Auch wenn sich die Baukräne überall drehen – auf dem Immobilienmarkt wird es eng. Die Preise explodieren. © Sven Kauffelt
Kaum Angebote

Immobilienmarkt ist weiter überhitzt: „Die Preise sind absolut irre“

Die Preise auf dem Immobilienmarkt steigen und steigen. Im vergangenen Jahr lag der Durchschnittspreis für den Bau eines Einfamilienhauses im Kreis Borken bei 537.000 Euro. Kaum erschwinglich.

Für junge Paare, die sich mit dem Gedanken ans eigene Heim beschäftigen, haben ein großes Problem: die Kosten. Ein Einfamilienhaus lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 537.000 Euro. Das ist kaum noch zu finanzieren.

Der Grundsatz des Marktes ist simpel und lässt sich seit einigen Jahren besonders plastisch anhand von Immobilien erklären: Sehr knappes Angebot plus starke Nachfrage gleich extrem hohe Preise. Wer nicht schon richtig viel Geld mitbringt, hat in Borken, ebenso wie in Raesfeld und Heiden wenig Aussicht auf eigene vier Wände.

Philipp Freitag sagt zwar: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, der Traum vom Häuschen in Heiden haben er und seine Frau Sabrina aber erstmal zurückgestellt. „In den letzten zwei Jahren sind die Preise völlig explodiert“, sagt der 35-Jährige. Das bisschen, was der Markt hergibt, sieht dann so aus: Entweder ein abgewohntes Haus mit immensem Sanierungsbedarf oder Preise, wie man sie im Westmünsterland noch nie gesehen hat. „Es ist teilweise unvorstellbar, was da aufgerufen wird“, sagt Freitag.

Heiden ist jetzt teuerstes Pflaster

Besonders in Heiden, denn die Gemeinde hat Raesfeld als teuerstes Pflaster im Kreis Borken abgelöst. Mit 220 Euro gibt der Gutachterausschuss beim Kreis den Bodenrichtwert in Heiden an. Borken (215 Euro) und Raesfeld (210 Euro) folgen dichtauf. Der Ausschuss dokumentiert sämtliche Kaufverträge für Grundstücke und Immobilien. Demnach kennen die Preise weiterhin nur eine Richtung: rauf. Für Wohnbaugrundstücke seien im vergangenen Jahr durchschnittlich fünf Prozent mehr gezahlt worden als im Jahr 2019. Noch größer sind die Sprünge bei den Immobilien selbst. Neubauten stellen dabei alles in den Schatten: So habe der durchschnittliche Preis für ein neues Einfamilienhaus im Kreis 537.000 Euro betragen.

Architekt: „Baukosten spielen völlig verrückt“

„Die Baukosten spielen völlig verrückt“, sagt der Borkener Architekt Thomas Mischo. Manche Klienten hätten ihr Bauvorhaben erstmal zurückgestellt, weil sie auf fallende Preise warten. Beim Holz sehe man das schon wieder, dagegen sei zum Beispiel der Preis für Dämm-Material „eine Unverschämtheit“, findet der Architekt. Trotzdem sind die Handwerker auf Monate ausgebucht und Interessenten reißen sich um freie Grundstücke.

„Eigentlich muss man übers Bauen gar nicht nachdenken“

Jessica Gröne (24) und ihr Freund haben sich für eins im neuen Marbecker Baugebiet beworben. Die Stadt will wie in Hovesath bei der Vergabe Einheimische über ein Punktesystem begünstigen. „Da haben wir als Ur-Marbecker ganz gute Chancen“, hofft Jessica Gröne, auch wenn die Konkurrenz in Marbeck groß sein wird. Aber der Grundstückszuschlag ist nur die halbe Miete: „Eigentlich muss man bei den Preisen übers Bauen gar nicht nachdenken“, sagt sie. „Deshalb würden wir auch gerne was kaufen, aber da ist in Marbeck erst recht nichts zu kriegen.“

Markt ist leergefegt – überall

Der Markt für Bestandsgebäude ist überall leergefegt. „So wenige Objekte hatte ich noch nie“, sagt der Borkener Makler Ludger Tenk. „Einzig im Bereich von Neubauten tut sich ein bisschen was, aber da gibt es einen absoluten Grundstücksmangel und damit extrem hohe Preise.“

Bei den verkauften Grundstücken lag der Durchschnittspreis laut Gutachterausschuss in Borken im vergangenen Jahr bei 188 Euro pro Quadratmeter. Aus der Branche ist aber zu hören, dass Bauträger für Grundstücke in Toplagen das doppelte oder gar dreifache bieten und auch zahlen. Wie der Gutachterausschuss ausgerechnet hat, ist im vergangenen Jahr im Kreis Borken erstmals über eine Milliarde Euro auf dem Immobilienmarkt umgesetzt worden.