt voller Spuren aus der Zeit ihrer Entstehung.

Viele Unterkiefer zwischen den Steinen

„Die Menschen haben damals auf bestehende Untergründe einfach eine neue Lage Steine gekippt“, erklärt Holtfester, „und dazwischen landete auch immer wieder Müll wie Tonscherben oder Knochen.“ An einer Stelle sind deutlich mehrere Unterkiefer von Schweinen zwischen den Steinen zu sehen, die hier mit verbaut wurden. „Das sehen wir häufig“, sagt der Archäologe. Drüber kam dann eine Schicht Erde, fertig.

Stück für Stück arbeiten sich die Mitarbeiter des Büros „Archäologie am Hellweg“ in den Erdschichten und damit auch den Zeiten voran. Im hinteren Teil der abgezäunten Fläche geht es in den nächsten Wochen besonders tief runter. Dort wird für das Fontänenfeld bis zu drei Meter tief ausgeschachtet, so dass die Archäologen hier alles bis in diese Tiefe freilegen.

„Wenn wir Glück haben“, sagt Ulrich Holtfester, „finden wir hier Spuren aus der Zeit der ersten Besiedlungen im 9. Jahrhundert.“ Bis Mitte November sollen die Grabungen andauern. Es sei denn, unter Borkens Mitte taucht noch Spektakuläres auf.